
OBER-INGELHEIM – Unter dem Kampagnenmotto „Große bunte Zirkusschau – Manege frei beim ICV“ tischte der Ingelheimer Carneval Verein (ICV) den Narren beim Kreppelkaffee nicht nur das Gebäck und Getränken. Die Unterhaltung aus der guten ICV-Schmiede, die Vorträge, Tanz und Musik umfasste, ermöglichte auch jenen Besuchern den Abstecher in närrische Gefilde, die eine klassische, spätnächtliche Sitzung aus unterschiedlichen Gründen nicht besuchen. Allein diese soziale Dimension verdiente Applaus.

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Denselben spendete das Publikum den Aktiven auf der Bühne – oder, Entschuldigung: in der Manege. Der Vorhang in der Sporthalle der Turngemeinde in Ober-Ingelheim ging nämlich für die „Große bunte Zirkusschau – Manege frei beim ICV“ auf. Für die Ausgestaltung des Kampagnenmottos nutzt der ICV bekanntlich reichlich Fantasie. Wie vierfarbbunte Fäden durchzogen Zirkusmotive die Vorträge und Darbietungen und spiegelten sich in Dekoration und Kostümierung wider.
Platz gab es in der Manege auch für die eine Träne, die Zirkusleute bisweilen wegwischen müssen. Nach dem Vortrag von Bernd Rott vibrierte die Luft bei den „Helau“-Rufen in Wehmut: Der „Till vom ICV“ sagte dem Publikum „Adieu“. Dieses erhob sich von den Plätzen, denn nach allgemein anerkannter Narrenmeinung gehörte die Figur, die Rott 28 Jahre in der Bütt verkörperte, zu den prägenden Stimmen dieses Formats.

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Doch weil Humor ist, wenn man trotzdem lacht, ließen sich die Narren ebenso von Petra Harich und Christian Knauer sowie von Conny Kluth unterhalten. Letztere schlüpfte in die Rolle einer Fee und spielte augenzwinkernd darauf an, Eveline Breyer bei der kommenden Wahl zur Stadtoberbürgermeisterin ins Amt zu zaubern. Gefallen fand beim Publikum auch Heike Brauermann gemeinsam mit Vogel Bruni und dem Faultier Achim, der als Meister der langsamen Sprache auftrat.
Detlef Weitzel setzte die Reihe der Wortbeiträge fort und nahm die Perspektive eines Stammtischs in einer Kneipe auf. Er knüpfte mit seinem Vortrag an Alltagsbeobachtungen und pointierte Zuspitzungen an.
Als Zirkusdirektorin stellte Elke Hilf-Breyer die ICV-Aktiven als Artisten in der Manege vor. Mit ihr traten Niklas Breyer und Jürgen Hilf auf. Als Dauerbrenner griff sie unter anderem die Männer vom Ballett auf: „Sie sind gut mit zwei Promille im Blut.“ Den Nachwuchs thematisierte sie am Beispiel von Niklas Breyer, den sie als Beleg für die Sorgenfreiheit des Vereins präsentierte. Dieser kommentierte trocken: „Zirkus habe ich jeden Tag zu Hause.“
Wie würde sich der ICV ohne den Sketch des Jahrgangs 1966/76 anfühlen? Weniger lustig. Die Darbietung stellte eine Generalprobe im Zirkus nach und sorgte für einen weiteren Höhepunkt. Als Clown, Elefant, Dompteuse und Löwe mischten die Akteure die Manege auf. Die Kunststücke gingen dabei freilich schief – nicht zuletzt, weil der Löwe partout nicht durch den Reifen springen wollte.

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
„Ihr habt hier Zirkus als Thema – mit mir kriegt ihr Zirkus!“, rief Gaby Heiser-Gräf. Als Putzfrau des ICV machte sie sich zwischen Konfettiwegfegen und dem Holen von Getränken für das Komitee Luft: „Die Trude macht das schon – für Mindestlohn.“
Apropos Komitee: Zur getanzten ICV-Fastnacht gehört auch dessen Auftritt, der erneut eine Geschichte aus der Manege erzählte.
Eine Premiere feierte das neugegründete Showballett „On Fire“. Reichlich Applaus erntete das Kinderballett „Gummibärenbande“, gefolgt von der ICV-Garde, die zu „Kiss“ von Prince auftrat. Das Jugendshowballett „FreeZe“ zauberte unter dem Titel „Hokus Pokus Fidibus“ eine magische Show auf die Bühne.
Einen bejubelten Gastauftritt absolvierte zudem das Funkemariechen Maria Süßenberger. Vier ICV Funken brachten mit ihrem Tanz zu „La Bomba“ von Mama Afrika einen männlichen Akzent in die Narrhalla und lösten große Begeisterung aus – das gesamte Publikum klatschte mit. Auch das Männerballett erhielt viel Applaus mit seinem Beitrag zum Thema „Wo sind die Clowns dieser Welt?“ – offenbar beim ICV.
Die Gruppe spielte mit Stimmungen und Bildern und zeigte, wie Fastnacht auch jenseits bestrumpfter Männerbeine funktionieren kann. Der Auftritt wechselte zwischen rockigen Passagen und melancholischen Momenten. Unterhaltsam und aussagestark: Genau das erklärt, warum das Männerballett immer wieder als Vorzeige-Abteilung der ICV-Fastnacht gilt.
Die musikalische Akzente übernahmen die Zippelkappe. Im dritten Jahr in Folge brachte das Trio aus Mainz die Ober-Ingelheimer Narrhalla mit Liedern in Stimmung, die das Publikum klatschend begleitete. Mit ihren Auftritten entfachte die Gruppe närrische Stimmung an einem Nachmittag, der in ein gemeinsames Finale mündete.
Gregor Starosczyk-Gerlach






















