
BUDENHEIM/GONSENHEIM – Brav respektierten die Besucher die Vorgabe, nicht am Straßenrand im Lennebergwald zu parken. Der Parkplatz am Schloss Waldthausen war dafür bis auf den letzten Platz besetzt. In Grüppchen zogen die Familien zur Festmeile, die sich zwischen dem Forsthaus und dem Grünem Haus erstreckte. Auf der Wiese und der Lichtung hinter dem Grünen Haus wurde experimentiert, gebastelt und entdeckt. Unzählige Kinder wechselten von Station zu Station. So viel zu sehen! Der eigentliche Gastgeber, der Wald, enttäuschte sie nicht. Der Anlass war das 75-jährige Bestehen des Zweckverbandes zur Erhaltung des Lennebergwaldes. Am Vormittag hatten Vertreter aus Mainz und Budenheim das Jubiläum offiziell gefeiert. Am Nachmittag gehörte der Wald beim Familientag der KinderUNI Mainz dann vor allem den Kindern.

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Wenn der Wald zum Campus wird
Dafür hatte die KinderUNI ihren Campus verlassen und die Festmeile unter das Motto „Netze“ gestellt. Die Wissenschaftler, städtische Einrichtungen, Akademien, Naturschutzgruppen und das Forstamt haben ihre Angebote als Spielräume unterschiedlich aufbereitet: Mathematiker beschäftigten sich mit Körpernetzen, beim Schülerlabor Chemie ging es um vernetzte Moleküle, die Grüne Schule des Botanischen Gartens zeigte Verbindungen zwischen Pflanzen und Insekten.
„Jeder der Aktiven versucht, aus seinem Fachgebiet etwas zum Thema Netze beizutragen“, erklärte Dr. Christa Welschof vom Fachbereich Chemie der Johannes Gutenberg-Universität. Sie wirkt im Arbeitskreis Jugend und Wissenschaft mit, der den Familientag organisierte. Entstanden ist das Format bereits 2011, als Mainz Stadt der Wissenschaft war. Seitdem wechselt der Veranstaltungsort zwischen dem Campus und anderen Einrichtungen in Mainz. Diesmal führte das Jubiläum des Zweckverbandes die KinderUNI in den Lennebergwald. An dicht umlagerten Stationen begleiteten Studierende, wissenschaftliche Hilfskräfte, Mitarbeiter und Auszubildende die Kinder bei Mitmachangeboten.
Zweieinhalb Stunden – und noch nicht durch
„Ich finde es total toll, dass es so viele Möglichkeiten für Kinder gibt: vom Malen bis zum Experimentieren“, sagte eine Mutter, die mit ihren zwei Kindern gekommen war. Dass die Angebote kostenfrei waren, hob sie besonders hervor. „Wo gibt es das sonst?“ Zweieinhalb Stunden war die Familie zu diesem Zeitpunkt bereits unterwegs. Langeweile? Keine Spur. „Und wir sind noch nicht durch.“
Auch die Kinderwaldakademie Waldwunder gastierte vor Ort. Hier gestalteten die Kinder Spinnen aus Naturmaterialien. „Der Wald hat ja verschiedene Netze“, erklärte die Vorsitzende Kerstin Langrogt und verwies auch auf Pilz- und Baumnetze. Die Kinderwaldakademie mit Sitz bei der Wendelinuskapelle in Gonsenheim vermittelt Schulklassen und Vorschulgruppen bei Führungen Naturerlebnisse. Die Kinder sollten den Wald kennenlernen und lernen, ihn zu schützen, erklärte Langrogt.
Auch der Zweckverband und das WaldNaturschutzZentrum Ober-Olm beteiligten sich an dem Familientag. So wurde am Jubiläumstag ein Netzwerk aus Wissenschaft, öffentlichen Einrichtungen, Forst und Naturschutz sichtbar, das zwar nicht unmittelbar mit dem Datum zusammenhing, den Familientag in seiner Vielfalt aber erst ermöglichte.

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Die erste Geige spielte der Wald
Begonnen hatte der Tag mit dem offiziellen Teil zum 75-jährigen Bestehen des 1951 gegründeten Zweckverbandes. Der Mainzer Oberbürgermeister und derzeitige Verbandsvorsteher Nino Haase (parteilos) und Budenheims Bürgermeister Stephan Hinz (CDU) feierten gemeinsam mit Revierförster Stefan Dorschel und weiteren Gästen das Jubiläum. Dabei wurde auch das neue Jubiläumsmaskottchen enthüllt: „Lenny“, ein Gartenschläfer, der als große Holzfigur vor dem Grünen Haus auf den besonderen Waldbewohner aufmerksam macht.
Am Nachmittag rückten Reden und Jubiläumszahlen in den Hintergrund. Die erste Geige spielte der Wald – als Gastgeber, Spielplatz, Labor und Lernort – und das schien seinen Gästen ziemlich gut zu gefallen.
Gregor Starosczyk-Gerlach





















