
BUDENHEIM – Der Lennebergwald blickt in diesem Jahr auf ein besonderes Datum: Der Zweckverband zur Erhaltung des Lennebergwaldes feiert sein 75-jähriges Bestehen. Wie Journal LOKAL mehrfach berichtete, nutzt das Forstamt das Jubiläumsjahr, um den Wald mit mehreren Aktionen aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar zu machen. Höhepunkt soll ein großes Fest am 30. August werden. Doch schon im Jahresverlauf geht es immer wieder um Geschichte, Nutzung, Natur und Zukunft dieses besonderen Waldgebietes.
Kohlenmeiler am Grünen Haus
Zuletzt stand am Grünen Haus eine fast vergessene Nutzung des Lennebergwaldes im Mittelpunkt: An Pfingsten wurde ein Kohlenmeiler entzündet. Waldbesucher konnten erleben, wie in früheren Zeiten Holzkohle hergestellt wurde. Sie wurde beispielsweise gebraucht, um in Schmieden und Backstuben die große Hitze zu erzeugen. Dass im Lennebergwald einst Köhlerei betrieben wurde, zeigen noch heute einzelne Wegnamen.
Jubiläums-Grillkohle aus dem Wald
Kohlenschneise, Gebrannte Schneise und Brandschneise erinnern daran, in welchen Bereichen des Waldes diese Arbeit stattgefunden haben dürfte. Der Kohlenmeiler ist inzwischen verschlossen und die gewonnene Holzkohle inzwischen – nach dem Abkühlen – in Papiersäcke abgefüllt werden. Später soll sie als Jubiläums-Grillkohle im Waldladen am Grünen Haus und bei Veranstaltungen am Grünen Haus erhältlich sein.
Wie geht es Rheinhessens kleinstem Wald?
Doch das Jubiläum ist mehr als ein Anlass für den Blick zurück. Es lenkt auch den Blick auf Gegenwart und Zukunft des Waldes. Wie geht es Rheinhessens kleinstem Wald nach Jahren der Trockenheit, Hitze und Schädlingsbelastung?
Revierförster Stefan Dorschel erinnerte bei der Präsentation des Jubiläumsprogramms daran, dass der Lennebergwald seit 2015 stark unter Trockenheit und Hitze gelitten habe. In dem Sinne klang auch sein Bericht im Budenheimer Gemeinderat im 2024. Besonders die Jahre 2018, 2019 und 2020 hätten dem Wald viel Substanz gekostet.
Kiefern seien abgestorben, aber auch Laubbäume wie Buchen und Eichen. Die Niederschläge der vergangenen Jahre hätten die Lage jedoch verbessert. Naturverjüngung und ergänzende Pflanzungen entwickelten sich derzeit besser, als man es noch vor einigen Jahren befürchtet habe.
Ein Wald im Wandel
Der Wald werde sich dennoch deutlich verändern. An vielen Stellen prägen inzwischen Brombeeren, Weißdorn und andere Sträucher die Flächen. Zwischen ihnen müssen sich junge Bäume erst wieder behaupten. Die Forstleute setzen dabei nicht mehr auf großflächiges Räumen und plantagenartige Pflanzungen, sondern auf kleinteilige Eingriffe.
In kleinen Gruppen werden unter anderem Kiefern, Eichen, Elsbeeren, Winterlinden, Spitzahorn, Kirschen und Baumhaseln gefördert. Auch mediterrane Baumarten werden erprobt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Arten im Klimawandel eine Zukunft haben könnten.
Totholz gehört zur neuen Waldentwicklung
Eine dauerhafte Aufgabe bleibt die Verkehrssicherung. Abgestorbene oder geschädigte Bäume müssen vor allem entlang von Siedlungen, Straßen, Autobahnen, Bahnlinien und Gebäuden kontrolliert werden. Zugleich machte Forstamtsmitarbeiter Haase deutlich, dass der Wald an manchen Stellen künftig nicht mehr so aufgeräumt aussehen werde wie früher. Totholz, Strauchflächen und natürliche Regeneration gehörten zur Entwicklung eines stabileren Waldes dazu.
Afrikanische Schweinepest bleibt Thema
Auch die Afrikanische Schweinepest war Thema. Nach Angaben des Revierjagdmeisters hat sich die Lage im Bereich des Lennebergwaldes zuletzt beruhigt. Seit rund einem Jahr sei kein neuer positiver Fall hinzugekommen. Dennoch bleiben Maßnahmen wie Zäune und die Leinenpflicht vorerst relevant. Die Vermarktung von Wildprodukten war durch die Sperrzone eingeschränkt, obwohl jedes Tier, das in den Verzehr geht, getestet wird.
Wildprodukte als Zugang zum Wald
Für den Zweckverband bleibt der Verkauf regionaler Wildprodukte dennoch wichtig. Er ist eine Einnahmequelle und zugleich ein niedrigschwelliger Zugang, um mit Menschen über den Wald ins Gespräch zu kommen. Zum Jubiläum wurde sogar ein neues Produkt vorgestellt: „Lennis Wildfleischkäse“. Er ergänzt das Angebot aus Wildprodukten, das am Grünen Haus und über den Automaten erhältlich ist. Damit verbindet der Zweckverband das Jubiläum auch kulinarisch mit dem Lennebergwald.
Ein Wald mit vielen Schichten
Das Team des Forstamts verwendet viel Engagement, um den Wald im Jubiläum in mehreren Schichten zu präsentieren: als historischen Nutzraum, als Erholungsgebiet, als gefährdetes Ökosystem und als Ort, an dem sich die Folgen des Klimawandels aus nächster Nähe beobachten lassen. So wie der Kohlenmeiler am Grünen Haus sinnbildlich neben der alten Handwerkstechnik auch die stetige Nutzung und Veränderung des Waldes illustrierte, führte die Aktion auch den Aspekt der Pflege vor Augen, von der die Zukunft des kleinsten Waldes in Rheinhessen abhängt.
Gregor Starosczyk-Gerlach





















