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„Wenn ich herkomme, fange ich zu lächeln an“ Seit 40 Jahren begleitet das Haus Haifa junge Menschen in Mombach

40 Jahre Haus Haifa verbinden viele Wegbegleiter. Zum Jubiläum kamen aktuelle und ehemalige Leitungen, Vertreter des Jugendamtes, des Ortsbeirats und des Fördervereins zusammen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach 
40 Jahre Haus Haifa verbinden viele Wegbegleiter. Zum Jubiläum kamen aktuelle und ehemalige Leitungen, Vertreter des Jugendamtes, des Ortsbeirats und des Fördervereins zusammen. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach 

MOMBACH – Rachman hat sich für diesen Tag herausgeputzt. Gleich nach der Schule kam er her. Die schwarzen Haare glänzen und sitzen perfekt. Angezogen hat der 14-Jährige das weiße Shirt mit dem Logo des Hauses Haifa. Er ist nicht nur zum Feiern gekommen. Beim 40. Geburtstag des Mombacher Kinder-, Jugend- und Kulturzentrums hilft er mit. 

Zunächst antwortet Rachman knapp. Er komme gerne her. Doch dann erzählt er vom kostenlosen Billardtisch und von der Playstation, die man hier nutzen kann und anderen Angeboten. „Da muss man dankbar sein“, sagt er. Vor allem fühlt er sich aber willkommen und ernst genommen. Manchmal braucht ein Jugendlicher jemanden zum Reden, sagt er. „Die Eltern haben nicht immer Zeit. Wenn ich herkomme, fange ich an, zu lächeln.“

Treffpunkt mit Haifisch-Logo

Seit 1986 gehört das Haus Haifa zu Mombach. Seiner Eröffnung ging ein langer Weg voraus. Bei der Feier können die Gäste in Heften mit solchen Informationen blättern und sich in einer Ausstellung in die Lektüre von Zeitungsartikeln vertiefen. Schwarz-Weiß-Fotos hängen auf einem stilisierten Hai-Korpus. Gemeinsam bilden sie eine Zeitleiste.

Vor vier Dekaden hatten sich Jugendliche für einen eigenen Treffpunkt eingesetzt. Der Ortsbeirat nahm das Ansinnen auf. Sie beteiligten sich auch an seiner Gestaltung. Bis heute können hier  junge Menschen mitreden und sich in der Übernahme von Verantwortung einüben.

Gegenwärtig engagieren sich regelmäßig zehn bis 15 Jugendliche wie Rachman im Haus. Das beginnt ganz praktisch. Einer trägt Getränkekisten, andere gestalten Plakate oder helfen bei Aktionen. Wie Leiterin Sandra Schwarz, die die Einrichtung seit 2013 kennt, betont, seien manche Kinder von damals heute als junge Erwachsene dabei.

Offene Jugendarbeit ist Teilhabe

„Offene Kinder- und Jugendarbeit muss sich permanent weiterentwickeln“, sagt Jugendamtsleiterin Juliane Opalka. Persönliche Sorgen gab es schon vor 40 Jahren. Heute kommen soziale Medien, Digitalisierung und gesellschaftliche Krisen hinzu. Sie nennt ein Beispiel für die Flexibilität des Jugendzentrums: Während der Corona-Pandemie druckten die Fachkräfte die Schulaufgaben aus und legten sie am Haus zur Abholung aus.

Von 2009 bis 2026 gab es eine Nachmittagsbetreuung. Die Lernhilfe besteht weiterhin. Sie ermöglicht Unterstützung unabhängig vom Einkommen der Eltern.

Schwarz will das Haus aber nicht als Lückenfüller sehen. Entscheidend seien die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen. „Wir sind kein Luxus“, sagt sie. Offene Jugendarbeit bedeute auch Bildungsteilhabe und demokratische Erfahrung.

Ein anderer Vorteil der Arbeit hebt Abteilungsleiter Marcus Hansen hervor: Niemand muss sich hier langfristig verpflichten. Anders als im Verein gebe es keinen festen Trainingstermin. „Die Jugendlichen können kommen, wegbleiben und wiederkommen.“

Wie die Arbeit manchmal nicht an der Haustür endet, beschreibt Ortsvorsteher Christian Kanka:  Bei Bedarf suchen die Mitarbeiter Jugendliche auch an Treffpunkten im Stadtteil auf. Darin sieht er eine wichtige Verbindung zu Mombach. Das Haus sei dann allem eine „Anlaufstelle im Trockenen“.

Unterstützung mit Aussicht

Der Name Haifa erinnert an die israelische Partnerstadt von Mainz. Später kam der Hai als Comicfigur hinzu. Er machte aus dem Namen ein Motiv, mit dem sich Kinder und Jugendliche identifizieren konnten.

Was die Arbeit langfristig bewirkt, lässt sich schwer messen, meint Hansen, doch er berichtet von ehemaligen Besuchern, die nach Jahren zurückkehren und erzählen, wie wichtig die Unterstützung bei Schule, Ausbildung oder persönlichen Problemen gewesen sei.

Für die kommenden 40 Jahre hat Leiterin Schwarz deshalb einen einfachen Wunsch: Das Haus soll bleiben und sich weiterhin nach den Bedürfnissen junger Menschen richten.

Und was bedeutet das für Rachman? Er ist 14, trägt das Shirt des Hauses und hilft beim Fest. Was die lieb gewordene Stätte ihm einmal bedeuten wird, ist offen. Aber dass er hier lachen und anderen helfen kann, ist gar keine schlechte Basis.

Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach 

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