
MAINZ – Das Mainzer Johannisnacht bleibt ein Sommerfest um die kürzeste Nacht des Jahres und zugleich jenes Fest, bei dem in der Stadt Gutenbergs der gedruckte Buchstabe, die Buchkunst, die Druckergilde und die Erinnerung an Johannes Gutenberg mitschwingen. Vier Tage lang zog sich das Festgeschehen durch die Innenstadt, an den Rhein und auf die Plätze rund um den Dom.
Zum Abschluss am Montagabend richteten sich die Blicke auf den Himmel über dem Rhein. Die Drohnen-Lichtershow, die im Vorjahr als Ersatz für ein klassisches Feuerwerk noch gemischte Reaktionen ausgelöst hatte, wirkte diesmal sichtbar weiterentwickelt. Sie war größer angelegt, farbintensiver, klarer choreografiert und insgesamt ansprechender. Die frisch aufgeschnappten Äußerungen vieler Zuschauer rehabilitierten die Vorjahresidee nachträglich.
Besonders stimmig wurde der Moment, als unter und auf der Theodor-Heuss-Brücke aus unzähligen Kehlen „Im Schatten des Doms“ erklang. Der Aufruf aus dem Stadion des Bundesligisten FSV Mainz 05 ist längst über den Fußball hinausgewachsen. Er taugt inzwischen auch als Identifikationsformel für Menschen, die ihre Stadt schlicht mögen. Spätestens da durfte der zweite Versuch der Drohnen-Show als bestanden gelten.
An den Tagen zuvor hatte das Johannisfest allerdings mit der Hitze und mit der Konkurrenz der Fußballspiele rund um die Weltmeisterschaft zu tun. Besonders das Deutschland-Spiel entzog dem Fest zeitweise spürbar Menschenmassen. Das kann aber an der Stelle als eine Randnotiz betrachtet werden. Jede Stadt bekommt das Fest, das sie verdient: Mainz bekam eines zwischen Domschatten, Rheinwiese, Rummel, Druckkunst und einem versöhnlichen Finale am Himmel.
Autor: Gregor Starosczyk-Gerlach

























