
BUDENHEIM – Die Fragen im Vorfeld der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Budenheim beantwortete für Journal LOKAL der Kandidat der CDU und amtierende Bürgermeister von Budenheim, Stephan Hinz. Hinz is 60 Jahre alt und führt die Budenheimer Verwaltung seit 2018. In der Lokalpolitik ist der Christdemokrat seit 2014 in aktiv. Hinz, der im Rochus Krankenhaus in Mainz-Mombach geboren wurde, ist verheiratet und Vater von zwei Töchtern. In seiner Vita hebt der Politiker zudem ein Thema hervor, das er mit der kommunalen Identität verbindet: 2012 sei er maßgeblich an der Sicherung der Eigenständigkeit Budenheims beteiligt gewesen.

Journal LOKAL: Hallo Herr Hinz, wie erleben Sie die Gemeinde Budenheim aus der Perspektive eines Bürgers, der sich im Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin um die vielfältigen Belange der Bürger und der Kommune einsetzen will?
Stephan Hinz: Budenheim ist eine lebendige und engagierte Gemeinde, die von einem starken Miteinander lebt. Wer hier Verantwortung übernehmen möchte, muss die unterschiedlichen Interessen zusammenführen und gleichzeitig klare Prioritäten setzen.
Mir ist wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger eine Verwaltung erleben, die erreichbar, verlässlich und lösungsorientiert arbeitet. Budenheim soll ein Ort bleiben, an dem man gut lebt – für Familien, Senioren, Ehrenamtliche und Unternehmen gleichermaßen. Dafür braucht es Kontinuität in der Entwicklung, aber auch die Bereitschaft, Dinge weiter zu verbessern und neue Impulse zu setzen.
Journal LOKAL: Der Verkehr ist seit Jahren ein zentrales Thema in Budenheim. Wie bewerten Sie die bisherigen Abläufe bei Planung und Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen, und welche organisatorischen oder inhaltlichen Änderungen würden Sie vornehmen, um künftig zu schnelleren und nachvollziehbaren Lösungen zu kommen?
Stephan Hinz: Der Verkehr beschäftigt viele Menschen in Budenheim. In den vergangenen Jahren konnten bereits wichtige Schritte umgesetzt werden – etwa die Einrichtung einer Einbahnstraßenregelung im Schulbereich oder die Umwidmung der Binger Straße zur Tempo-30-Zone in enger Abstimmung mit dem Landesbetrieb Mobilität.
Künftig wird es darum gehen, Maßnahmen noch transparenter zu kommunizieren und Abläufe zwischen Verwaltung, Gemeinderat und übergeordneten Behörden weiter zu straffen. Viele Verkehrsfragen liegen nicht allein in kommunaler Hand, sondern erfordern Abstimmungen mit Kreis, Land oder Polizei. Umso wichtiger ist eine klare Koordination und eine nachvollziehbare Priorisierung.
Journal LOKAL: Wie wollen Sie sich mit Blick auf die gesperrte Abfahrt Budenheim an der Schiersteiner Brücke in die Abstimmung mit Land und Region einbringen, um die Auswirkungen für die Gemeinde zu begrenzen?
Stephan Hinz: Die gesperrte Abfahrt belastet Budenheim spürbar. Hier bin ich mit dem Kreis, aber auch mit den umliegenden Nachbarstädten weiterhin aktiv in Gesprächen. Hier müssen das Land und der Bund tätig werden, um praktikable Lösungen zu erreichen – etwa durch bessere Verkehrslenkung, Beschilderung und technische Maßnahmen, die den Durchgangsverkehr reduzieren. Ziel ist, die Auswirkungen für Budenheim so gering wie möglich zu halten.
Journal LOKAL: Die finanzielle Situation der Gemeinde gilt als angespannt, der Haushalt für 2026 ist bislang nicht beraten. Parallel dazu stehen größere Investitionsvorhaben im Raum.
Nach welchen Kriterien wollen Sie künftig Prioritäten bei Investitionen setzen, und welche Projekte halten Sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen für realistisch, welche eher für nachrangig? Bitte begründen Sie Ihre Einschätzung.
