
NIEDER-OLM – In der alten Schmiede Wettig in Nieder-Olm lag an drei Wochenenden eine besondere Atmosphäre in der Luft: Kunst, Begegnung und ein Hauch von Lebensgeschichte. Die Ausstellung „Kokon“ der Nieder-Olmer Künstlerin Liesel Metten zog zahlreiche Besucherinnen und Besucher an – und machte einmal mehr deutlich, welchen Stellenwert die inzwischen 88-jährige Künstlerin weit über die Region hinaus besitzt.
Initiiert wurde die Ausstellung von den engagierten Frauen des Zonta Club Mainz, die damit einmal mehr einer außergewöhnlichen Künstlerin eine Bühne gaben – und zugleich einem Thema, das sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes Werk zieht: Schmetterlinge.
Unter dem Titel „Kokon“ präsentierte Metten erstmals in der Nieder-Olmer Schmiede eine ganze Werkreihe zu diesem Motiv. Zu sehen waren Skulpturen und Bilder – unterschiedliche Ausdrucksformen, die alle um Transformation, Leichtigkeit und das Wunder der Verwandlung kreisen. Der Schmetterling als Symbol für Wandel und Neubeginn hat die Künstlerin ihr gesamtes Leben begleitet. Dies thematisierte auch auf anschauliche Weise Andrea Stoll in ihrer Laudatio zur Ausstellung.
Die ausgestellten Werke entstanden um das Jahr 2010 in ihrem Atelier in Bacharach am Rhein. Heute ist Liesel Metten vollständig erblindet – eine Tatsache, die den Blick auf ihr Werk noch eindringlicher macht. Was die Besucherinnen und Besucher in der Schmiede Wettig sehen konnten, ist gewissermaßen ein künstlerisches Vermächtnis: Werke aus einer Zeit, in der die Künstlerin noch sehen konnte, die jedoch bereits jene Tiefe und Symbolik tragen, die ihr Schaffen seit Jahrzehnten prägen.
So schloss sich mit der Ausstellung in Nieder-Olm ein Kreis. Schon früh in ihrem künstlerischen Leben beschäftigte sich Metten mit dem Motiv der Schmetterlinge – nun kehrte es als zentrales Thema zurück, ausgerechnet an dem Ort, an dem sie seit vielen Jahren lebt und arbeitet.
Die Resonanz war beeindruckend. Sowohl zur Vernissage als auch zur Finissage füllte sich die Schmiede Wettig mit Kunstliebhaberinnen und Kunstliebhabern, Wegbegleitern, Freunden und neugierigen Gästen aus der ganzen Region. Viele wollten der „Grand Dame“ der regionalen Kunstszene persönlich ihre Aufwartung machen und ihre Wertschätzung zeigen, darunter auch Stadtbürgermeister Dirk Hasenfuss und die Journalistin Petra Gerster.
Die Ausstellung „Kokon“ war damit weit mehr als nur eine Werkschau. Sie war eine Hommage an ein langes Künstlerleben – und an die Kraft der Verwandlung. Ganz im Sinne des Schmetterlings, der aus seinem Kokon schlüpft und neue Räume erobert.
Und vielleicht war genau das auch die stille Botschaft dieser Ausstellung: Kunst findet immer ihren Weg – selbst dann, wenn die Augen längst nichts mehr sehen.
Annette Pospesch

























