

NIEDER-OLM – „Was mussten das für Bäume sein?“ Die Kinder stimmten ihr Baumfestlied an. Rechts Bäume, links Bäume, dazwischen Platz für große Elefanten. Die ersten Gäste hörten aufmerksam zu, später sollten auch die Eltern dazukommen. Für sie hatten die Kinder extra Einladungen gebastelt.
Kopfweide wird von den Selzlingen gehegt und gepflegt
Im Mittelpunkt des Baumfestes, das die Kita Selzlinge in Nieder-Olm gefeiert hatte, stand ein Baum, der im März kaum wie einer ausgesehen hatte. Damals war eine Kopfweide aus dem Ober-Olmer Wald zur Kita gekommen. Zunächst sah sie nur wie ein kräftiger Weidenstock aus. Förster Jan Hoffmann vom Wald-Naturschutzzentrum in Ober-Olm hatte die Pflanzung unterstützt. „Die Wahl der Weide hatte praktische Gründe“, sagte Hoffmann. „Im Ober-Olmer Wald wurden gerade Kopfweiden geschnitten und das Schnittmaterial ließ sich direkt zum Pflanzen nutzen.“ Kopfweiden spendeten Schatten. Im Frühjahr lieferten sie Pollen für Insekten. Raupen nutzten die Blätter als Nahrung. Regelmäßiger Rückschnitt lieferte zudem Ruten zum Flechten, zählte er auf.
Mitbestimmung und Verantwortung
Die Kinder hatten den Weidenstock, der am Kita-Gelände direkt hinter dem Zaun auf der Wiese wuchs, seitdem Tag für Tag fürsorglich gepflegt und beobachtet. Jeweils zwei von ihnen übernahmen den Gießdienst und bestimmten dann, wer am nächsten Tag verantwortlich sein sollte. Mitbestimmung bedeute auch, Verantwortung zu übernehmen, erläuterte Erzieherin und Umweltpädagogin Tania Zöller. Inzwischen trug der Stock ansehnliche Triebe und Blätter. „Das ist unser Zauberstock“, stellte Zöller ihn den Gästen vor.
Das Baumfest stellte eine Art Höhepunkt der Kinderrechtewoche dar und griff die Themen der Projektarbeit auf. In diesem Jahr beschäftigten sich die Kinder mit dem Klimawandel. Zöller erläuterte, dass sie dabei gemeinsam Fragen aus ihrem Alltag nachgingen. „Woher kommt Essen? Welche Lebensmittel gibt es vor Ort? Was unterscheidet Erdbeeren vom Bauern von einer Ananas, die über den Ozean transportiert wird?“ Auch der Wasserkreislauf spielte dabei eine Rolle: „Wo wird es gespeichert und wohin gelangt es?“
Bewusster Umgang mit Wasser
Durchaus Themen, denen die Kinder nicht immer ausweichen können und die den kleinen Gehirnen durchaus Sorgen bereiten könnten. Das sei der Kita bewusst, nahm Zöller die Bemerkung auf. „Wir sind nicht passiv und richten den Blick der Kinder auf Handlungsmöglichkeiten.“ Dazu gehörten beispielsweise ein bewusster Umgang mit Wasser oder die Gestaltung von Schattenplätzen. „Beispielsweise durch Baumpflanzungen.“ Derzeit ist die Weide noch zu klein, um dafür herzuhalten. „Sie wird aber noch wachsen und dann wird sie Schatten spenden“, versicherte der Förster. Sie wird es nicht allein tun, denn im Herbst kommt ein Speierling hinzu. Die Einrichtung bezahlt die Pflanzung mit dem Preisgeld, das sie mit einer Auszeichnung im Programm „Clever in Sonne und Schatten – gut geschützt vor UV-Strahlen“ erhalten hatte.
Naturerfahrungen wie diese gehören regelmäßig zum Alltag der Kita, schilderte Zöller. Einen Tag widmeten die Kinder ausdrücklich dem Thema und erkundeten beispielsweise das Umfeld. Ältere Kinder besuchten im Sommer über die Jahreszeiten hinweg einen Stadtgarten in Nieder-Olm. Entscheidend sei es eben, so die gelebte Überzeugung in der Kita, den Kopf nicht in den Sand zu stecken. Auch kleine Schritte helfen der Umwelt, wie aus kleinen Weiden irgendwann große Bäume werden.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























