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Platz nehmen für die Demokratie Elfriede Hexemer stiftete Nierstein eine Bank mit Botschaft

Ein Platz zum Ausruhen und zum Austausch: Elfriede Hexemer hat der Stadt Nierstein die neue Bank auf dem Marktplatz gestiftet. Ihre Botschaft „Zusammensetzen für Freiheit und Demokratie“ soll dazu anregen, miteinander ins Gespräch zu kommen. Auf dem Foto sind auch Stadtbürgermeister Jochen Schmitt (FWG) und Hans-Peter Hexemer (Mitte). Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

NIERSTEIN – Eine Bank ist zunächst einmal ein Ort zum Ausruhen. Die neue Sitzgelegenheit auf dem Niersteiner Marktplatz soll allerdings über ihre Funktion hinausreichen. „Zusammensetzen für Freiheit und Demokratie“ lautet die Botschaft auf ihrer Lehne. Gestiftet hat die Bank Elfriede Hexemer.

Die Idee kam ihr anlässlich ihres 80. Geburtstags. Statt persönlicher Geschenke wünschte sich Hexemer Geld, um damit einen gesellschaftlich sinnvollen Zweck zu unterstützen und eine Bank für den Niersteiner Marktplatz zu stiften. Der städtische Bauhof richtete die Sitzgelegenheit her. Dabei wurde bewusst das gleiche Modell gewählt, das bereits auf dem Marktplatz verwendet wird.

Bei der offiziellen Übergabe erläuterte Hexemer, warum ihr die Botschaft der Bank wichtig ist. Seit mehr als 50 Jahren ist Nierstein ihre Heimat. In dieser Zeit engagierte sie sich in zahlreichen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, unter anderem bei der Arbeiterwohlfahrt, im Gewerbeverein, in der Fastnacht, sowie im Weltladen und nicht zuletzt auch im Geschichtsverein.

Auch kommunalpolitisch war sie aktiv. Ihre politische Heimat sei seit mehr als 50 Jahren die SPD, erläuterte Hexemer. Sie gehörte dem Sozialausschuss an, war nach eigenen Angaben die erste Frau im Niersteiner Bauausschuss und wirkte zehn Jahre im damaligen Gemeinderat, dem heutigen Stadtrat, mit. Aus dieser Zeit sei ihr besonders das Verhältnis zwischen den Fraktionen in Erinnerung geblieben. Trotz notwendiger politischer Diskussionen habe man miteinander gesprochen und gemeinsam danach gesucht, was für die Gemeinde am besten sei. Häufig seien daraus gemeinsame Entscheidungen entstanden.

Genau daran knüpft die Botschaft der neuen Bank an. „Eine Bank ist zunächst etwas ganz Einfaches, ein Ort zum Ausruhen, aber sie kann auch mehr sein: ein Ort, an dem Menschen zusammenkommen, sich austauschen, miteinander ins Gespräch kommen“, sagte Hexemer. Sie hofft, dass Niersteiner und Gäste dort Halt machen und miteinander über den Alltag, über das, was sie bewegt, oder über Demokratie sprechen.

Denn Demokratie finde für Hexemer nicht allein in Parlamenten und Wahlkabinen statt. Sie lebe ebenso auf dem Marktplatz, wenn Menschen einander zuhörten und miteinander redeten. Unterschiedliche Auffassungen gehörten ausdrücklich dazu: „Und wenn sie nicht immer einer Meinung sind, das macht gar nichts.“

Stadtbürgermeister Jochen Schmitt (FWG) dankte Hexemer für die Stiftung und hob die politische Symbolkraft des Standorts hervor. Gerade angesichts aktueller Entwicklungen sei es wichtig, demokratische Werte zu bewahren und zu stärken. „Umso wichtiger ist, dass hier auf dem Marktplatz eine Demonstration der Demokratie steht mit dieser Bank“, sagte Schmitt.

Damit steht die neue Bank mitten im öffentlichen Leben der Stadt und wartet darauf, dass ihre Botschaft praktisch umgesetzt wird: Platz nehmen, zuhören, diskutieren. Vor allem aber: unterschiedliche Meinungen auf dem Weg zu demokratischen Entscheidungen auch aushalten können.

Gregor Starosczyk-Gerlach

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