
MAINZ/NIEDER-OLM – Die gpe – Gesellschaft für psychosoziale Einrichtungen gGmbH – ist ein regional verankerter Träger sozialpsychiatrischer Hilfen mit Sitz in Mainz. Seit ihrer Gründung im Jahr 1985 verfolgt sie konsequent das Ziel, Menschen mit psychischen Erkrankungen und sozialen Benachteiligungen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen.
Ein sichtbares Zeichen dieser Entwicklung war die Feierstunde zum 40-jährigen Bestehen der gpe Anfang Juli in der Ludwig-Eckes-Halle in Nieder-Olm. In den offiziellen Grußworten würdigten Michael Ebling, Innenminister von Rheinland-Pfalz, sowie der Vorsitzende des gpe-Aufsichtsrats, Michael Hamm, die Bedeutung der gpe für das soziale Miteinander in der Region. Internationale Verbundenheit zeigte sich durch den Beitrag von Ophir Peleg, der im Namen der israelischen Partnerorganisation Shekulo Tov sprach. Musikalisch wurde die Veranstaltung von Menna Mulugeta & The Harp begleitet, charmant und mit Witz führte Marvin Meinold vom Improtheater „Die Stereotypen“ aus Bielefeld durch das Programm.

Was 1985 als Antwort auf die Psychiatriereform begann, gilt heute in der Region als ein etablierter Trägerpsychosozialer Angebote und einer dezentral ausgerichteten anerkannten Werkstatt für psychische kranke Menschen. Die gpe steht nach eigenem Selbstverständnis für einen sozialraumorientierten, personenzentrierten Ansatz und verbindet professionelle Unterstützung mit Teilhabe. Die Gründung begleitete einen Wandel im gesellschaftlichen Umgang mit psychisch kranken Menschen: Überfüllte Psychiatrien sollten keine Endstation mehr sein und Betroffene ein Leben in der Mitte der Gesellschaft mit angepasstem Arbeitsplatz führen können führen können.
In den Anfangsjahren entstanden erste Werkstätten, Betreuungs- und Wohnformen in Mainz. Die Organisation professionalisierte früh ihre Arbeit, setzte auf multiprofessionelle Teams und klare Standards und spielte eine Vorreiterrolle in der Region.
Auch die 1990er-Jahre standen im Zeichen des Ausbaus: Die Zahl der Mitarbeiter wuchs, neue Leistungsbereiche kamen hinzu. Mit Joachim Storck an der Spitze richtete sich die gpe strategisch neu aus. Neben der Eingliederungshilfe rückten Qualifizierung, Arbeitsmarktintegration und ambulante Hilfen stärker in den Fokus.
Nach der Jahrtausendwende positionierte sich die gpe als innovativer Akteur in der Sozialwirtschaft und Modellprojekte, das Persönliche Budget und sozialraumorientierte Konzepte prägten die Konzepte. Gleichzeitig rückte die Zusammenarbeit mit den Kommunen, Arbeitsagenturen und freien Trägern stärker in den Fokus.

Mit der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes begann ein weiteres Kapitel. Die gpe gestaltete die Reform aktiv mit und individualisierte ihre Angebote durch Lösungen für ganz konkrete Personen. Mit Claudia Rustige und später Jörg Greis an der Spitze wurden zudem die Vorteile der Digitalisierung, des Strukturwandels und der Qualitätsentwicklung entdeckt und porciert.
Aktuell sind rund 320 Mitarbeiter in und für die gpe tätig, mit ihnen spielt die Gesellschaft die unterschiedlichen Rollen: als Netzwerkpartner, Ausbildungsbetrieb, Impulsgeber und sozialpolitische Stimme. Dabei reicht das Leistungsspektrum von ambulanten Wohn- und Betreuungsangeboten über arbeitsmarktnahe Qualifizierungsmaßnahmen bis hin zu Beratung und Projektarbeit, die das Gemeinwesen im Blick haben.
Diese Geschichte erzählte im inoffiziellen Teil der Geburtstagsfeier in Nieder-Olm übrigens ein eigens entwickeltes gpe-Musical, das mit viel Humor und Herz die Genese und Gegenwart der Organisation auf die Bühne brachte.
Gregor Starosczyk-Gerlach