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Mainzer Hofmusik neu entdeckt Frühbarockes Oratorium von Bollius kehrt nach Mainz zurück

Das Originaldeckblatt der Noten des Oratoriums „Die Geburt des Heiligen Johannes des Täufers“ von Daniel Bollius. Foto: Privat

ALTSTADT – Ein nahezu vergessenes Werk der Mainzer Musikgeschichte kehrt nach Jahrhunderten an seinen Entstehungsort zurück. Das Oratorium „Repraesentatio harmonica conceptionis et nativitatis S. Joannis Baptistae“ von Daniel Bollius wird am Sonntag, 27. September, um 16 Uhr in der Steinhalle des Landesmuseums Mainz vollständig aufgeführt. Anlass ist der 400. Todestag des Mainzer Erzbischofs und Kurfürsten Johann Schweikhard von Cronberg, der von 1553 bis 1626 lebte.

Besondere musikhistorische Bedeutung liegt in der Verwendung des italienischen monodischen Stils

Bollius, der etwa von 1585 bis 1638 lebte, wirkte seit ungefähr 1620 am Mainzer Hof. Für Johann Schweikhard von Cronberg komponierte er das Werk als Geburtstagsmusik. Das Oratorium schildert musikalisch die Empfängnis und Geburt des Heiligen Johannes des Täufers. Seine besondere musikhistorische Bedeutung liegt in der Verwendung des italienischen monodischen Stils. Damit zählt die Komposition zu den frühen Werken dieser Gattung nördlich der Alpen. Sie entstand ungefähr zur selben Zeit wie die Dresdner Historien von Heinrich Schütz, die zu den frühesten Oratorien außerhalb Italiens gerechnet werden.

Die Mainzer Wiederaufführung haben Professor Dr. Klaus Pietschmann von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der auf Alte Musik spezialisierte Dirigent Johannes Herres vorbereitet. Herres übernimmt auch die künstlerische Leitung. Das Konzert knüpft an die Aufführung „Weihnachten am Mainzer Hof“ des Ensemble Vocale Mainz vor gut zwei Jahren an. Die Dr. Uwe Baur und Jutta Truber-Baur Musikstiftung ermöglicht das Vorhaben.

Wiederentdeckung und Aufführung von Werken Mainzer Hofkomponisten

Als Solistinnen und Solisten wirken Theresa Klose, Sopran, Fabian Kelly, Tenor, und Matthias Lutze, Bass, mit. Die Chorpartien übernimmt das Mainzer Vokalensemble „Enona“. Das Instrumentalensemble „Plectrum musicum“ begleitet die Sängerinnen und Sänger auf historischen Instrumenten. Die Musiker aus verschiedenen Teilen Deutschlands beschäftigen sich insbesondere mit der Wiederentdeckung und Aufführung von Werken Mainzer Hofkomponisten.

Projekt greift auch die historische Verbindung zwischen Mainz und Aschaffenburg auf

Bereits am Freitag, 25. September, sollen ausgewählte Ausschnitte bei einer Veranstaltung der Stadt Aschaffenburg erklingen. Damit greift das Projekt auch die historische Verbindung zwischen Mainz und Aschaffenburg auf. Zu Lebzeiten Johann Schweikhards von Cronberg waren beide Städte eng miteinander verbunden. Bis heute erinnert das von ihm erbaute Schloss Johannisburg in Aschaffenburg an diese Epoche.

Vor dem Mainzer Konzert führt Professor Dr. Klaus Pietschmann in das Werk und dessen historischen Hintergrund ein. Die Einführung beginnt am Sonntag, 27. September, um 15 Uhr im Forum des Landesmuseums Mainz. Das Konzert folgt um 16 Uhr in der Steinhalle. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten.

red

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