
RÜSSELSHEIM – „Wie sicher ist unser Stromnetz? Welche Rolle spielen Klimawandel und Energiewende?“ Diesen Fragen sind die Stadtwerke Rüsselsheim in einer Veranstaltung nachgegangen. 60 Besucher kamen dazu ins Studio F1 der Filmproduktion „Zweitblick“. Weitere 200 Menschen verfolgten die von Arne Löffel moderierte Gesprächsrunde online mittels Livestream. Anlass für den Dialog war der Stromausfall Ende Juni, bei dem 2.000 Haushalte stundenlang ohne Strom waren.
„Wir arbeiten sorgfältig daran, diese Störung zu analysieren, damit wir die richtigen Schlüsse daraus ziehen können“, erklärt Stadtwerke-Geschäftsführer Maik Landwehr. Bei einer Messung während des Stromausfalls wurden in 60 Zentimetern Tiefe, wo viele der Stromkabel liegen, nicht die erwarteten zehn Grad festgestellt – sondern 40 Grad. Damit die Kabel besser gegen Hitze abgeschirmt werden können, sind die Stadtwerke seit einigen Jahren dabei, ihr Stromnetz nach und nach in einem Meter Tiefe zu verlegen.
Hasan Omerovic, Leiter Stromnetze bei den Stadtwerken, nahm die Zuhörer mit in die Einsatznacht. Die seit Tagen hohe Netzbelastung gepaart mit der Hitze im Erdreich führte dazu, dass 13 Verbindungselemente (Kabelmuffen) kaputt gingen und von den Einsatzteams lokalisiert und ausgetauscht werden mussten. Eine Muffe zu ersetzen, braucht schon wegen der damit verbundenen Tiefbauarbeiten an die zehn Stunden. Mehr als 50 Techniker arbeiteten unter hohem Einsatz parallel an 22 Netzstationen. „Da gab es Mitarbeiter, die haben ihre Familie drei bis vier Tage nicht wirklich gesehen.“
Zusätzlich zum Notstromaggregat der Stadtwerke Rüsselsheim wurden zwei weitere von den Mainzer Stadtwerken und dem Überlandwerk angefordert. Neben dem eigenen Messwagen kam einer der ESWE Versorgungs AG zum Einsatz. „Die gegenseitige Unterstützung der Netzbetreiber funktioniert hervorragend“, lobt Maik Landwehr.
Diese Zusammenarbeit wollen die Stadtwerke nun ausbauen und dazu eine Rahmenvereinbarung mit den benachbarten Stromnetzbetreibern schließen. Zudem ist ein Projekt mit der Hochschule Rhein-Main geplant, um mit einer verbesserten Messtechnik und Auswertung besser auf Hitzeereignisse vorbereitet zu sein.
Grundsätzlich sieht Oberbürgermeister Patrick Burghardt, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke, die Stadt Rüsselsheim gut aufgestellt beim Katastrophen- und Zivilschutz – sowohl hinsichtlich Personalstärke und -ausbildung als auch Ausrüstung. Gleichzeitig ist Prävention wichtig. Burghardt verweist auf das Klimaanpassungskonzept der Stadt, das zum Beispiel weniger Betonflächen und mehr Grün in der Innenstadt vorsieht. Dazu braucht es seiner Meinung nach die finanzielle Unterstützung von Bund und Land.
Ein Einzelfall in diesem Sommer war der Rüsselsheimer Stromausfall nicht. Martin Heindl, Geschäftsführer des Landesverbands Hessen im Verband Kommunaler Unternehmen, berichtet von deutschlandweit weiteren hitzebedingten Blackouts. Seiner Einschätzung nach hat es sich in Rüsselsheim um eine sehr außergewöhnliche Schadenskette gehandelt. „Insgesamt haben wir jedoch in Deutschland, das zeigen die Statistiken auch, im internationalen Vergleich sehr sichere Stromnetze.“
Eine hundert Prozent verlässliche Stromverfügbarkeit kann kein Netz bieten. Was Maik Landwehr den Rüsselsheimern aber versprechen kann, ist eine kompetente und sehr engagierte Mannschaft. Eine, die den Stromausfall hervorragend gemeistert hat. „Es gab zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Techniker draußen, der nicht wusste, was er zu tun hat.“
Jürgen Gelis
Stadtwerke Rüsselsheim GmbH




















