
GAU-ALGESHEIM – Nass wurden sie unterwegs durchaus. Die Freude am Radfahren ließen sich die Teilnehmer des 50. Volksradfahrens in Gau-Algesheim von den Regenschauern kaum nehmen. Einem der befragten Radfahrer reichten die 23 Kilometer sogar noch nicht: „Aber weil es ein Jubiläum ist, fahren wir jetzt die Runde grad noch mal“, kündigte er nach der Rückkehr an. „Zur Feier des Tages.“
Eigenes Tempo, kein Gedränge und nur die Natur links und rechts
Rund um die Halle des Radsportvereins 1898 (RSV) herrschte reges Treiben. E-Bikes standen neben kleinen Puky-Rädern, dazu kamen Gespanne mit Kinderanhängern. Viele Familien nutzten die Gelegenheit zur Ausfahrt: Vorbildlich mit Helmen und wetterfester Kleidung ausgerüstet. Kam eine größere Gruppe am Start zusammen, ertönte das laute Startsignal, für den gemeinsamen Spaß. Auf der Strecke lichteten sich die Reihen: eigenes Tempo, kein Gedränge und nur die Natur links und rechts. Irgendwo am Rhein wartete eine Verpflegungsstelle mit Essen und Getränken.
Zum Jubiläum hatte der Verein das Programm erweitert. „Wir haben ein paar Extras vorbereitet, weil 50 Jahre, die muss man ja auch erst mal schaffen“, sagte Hermann Schön vom Orga-Team. Eine Tombola und eine Präsentation mit Bildern aus der Vergangenheit gehörten ebenso dazu wie der angekündigte Auftritt der Kirchenmusik. Auch die Fahrradsegnung fand ihren Platz an der Radsporthalle. Früher sei sie in der Kirche abgehalten worden. Schön freute sich, dass die katholische Gemeinde das Angebot nun direkt zur Veranstaltung gebracht hatte. Zum begleitenden Angebot gehörte außerdem die Fahrradcodierung am Stand des ADFC Mainz-Bingen.

Solange der Zuspruch da sei, wolle man weitermachen
Schon gegen 10.15 Uhr zeigte er sich mit dem Zuspruch zufrieden. Im Vorjahr hätten 231 Menschen teilgenommen. Schön war zuversichtlich, diese Zahl bei der Jubiläumsausgabe mindestens zu erreichen. Keineswegs sei eine Rekordbeteiligung das Ziel. Entscheidend sei, dass die Veranstaltung angenommen werde und sich der Aufwand lohne. „Es ist halt auch immer viel Arbeit“, betonte er. Der Verein verstehe das Volksradfahren auch als kulturellen Beitrag zum Stadtleben. Solange der Zuspruch da sei, wolle man weitermachen.
Mit jedem Tritt in die Pedale spürten die Teilnehmer die Freude an der gemeinsamen Bewegung. So klangen zumindest die Berichte: „Wir sind keine Profis. Wir fahren gern mal Fahrrad“, erzählte ein Teilnehmer aus Gau-Algesheim. Die Strecke beschrieb er als „super einfach“ und „superschön“: „Immer am Rhein entlang, schön flach, ab und zu mal ein kleiner Hügel drin, also wunderbar zum Radfahren.“
Wie viel Platz bietet Gau-Algesheim dem Radverkehr im Alltag?
Auch für Familien sei die Runde gut geeignet, berichtete der Fahrer aus eigener Erfahrung: „Mein Sohn ist schon mit sechs Jahren das erste Mal mitgefahren.“ Sein Fazit: „Ist einfach die schöne Sonntagsfreude.“
Der Blick auf die unterschiedlichen Räder und Anhänger führte zugleich zu einer Frage, die über den Jubiläumstag hinausreicht: Wie viel Platz bietet Gau-Algesheim dem Radverkehr im Alltag? Fahrradbeauftragter Harald Posselt machte im Kurzinterview deutlich, dass dazu mehr als gute Radwege gehöre. „Mir fehlen in Gau-Algesheim ausgewiesene Fahrradabstellplätze“, sagte er.
Auf dem Marktplatz gebe es gerade einmal zwei Fahrradbügel, auf dem Johannis-Parkplatz und am Abstellplatz in der Kloppgasse keinen einzigen. Posselt setzt auf Bügel, an denen sich der Rahmen anschließen lässt, und ausreichend große Abstellflächen. Bei Durchfahrten und sogenannten Umlaufsperren müsse zudem berücksichtigt werden, dass Gespanne mit Kinderanhängern und Handbikes mehr Platz benötigten.
Willkommenskultur für Fahrradfahrer
Sein Wunsch sei „letztendlich eine Willkommenskultur für Fahrradfahrer“. Gut sichtbare Hinweise auf Abstellplätze könnten dazu beitragen, dass Menschen für den Einkauf gern das Rad nähmen. Sie sollten spüren: „Es gibt für mich einen Raum, einen Platz.“
Wie groß die Freude am gemeinsamen Radfahren sein kann, wenn die Bedingungen stimmen, zeigte die Jubiläumsausgabe gut. Das verdankte sich der guten Vorbereitung durch den RSV. Es bleibt zu wünschen, dass es nicht allzu lange dauert, bis eine gute Infrastruktur den gelegentlichen Jubiläums-Fahrradausflug in die alltägliche Radnutzung übersetzt.
Gregor Starosczyk-Gerlach






















