Start Familie Bodenheim zwischen Weinfreude und Sorgenfalten Gelungener Auftakt beim Ringen um die Tourismuszukunft

Bodenheim zwischen Weinfreude und Sorgenfalten Gelungener Auftakt beim Ringen um die Tourismuszukunft

Wein und Blick vom Schauinsland – auch das Wetter spielte mit. Foto: Sabine Longerich

BODENHEIM – Pünktlich zum Frühlingsbeginn lud der Verkehrsverein Bodenheim zur dritten Auflage der Veranstaltung „(W)EINBLICK“ ein. Die rund fünf Kilometer lange Strecke führte von St. Alban durch markante Punkte wie Roter Stein, Bodenheimer Hoch und Schauinsland bis zum Bodenheimer Square. An jeder Station konnten die zahlreichen, bestens gestimmten Besucher die Vielfalt der Jungweine aus der Weinlese 2024 entdecken. Beachtenswert: Die Winzer hatten auch alkoholfreie Varianten im Angebot. Trotz durchwachsenen Wetters strömten viele einheimische und auswärtige Gäste in die Weinberge und genossen den Frühlingsauftakt.

Veranstaltungen wie der „(W)EINBLICK“ sind fester Bestandteil des Bodenheimer Veranstaltungskalenders. Der örtliche Verkehrsverein organisiert beispielsweise auch das Wein-Picknick im Park, das St. Albansfest im Juni und die Weinprobe am Weinlehrpfad im Herbst. Ziel ist es, die kulturelle Vielfalt der Region zu zeigen und Besuchern wie Einheimischen besondere Erlebnisse zu bieten. „Unser Veranstaltungsspektrum soll allen etwas bieten: Mitbürgern, Familien, Touristen, Weinliebhabern und Genussmenschen von Nah und Fern“, sagt Vorsitzende Diana van den Abeelen.

Das Bodenheimer Blasorchester sorgte für beschwingte Rhythmen. Foto: Sabine Longerich

Doch so erfolgreich die Events auch sind: Der Verein beobachtet eine besorgniserregende Entwicklung beim Bodenheimer Tourismus. „Das gastronomische Angebot schwindet. Es fehlt an motiviertem Nachwuchs und oft auch an Personal. Besonders im alten Ortskern verschwinden immer mehr Einkehrmöglichkeiten“, sagt van den Abeelen. In den letzten Jahren seien bereits sechs Wein- bzw. Straußwirtschaften aus dem Ortsbild verschwunden, weitere Schließungen aus Altersgründen seien absehbar.

Co-Vorsitzender Michael Kasper ergänzt: „Nach Veranstaltungen wie „(W)EINBLICK“ oder der Weinwanderung finden Besucher kaum noch geöffnete Lokale. Wer den Tag ausklingen lassen möchte, steht oft vor verschlossenen Türen.“ Dafür zeigten Besucher wenig Verständnis: „Sie bleiben irgendwann weg.“ Gemeinsam mit der Gemeinde will der Verein nach tragfähigen Lösungen suchen.

Diana van den Abeelen und Michael Kasper sorgen sich um die touristische Entwicklung. Foto: Sabine Longerich

Auch intern steht der Verein vor Herausforderungen. Obwohl fast alle Weingüter zu den Mitgliedern zählen, stemmen derzeit nur 14 Aktive fast die gesamte Organisation. „Noch schaffen wir das. Aber wir werden älter und brauchen dringend Unterstützung“, sagt van den Abeelen. Gesucht werden neue Mitglieder, die sich finanziell oder, noch besser, aktiv einbringen. Besonders mit Blick auf das bevorstehende 50-jährige Jubiläum des Weinfests am St. Alban, dem ersten Weinfest der Region, ist Hilfe gefragt.

Der gelungene Auftakt in die Saison dürfte den Verkehrsverein freuen, der den einheimischen und auswärtigen Gästen bei allen Herausforderungen zeigen konnte, was Bodenheim zu bieten hat, nicht zuletzt dank der Kooperation mit dem Blasorchester Bodenheim. Die Musiker sorgten nicht nur für flotte Rhythmen, sondern auch mit anderen Anbietern für kulinarischen Genüsse: Ein schönes Komplettangebot, das der Verein für die Zukunft sichern will.

Sabine Longerich