LAUBENHEIM – Ein Barhocker steht vor dem Mikron auf der Bühne, links und rechts sind Lautsprecher aufgestellt, alles ist im katholischen Pfarrzentrum auf das Nötigste reduziert. „Ein Abend für die Seele“, so hatte die Private Musikschule Laubenheim den großen „Reinhard-Mey-Abend mit Harry Borgner“ angekündigt und damit nicht zu viel versprochen. Zwei Stunden lang verzauberte der als „Mann mit den 1000 Stimmen“ bekannte Mainzer Künstler sein Publikum mit Liedern des wohl populärsten deutschen Liedermachers Reinhard Mey. Derzeit verabschiedet sich der inzwischen 80-Jährige mit einer Tournee von seinem Livebublikum in den Ruhestand, Borgner aber möchte die Feinfühligkeit, die Farbenpracht und die Gänsehautmomente der Reinhard-Mey-Songs weiterleben lassen. Und das gelingt ihm auf wunderbare Weise.
Die zumeist aus dem Leben gegriffenen Lieder regen zum Nachdenken an, lassen Erinnerungen an eigene Erlebnisse oder Gefühle wach werden und nehmen einen mit. Auch Borgner wirkt bisweilen ergriffen und so, als kämpfte er mit den Tränen. Mit Meys erstem Lied, „Ich wollte wie Orpheus singen“ von 1967 startet der aus Rundfunk und Fernsehen bekannte Sänger, es sei eines von mehr als 500 Liedern, sagt er. Wer die Augen schließt, ahnt den deutschen Liedermacher. „Bei Mey gibt es viel Text, Text, Text“, stimmt Borgner das ergreifende Lied „Kaspar“, über das Schicksal des „Kaspar Hauser“ an, weiter geht es mit dem bekannteren Lied „Herbstgewitter über Dächern“ und dem für manchen zum Schmunzeln anregenden „60! Was, jetzt schon?“
Die Lieder Meys sind politische Stellungnahmen, sie sind gesellschafts- und zeitkritische Reflexionen. „Meine Söhne geb‘ ich nicht“ ist die kategorische Ablehnung eines Vaters gegen den Kriegsdienst. Dann wieder pflanzt Mey/Borgner „ein Apfelbäumchen“, um im nächsten Moment den letzten Wunsch zu erklären: „Ich möchte im Stehen sterben, wie ein Baum, den man fällt.“ Natürlich fliegt Borgner mit seinem Publikum „über den Wolken“ dann wieder wird es kritisch: „Der alte Bär ist tot“, immer war man bei ihm im Zoo, dann hat man ihn vergessen, nun ist er tot. Ob man da nicht auch an alte Menschen vergessen in Altenheimen denke, fragt Borgner. Es ist ein unterhaltsamer, teils lustiger, aber auch sehr nachdenklich stimmender Abend, den der Künstler seinen Zuhörern beschert hat. Eben „Ein Abend für die Seele“. Noch einmal greift er in die Saiten: „Gute Nacht Freunde“ singt er wie Mey.
Autorin: kga