

OBER-OLM – Der Wald ist Lebensraum, Lernort und Rohstofflieferant zugleich. Das Wald-Naturschutzzentrum im Ober-Olmer Wald ist in dem Zusammenhang eine gute Adresse für alle, die solche unterschiedlichen Perspektiven einmal einnehmen wollen. Dabei beschreitet das Forstamt Rheinhessen immer wieder innovative Wege. Demnächst sind dort beispielsweise die rheinhessischen Drechsler zu Gast. Wie aus dem nachwachsenden Rohstoff Holz kunstvolle und zugleich alltagstaugliche Gebrauchsgegenstände entstehen, zeigen sie am 22. und 23. August bei ihrem inzwischen vierten Treffen. Das Beste dabei: Jeweils ab 11 Uhr können Besucher den Handwerkern bei der Arbeit zusehen und mit ihnen ins Gespräch kommen.
Gruppe, die inzwischen weit über die Region hinausgewachsen ist
Organisator und Ideengeber Mario Dejung spricht von einer Gruppe, die inzwischen weit über die Region hinausgewachsen ist. „Wir nennen uns Rheinhessen-Drechsler, aber wir haben ein paar Pfälzer dabei. Teilweise kommen die Leute auch aus dem Kraichgau“, sagt er. Der Name sei vor allem deshalb entstanden, weil sich die Gruppe in Rheinhessen treffe. Tatsächlich reiche der Einzugsbereich inzwischen über einen Radius von rund 60 bis 70 Kilometern.
Noch laufen die Anmeldungen: Dejung geht aber davon aus, dass an fünf bis acht Drechselbänken gearbeitet wird. Je nach Zahl der Teilnehmer könnten zeitweise sogar zehn Drechsler nacheinander an den Maschinen stehen. Ein festes Programm werde es bewusst nicht geben. „Es ist alles locker und frei bei uns“, beschreibt Dejung das Konzept, bei dem jeder Drechsler solche Werkstücke anfertigen werde, „auf die er gerade Lust hat. Oder probiert auch einmal etwas aus, was man nicht alle Tage sieht“.
Verkauf steht nicht im Vordergrund
Zu sehen sein werden unter anderem Schalen, Dosen, Vasen, Flaschenverschlüsse gegen Insekten, Gläserdeckel oder Flaschenöffner im Fertigungsprozess zu sehen sein werden. Doch auch aufwendigere Arbeiten sollen entstehen. „Vergangenes Jahr wurde aus einem kurz zuvor im Ober-Olmer Wald gefällten Stamm eine große Holzkugel gedrechselt.“ Auch viereckige Schalen oder passgenaue Dosen mit exakt schließendem Deckel gehörten zu den Arbeiten, die Besucher sonst nur selten live erleben könnten.
Zwischen den Arbeitsplätzen umhergehen, Fragen stellen und die Entstehung der Werkstücke Schritt für Schritt verfolgen: Darin liege der eigentlliche Reiz für die Besucher, sagt Dejung.
Anders als auf Kunsthandwerkermärkten steht nicht der Verkauf im Vordergrund. „Man ist nicht gezwungen, dass alle zehn Minuten etwas Fertiges produziert werden muss.“ Eine Anekdoten aus dem Vorjahr beschreibt die kleinen Begegnungen bei der Veranstaltung gut: „Eine Besucherin brachte ein beschädigtes Bauteil ihres Spinnrads mit. Die Drechsler fertigten Ersatz an, den sie bereits am nächsten Tag wieder abholen konnte.“
Teilnehmer präsentieren gemeinsame Ausstellung
„Alles, was direkt von der Bank kommt, geben wir gegen eine Spende ab. Den Erlös spenden wir für die Umweltbildungsarbeit des Wald-Naturschutzzentrums“, erläutert Dejung. Im vergangenen Jahr kam auf diese Weise 240 Euro zusammen.
Daneben präsentieren die Teilnehmer eine gemeinsame Ausstellung ihrer bereits fertiggestellten Arbeiten. Dabei soll bewusst die Vielfalt des Handwerks sichtbar werden. „Jeder Drechsler hat so seine Steckenpferde. Der eine macht gerne Muskatmühlen, der andere Schalen“, sagt Dejung. Deshalb werde nicht jedes Werkstück mehrfach gezeigt. „Wir legen Wert auf eine breite Auswahl, damit man sieht, was alles auf der Drechselbank gemacht werden kann.“
Das Wald-Naturschutzzentrum stellt den Drechslern erneut seine Halle zur Verfügung und versorgt sie zudem mit frischem Holz aus dem Ober-Olmer Wald, das unmittelbar verarbeitet werden kann. Für das leibliche Wohl sorgt der Waldkiosk am Forsthaus Ober-Olm mit belegten Brötchen, Kuchen und Suppen. Darüber hinaus laden die Waldwege und der große Spielplatz zum Verweilen ein. „Es gibt auf jeden Fall für Jung und Alt etwas zu sehen und zu erleben“, sagt Dejung.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























