
INGELHEIM – Bei der Spielvereinigung (SpVgg) Ingelheim verändert sich in diesen Monaten nicht nur die Besetzung der 1. Mannschaft. Vielmehr übernimmt eine jüngere Generation die Verantwortung in der Vereinsführung. Im Fußballbereich trifft der personelle Neubeginn beim Landesligisten auf einen stark verjüngten Kader und einen neuen Trainer. Auf dem Fundament der vergangenen Jahre soll etwas Neues entstehen.
Francesco Teodonno verkörpert den Übergang. Seit fünf Jahren spielt er für die SpVgg, inzwischen trägt er neben seinen Einsätzen im SpVgg-Angriff auch die Verantwortung als sportlicher Leiter. Der frühere Oberligaspieler kennt die Mannschaft und den Verein von innen. Seine Doppelrolle verändert dennoch einiges. Auf dem Platz sei die Verantwortung größer geworden, sagt Teodonno. Als sportlicher Leiter müsse er vorangehen und könne sich in schwierigen Situationen nicht allein als Spieler betrachten.

Die Aufgaben sind deshalb verteilt. Sportdirektor Sebastian Frey übernimmt einen Teil davon. Teodonno bleibt nah an der Mannschaft, ohne sämtliche Entscheidungen allein treffen zu müssen. Die Rolle als Mitspieler soll mit der Verantwortung in der sportlichen Führung nicht kollidieren.
Der personelle Wechsel eröffnete die Möglichkeit, die Mannschaft neu aufzubauen. Sieben Spieler rückten aus der eigenen A-Jugend auf. Weitere junge Fußballer kamen von anderen Vereinen hinzu. Einige erfahrene Spieler mit Verbandsliga- und Oberligaerfahrung sollen dem Kader Stabilität geben. Die ersten Ergebnisse änderten am Konzept nichts: Drei Punkte aus vier Spielen seien kein Grund zur Besorgnis.
Die junge Mannschaft darf Fehler machen, sagt Teodonno. „Daraus lernen die Jungs. Entscheidend ist nicht, wo die Mannschaft jetzt steht, sondern wohin sie sich entwickeln kann.“ Den Druck möchte er von den jungen Spielern fernhalten. „Notfalls fange ich ihn selbst auf.“
Dazu passt die Verpflichtung von Ali Kayhan Cakici. Der Trainer kam von der TuS aus Marienborn und denkt ebenfalls nicht in kurzfristigen Ergebnissen. Aus vielen jungen Spielern eine Mannschaft für den Männerfußball zu formen, sei die Marschrichtung, meint er.

Cakici setzt dabei auf kleine Schritte. Talent sei vorhanden. Nun müsse sich zeigen, wie die Spieler gegen körperlich und taktisch erfahrene Landesligamannschaften bestehen. Diese Situationen müsse das Trainerteam begleiten, ohne die jungen Spieler mit Erwartungen zu überfrachten.
Erfahrung mit einem Aufbauprozess bringt Cakici mit. Vor zehn Jahren übernahm er eine Mannschaft, in die viele Spieler aus der A-Jugend integriert werden mussten. Das Team entwickelte sich, stieg zunächst in die Landesliga und später in die Verbandsliga auf. „Ich weiß deshalb, dass Entwicklung Zeit benötigt. Einige müssen sich erst daran gewöhnen, was es bedeutet, dauerhaft für die erste Mannschaft eines etablierten Vereins zu spielen.“ Drei bis vier Monate seien nach seiner Erfahrung nötig. „Danach wird klarer, welchen Weg der Einzelne nehmen kann.“
Neben Taktik und Technik benötigen die jungen Spieler Führung und Sicherheit, während sie Selbstständigkeit entwickeln. „Ich will beides miteinander verbinden.“ Ergebnisdruck hält er in dieser Phase genauso für hinderlich wie Teodonno. Beide verfolgen denselben Gedanken aus unterschiedlichen Perspektiven. Wie tragfähig das neue Gebilde sein wird, lässt sich nach den wenigen Wochen noch nicht beurteilen. Teodonno und Cakici nehmen sich Zeit, der Mannschaft beim Wachsen zuzusehen.
Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach





















