
INGELHEIM – Kleine Rauten aus Bronze führen durch Ingelheims Geschichte. Die Historische Kulturmeile verbindet die Innenstadt mit der Kaiserpfalz. Die rund 1,5 Kilometer lange Route wurde jetzt offiziell eingeweiht. Sie führt vom Bahnhof über die Neue Mitte zur Archäologischen Zone Kaiserpfalz.
Die Idee reicht mehr als zehn Jahre zurück. Bereits 2015 nahm die Stadt eine Kulturmeile in ihr Tourismuskonzept auf. Damals stand eine zentrale Frage im Raum: Wie lassen sich Innenstadt und Kaiserpfalz besser miteinander verbinden?
Dabei galt es, ein praktisches Problem zu lösen. Gäste der Rotweinstadt fanden den Weg zur Kaiserpfalz nicht immer auf Anhieb. Darauf wiesen unter anderem Einträge in Gästebüchern hin. Ähnliche Rückmeldungen erreichten die Tourist-Information und das Museum. Das berichtete Ramona Kaiser von der Forschungsstelle Kaiserpfalz bei der Einweihung. Besonders Bahnreisenden sei die Orientierung schwergefallen.
Dabei liegen zahlreiche Ziele direkt an der Strecke. Dazu gehören die Neue Mitte und der Winzerkeller. Es folgen die Sankt-Remigius-Kirche und das Museum bei der Kaiserpfalz. Schließlich erreicht der Weg die Archäologische Zone. Dort liegt die Kaiserpfalz, deren Anfänge bis ins 8. Jahrhundert zurückreichen.
Die Verbindung hat zudem einen historischen Hintergrund. Mainzer Straße und Binger Straße folgen einer alten Verkehrsachse. Bereits in römischer Zeit verband eine Fernstraße Mainz und Bingen. Sie führte durch das heutige Ingelheim.
Den Weg markieren nun rautenförmige Bronzeelemente im Pflaster. Sie liegen etwa 30 bis 50 Meter auseinander. In der Archäologischen Zone folgen sie in kürzeren Abständen. Ein Kapitell mit Säule dient als Erkennungszeichen. Das Motiv verweist auf die Architektur der Kaiserpfalz. Die Rauten lassen sich aus beiden Richtungen lesen. Besucher können deshalb am Bahnhof oder an der Kaiserpfalz einsteigen. Auch unterwegs ist der Einstieg möglich. Die Beschriftung weist je nach Standort zur Kaiserpfalz oder zur Neuen Mitte.
Das Leitsystem ist ein gemeinsames Projekt der Ingelheimer Kultur und Marketing GmbH und der Forschungsstelle Kaiserpfalz. Historische Informationen ergänzen die Orientierung. An elf Stationen führen QR-Codes zu digitalen Angeboten. Dort gibt es unter anderem Hörtexte, Hörspiele, Filme und bewegte Bilder. Eine zusätzliche Anwendung muss dafür nicht installiert werden. Die Inhalte lassen sich direkt mit dem Smartphone aufrufen, erläuterte Kaiser. Das digitale Angebot lässt sich zudem erweitern. So können weitere Themen oder besondere Aktionen aufgenommen werden. Ein Faltblatt mit Karte ergänzt die digitale Wegführung.
Für Oberbürgermeisterin Eveline Breyer (CDU) ist die Eröffnung das Ergebnis einer längeren Entwicklung. Mit dem Projekt verbinden die Kooperationspartner auch wirtschaftliche Erwartungen. Gäste der Kaiserpfalz sollen auf Angebote in der Innenstadt aufmerksam werden. Umgekehrt soll die Route Menschen aus dem Zentrum zur Kaiserpfalz führen. Gastronomie, Handel und kulturelle Einrichtungen sollen davon profitieren.
Holger Grewe, Leiter der Forschungsstelle Kaiserpfalz, sieht darin einen weiteren Schritt bei der Erschließung des Denkmals. Über mehrere Jahrzehnte entstand dort ein umfassendes Informationsangebot. Die Kulturmeile führt diese Vermittlung nun über das Denkmalgebiet hinaus.
Dazu passt ein Jubiläum. Vor 25 Jahren wurde die Aula Regia erstmals für Besucher erschlossen. Die Thronhalle Karls des Großen öffnete am 19. August 2001. Weitere Bereiche der Kaiserpfalz wurden in den folgenden Jahren erschlossen.
An diese Entwicklung erinnert die Präsentation „Palast – Ruine – Denkmal: 25 Jahre Archäologische Zone Kaiserpfalz“. Sie ist derzeit in der Kaiserpfalz zu sehen. Informationstafeln und digitale Angebote zeichnen den Wandel des Areals nach. Die Kulturmeile führt diesen Gedanken über die Grenzen des Denkmalgebiets hinaus.
Gregor Starosczyk-Gerlach





