Stephan Hinz: Die Haushaltslage ist angespannt, aber sie ist gestaltbar. Entscheidend ist eine klare Prioritätensetzung. Für mich gilt: Zuerst kommen die gesetzlichen Pflichtaufgaben und die Infrastruktur, die den Alltag der Menschen unmittelbar betrifft – also Kinderbetreuung, Schulen, Straßen, Wohnraum und Digitalisierung.
Gleichzeitig müssen Investitionen realistisch geplant und über mehrere Jahre gestreckt werden. Budenheim hat in den vergangenen Jahren trotz schwieriger Rahmenbedingungen wichtige Projekte umgesetzt. Diesen Weg einer soliden, verantwortungsvollen Finanzpolitik möchte ich fortsetzen: investieren, wo es notwendig und sinnvoll ist, und Vorhaben zeitlich so ordnen, dass sie finanziell tragfähig bleiben.
Journal LOKAL: In der öffentlichen Wahrnehmung gab es zuletzt Berichte über Konflikte, Vandalismus und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, dem punktuell mit ordnungspolitischen Maßnahmen begegnet wurde.
Welche präventiven Ansätze und Angebote wollen Sie für Jugendliche in Budenheim stärken oder neu entwickeln, um Teilhabe zu fördern und Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken?
Welche finanziellen und personellen Ressourcen halten Sie dafür im Haushalt für vertretbar?
Stephan Hinz: Ein gutes Umfeld für Kinder und Jugendliche ist die beste Prävention. Budenheim verfügt bereits über starke Angebote – etwa die Bluebox und ein aktives Vereinsleben. Diese Strukturen will ich weiter stärken und ausbauen.
Ziel ist es, Teilhabe zu fördern, frühzeitig Gesprächsangebote zu schaffen und Konflikten vorzubeugen. Dazu gehören offene Treffpunkte, Sport- und Freizeitangebote sowie eine enge Zusammenarbeit mit Vereinen, Schule und Jugendarbeit.
Die dafür notwendigen Mittel müssen im Haushalt verlässlich eingeplant werden. Investitionen in Jugendangebote sind keine freiwillige Kür, sondern ein wichtiger Beitrag zum sozialen Zusammenhalt und zur langfristigen Entwicklung unserer Gemeinde. Wir wollen die Jugendarbeit stärken und planen dafür eine halbe Stelle zusätzlich ein. Jetzt hoffen wir, dass die Kommunalaufsicht unseren Kurs unterstützt.
Journal LOKAL: Die digitale Entwicklung der Gemeindeverwaltung wird von Bürgern unterschiedlich bewertet. Während einzelne Dienstleistungen verfügbar sind, bestehen weiterhin Defizite bei Transparenz, Zugänglichkeit und Struktur.
Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der Verwaltung und welche konkreten Schritte wollen Sie in Ihrem ersten Amtsjahr angehen?
Stephan Hinz: Die Digitalisierung der Verwaltung ist eine zentrale Zukunftsaufgabe. In Budenheim sind bereits wichtige Schritte erfolgt, etwa Online-Terminvergabe, Kartenzahlung, elektronische Wohnsitzummeldung, Audiostream der Gemeinderatssitzungen und die Vorbereitung des digitalen Bauantrags.
Journal LOKAL: Welche Gründe haben aus Ihrer Sicht dazu geführt, dass bestimmte Digitalisierungsprojekte bislang nur verzögert umgesetzt werden konnten?
Stephan Hinz: Digitalisierung in Kommunen ist komplex, weil sie Investitionen, rechtliche Anforderungen und technische Umstellungen im Hintergrund erfordert. Viele Projekte hängen von landesweiten Systemen, Haushaltsmitteln und personellen Ressourcen ab. Ziel für die kommende Amtszeit ist, diese Prozesse weiter zu beschleunigen und Schritt für Schritt zu einem durchgängig digitalen Service auszubauen.
Nach zwei Jahrzehnten ist unser aktuelles Kassensystem technisch am Ende. Um zukunftsfähig zu bleiben, nehmen wir 2026/2027 einen hohen fünfstelligen Betrag in die Hand. Damit schaffen wir die Basis für moderne, digitale Leistungen, die für alle Bürger barrierefrei zugänglich sind.
