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Rückblick auf das Internationale Weihnachtsfestival 30 Jahre >>>Dritte Ausgabe in der Emmauskirche im Münchfeld

Das große sinfonische Blasorchester des BCK gestaltete mit seinem Auftritt einen der klangvollen Höhepunkte des Internationalen Mainzer Weihnachtsfestivals in der Emmauskirche. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

HaMü – Für eine mehrstündige Veranstaltung mit Pause bot die Emmauskirche im Münchfeld den passenden Raum für einige besonders intensive Momente der Vorweihnachtszeit. In dem überschaubaren, akustisch sehr dankbaren Kircheninnenraum entfalteten Musik und Gesang eine unmittelbare Wirkung, die über den Abend hinausreichte. Eindrücke, die während der Stunden im Kirchenraum entstanden, wirkten nach und waren angetan, um bis ins neue Jahr hineinzuwirken.

Im Dezember fand das Internationale Mainzer Weihnachtsfestival dort bereits zum dritten Mal statt. Zugleich hob das ein besonderes Jubiläum: Zum 30. Mal wurde das Festival gefeiert. Das Festival präsentierte erneut ein internationales Programm, das musikalische Traditionen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zusammenführte. Auf der Bühne standen Die Campesinos aus den Anden, die Formation Aruma de Bolivia, das Duo Klangzeit sowie das Große Sinfonische Blasorchester des Peter-Cornelius-Konservatoriums. Den Abschluss gestalteten Vánoční Perličky mit Liedern aus dem böhmisch-slowakischen Raum, die wie musikalische Weihnachtsperlen wirkten.

Das Duo Klangzeit zeigte einen konzentrierten, unmittelbaren Auftritt und nutzte die besondere Akustik der Emmauskirche für eine dichte musikalische Atmosphäre.
Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

Das abwechslungsreiche Programm war so angelegt, dass sich Nähe zwischen Künstlern und Publikum entwickeln konnte. Manche Ensembles traten geschlossen auf, andere präsentierten sich in aufeinanderfolgenden Blöcken. Diese Struktur erleichterte den Wechsel in Stimmung und Ausdruck, ohne den dramaturgischen Bogen zu verlieren. Der Kirchenraum erwies sich dabei als ein stimmiger Rahmen, in dem die Musikwirkung resonierte. Die Klänge schienen direkt den Weg über die Ohren in die Herzen zu finden.

Zur Atmosphäre einer gewissen Nähe trugen nicht zuletzt die Moderationen bei, die von den Künstlern selbst übernommen wurden. Persönliche Einführungen rückten die Zuhörer näher an die Kompositionen heran und erleichterten den Zugang zu den musikalischen Inhalten. Über mehrere Stunden hinweg konzipiert dosierte das Programm bewusst die Annäherung an die Weihnachtszeit aus der Perspektive verschiedener Regionen und Kulturen.

Wie Festivalorganisator Harald Schmidt betonte, solle das Internationale Mainzer Weihnachtsfestival nicht mit einer klassischen Weihnachtsfeier verwechselt werden. Der Abend beginne bewusst stets mit einem nicht weihnachtlichen Teil, in dem die Künstler Stücke aus ihrem regulären Repertoire spielen. Ziel sei es, das Publikum zunächst aus dem Adventsstress herauszuholen. Erst im zweiten Teil rücke Weihnachten in den Mittelpunkt, ohne Beschränkung auf eine ausschließlich besinnliche Deutung. Vielmehr gehe es darum, neugierig zu erkunden, wie dieses Fest in anderen Ländern gefeiert werde.

Ein Prädikat „bemerkenswert“ ist dem Festival nicht abzusprechen, woran sich die Empfehlung zum Besuch in 2026 anschließt. Denn der Veranstaltung gelingt ein guter Spagat zwischen kammermusikalischer Intimität und tragfähigen Stimmungen. Ihr Wert könnte darin liegen, dass sie auch in den Wochen nach dem letzten Ton spürbar nachklingt.

 

Gregor Starosczyk-Gerlach

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