Start Fastnacht Ketten und der Rapportvorschlag über Helauheim Fastnacht >>>Neustadt-Narren erstürmen die Ortsverwaltung

Ketten und der Rapportvorschlag über Helauheim Fastnacht >>>Neustadt-Narren erstürmen die Ortsverwaltung

Die Macht an die Narren abzugeben fällt ihnen nicht leicht: Ortsvorsteher Christoph Hand (re.) und Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz (2. v. r.) werden bei der Erstürmung der Ortsverwaltung in der Mainzer Neustadt in Ketten aus dem Gebäude geführt. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

NEUSTADT – Die Erstürmung der Ortsverwaltung in der Mainzer Neustadt gehört zur Fastnachtskampagne wie der Tusch zur närrischen Pointe. Diesmal zeichneten sich die Protagonisten durch eine überaus sehenswerte schauspielerische Leistung aus: sowohl Ortsvorsteher der Neustadt Christoph Hand als auch die Wirtschaftsdezernentin Manuela Matz, dann auch Innenminister Michael Ebling und die Generalität der Mainzer Husarengarde in Person des Generals Horst Kau – sie alle hatten sichtlich Spaß und nahmen die Sache närrisch ernst. Jedenfalls war es schön, ihnen zuzuschauen, wie sie die Fastnacht ernst und sich selbst auf die Schippe nahmen.

Die Trommler der Mainzer Husarengarde sorgen mit Trommelradau vor der Ortsverwaltung für den nötigen Druck, bis die „weltliche Macht“ sich stellte.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Vor dem Eingang der Ortsverwaltung versammelten sich Narren aus dem Stadtteil, begleitet von Abordnungen der Mainzer Husarengarde, der Kleppergarde und zahlenmäßig nicht so stark vertretenen anderen Garden aus Mainz. Husarengarde-General Kau übernahm als Wortführer das Kommando über die akustische Eskalation: „Aber die Erstürmung geht nicht ohne Musik und ohne Tam-Tam. Wenn wir laut genug sind, kommen die freiwillig“, sagte Kau und forderte die Trommler der Husarengarde sowie den Musikzug der Kleppergarde zum musikalischen Marsch Richtung Ortsverwaltung auf.

Auf der „weltlichen“ Seite standen Ortsvorsteher Hand und politische Unterstützung. Neben der Wirtschaftsdezernentin, die demonstrativ die Geldkasse fest in den Händen hielt, kamen weitere Politiker: Es ist ja Wahlkampf in Rheinland-Pfalz. Für den kalkulierten Rollenwechsel sorgte der Innenminister, ein notorischer Überläufer. Er hatte sich noch vor der Erstürmung auf die Seite der Narren geschlagen, wie er es zuvor ähnlich in HaMü oder Mombach getan hatte: „Die da oben holen wir uns“, rief er. Aus einem Verwaltungsfenster konterte eine Stimme: „Ab nach Wiesbaden mit euch.“

Der Musikzug der Kleppergarde begleitete die Erstürmung musikalisch: Ohne „Tam-Tam“ geht es in der Neustadt nicht.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Wie es in der Neustadt zur Choreografie gehört, steigerte sich der Radau, bis den Narren der Geduldsfaden riss und sie die Verwaltungsleute und Ortsbeiratsmitglieder symbolisch in Ketten auf die Lessingstraße führten. Dort folgte der Rapport als öffentliche Fragestunde. Zunächst ging es um das Neustadtzentrum, das seit sechs Jahren renoviert werde. Der General leitete ein: „Bevor wir die Kette fallen lassen und die Gefangenen entlassen, haben wir noch einige Fragen, eine stelle ich seit Jahren: Wann wird das Neustadtzentrum endlich eröffnet, das nun schon seit sechs Jahren aufwendig renoviert wird?“ Hand antwortete in Reimen: „Sechs Jahre Baustellen mitten im Quartier / bedarf viel Geduld von Bürgern, Vereinen und von mir.“ Und weiter: „Doch ich bleib dran, hier vor Ort, das ist mein Ziel, / denn unser Zentrum braucht Leben, und zwar viel.“

Danach legten die Narren eine Wunschliste nach: kostenlose Fahrten in Bus und Bahn für Narren „in Uniform und Kapp“ während der Kampagne. Außerdem stand die Frage im Raum, warum neue Straßen in Mainz nicht öfter Fastnachtsnamen tragen, etwa „Ernst-Neger-Allee“ oder „Rucki-Zucki-Platz“. Hand reagierte ebenfalls gereimt: „Kein Rucki-Zucki weit und breit, / kein Schild voll Mainzer Heiterkeit. Dabei hat uns die Fasnacht / weit über Mainz hinaus bekannt gemacht.“ Und er setzte nach: „In diesem Wunsch auch gerne zu. Bei neuem Schild, bei neuen Gassen / wird Fasnacht nicht mehr weggelassen.“

Husarengarde-General Horst Kau mit dem symbolischen Schlüssel zur Ortsverwaltung, dem Zeichen der närrischen Machtübernahme bis Aschermittwoch.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Über die Straßennamen hinaus trieb Manuela Matz das Spiel in Richtung große Pointe. Ihr Vorschlag: „Ein neuer Stadtteil wär’ der Hit, / da kommt auch Wiesbaden nicht mit.“ Als günstigere Variante brachte sie die Umbenennung gleich des ganzen Stadtteils ins Spiel: „In Helauheim, das wär’ doch der Schlager, / die Hymne schreibt uns Olli Mager.“

Nach Rapport und Wortgefecht folgte der formelle Schluss der Neustadt-Erstürmung: Zustimmung zum närrischen Grundgesetz, das Versprechen „So sei es“ und das Hissen der vierfarbbunten Fahne. Den Schlusspunkt setzte Paragraf elf: als Warnung und Motto zugleich: „Wer die Fastnacht ernst nimmt, der ist selbst dran schuld, wer sich aber drüber lustig macht, der kann aber was erleben.“

Gregor Starosczyk-Gerlach