Journal LOKAL: Das Rathaus ist weiterhin nur nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich. Gleichzeitig gibt es wiederkehrende Beschwerden über Müllablagerungen und den Zustand öffentlicher Bereiche.
Wie wollen Sie Erreichbarkeit, Serviceorientierung und Effizienz der Verwaltung künftig austarieren, und welche konkreten Veränderungen können Bürger im Alltag erwarten?
Stephan Hinz: Erreichbarkeit und effiziente Abläufe gehören zusammen. Unsere Terminregelung reduziert Wartezeiten und sichert meinen Mitarbeitenden die nötige Konzentration sowie ein geschütztes Arbeitsumfeld für ihre anspruchsvollen Aufgaben. Damit der Zugang dennoch unkompliziert bleibt, möchte ich die Serviceorientierung weiter stärken. Mein Ziel ist die Errichtung einer zentralen Pforte als moderne Anlaufstelle, die Besucher direkt empfängt und Anliegen gezielt steuert.
Themen wie Sauberkeit, Müllablagerungen und der Zustand öffentlicher Flächen werden wir konsequent angehen. Der Bauhof leistet hier täglich wichtige Arbeit, gleichzeitig braucht es auch ein gemeinsames Verantwortungsbewusstsein für den öffentlichen Raum. Bei den Müllablagerungen, die nicht nur unsere Kommune betreffen, sind wir im ständigen Austausch mit der unteren Abfallbehörde des Kreises Mainz-Bingen.
Journal LOKAL: Themen wie Rheinufergestaltung, Ehrenamt, Seniorenangebote und Ortsentwicklung werden seit Jahren diskutiert.
Welches dieser Themen möchten Sie in Ihrer Amtszeit besonders vorantreiben, und welche überprüfbaren Ziele setzen Sie sich dafür?
Wie kann die Verwaltung unter Ihrer Führung ehrenamtliches Engagement unterstützen, auch vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Spielräume?
Stephan Hinz: Mein Ziel ist ein Budenheim, das für alle Generationen attraktiv bleibt. Dazu gehören die Entwicklung von Wohnraum, Investitionen in Bildung und Betreuung, die Stärkung von Vereinen und Ehrenamt sowie die Weiterentwicklung des Rheinufers im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten.
Ein besonderer Schwerpunkt wird darauf liegen, diese Themen strukturiert voranzubringen und mit klaren Zielen zu hinterlegen. Erfolg soll messbar sein: an funktionierender Infrastruktur, lebendigen Vereinen, guten Angeboten für Jung und Alt und einer Verwaltung, die zuverlässig arbeitet.
Das Ehrenamt ist dabei ein tragender Pfeiler. Die Gemeinde kann unterstützen, indem sie verlässliche Rahmenbedingungen schafft, Kooperationen erleichtert und finanzielle Förderung auch in schwierigen Zeiten möglichst stabil hält. Ich möchte die Arbeit für Budenheim mit voller Energie fortsetzen. Viele Projekte sind angestoßen oder auf den Weg gebracht, die in den kommenden Jahren weiterentwickelt werden müssen.
Kontinuität und Erfahrung sind dabei ebenso wichtig wie der klare Blick nach vorn. Meine Schlüsselprojekte für die kommende Amtszeit sind klar definiert: die konsequente Umsetzung des DigitalPakts 2.0 für unsere Schule, die Schaffung von betreutem Wohnen am Wäldchenloch sowie attraktiver Wohnraum für alle Generationen. Zudem setze ich auf eine vorausschauende Stärkung unserer Sicherheitsinfrastruktur und eine sichere Zukunftsperspektive für unsere Waldsporthalle.
Mein Ziel ist es, Budenheim in den kommenden Jahren verantwortungsvoll weiterzuentwickeln und gemeinsam mit Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerschaft die anstehenden Aufgaben zu gestalten.
Journal LOKAL: Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte Gregor Starosczyk-Gerlach
























