Start Gesellschaft „Wir wollen hier keine Kippen mehr sammeln“

„Wir wollen hier keine Kippen mehr sammeln“

Jung und Älter treffen sich vor dem Gemeinschaftsraum des Quartiers zum Dreck weg-Tag 2024. Fotos: Ulrich Nilles

HARTENBERG-MÜNCHFELD – Hunderte Zigarettenkippen, Plastikverpackungen, ins Gebüsch entsorgte Flaschen.- Eigentlich sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, Müll ordnungsgemäß zu entsorgen. Dem ist nicht so, wie ein Team von SammlerInnen aus dem neuen Viertel „Wohnen am Hartenberg“ feststellen musste.

„Meine Motivation, die Beteiligung am Dreck weg-Tag anzuregen, war es, eine gemeinsame Aufgabe für das Quartier zu initiieren und dessen Zusammenwachsen zu fördern“, äußert Lydia Beck im Gespräch mit dieser Zeitung. Zusammen mit Karsten Hönsch hatte sie eine Gruppe von zehn Personen bei dem „Eigenbetrieb Stadtreinigung“ der Stadt Mainz angemeldet. Ausgerüstet mit Greifzangen, Handschuhen und den tagestypischen orangefarbenen Müllsäcken trafen sich um 10.00 Uhr Menschen aller Altersgruppen am Gemeinschaftsraum in der Jakob-Steffan-Straße 89.

„Ich fand es gut, dass man sich spontan entscheiden konnte, zur Gruppe zu stoßen, von der ich über nebenan.de erfahren habe“, sagt Doro. „Der Hartenberpark ist meine tägliche Spazierstrecke mit dem Kinderwagen. Das verbinde ich heute mit dem Einsammeln von Müll“, antwortet Vera auf Nachfrage. Und Flo hatte den subjektiven Eindruck, dass die Vermüllung in den letzten Jahren wieder zugenommen hat. „Man darf nicht nur meckern, sondern sollte auch etwas tun.“

Eine Gruppe startete ihre Sammeltour an den beiden gegenüberliegenden Bushaltestellen der Linien 64 und 65. Schon nach wenigen Minuten waren mehrere Müllsäcke gefüllt. „Es tut sich garnichts hier seit über einem Jahr. Kein Wartehäuschen, keine Bank, geschweige denn Mülleimer“, macht Karsten seinem Unmut Luft. Eine Station weiter „Am Judensand B“ und dem angrenzenden Gelände der St. Rabanus-Gemeinde sah es nicht besser aus. Alleine dort war eine Gruppe über eine Stunde beschäftigt. „Meines Erachtens wäre hier im Rahmen der Umweltbildung eine größere Beteiligung von Jugendlichen etwa der beiden Berufsbildenden Schulen erforderlich“, schlug Lydia vor.

Der Hartenbergpark selbst erschien oberflächlich zunächst gepflegt. Aus dem Gebüsch bargen Helfer allerdings einen Einkaufswagen, ein intaktes Kinderfahrrad, eine Kinderschreibtafel, Fußbälle und eine vergammelte Campingausrüstung. „Insgesamt mangelt es an Mülleimern, sowohl im Park, als auch im Quartier“, konstatiert Ingeborg. „Oft sind sie zu versteckt in Ecken oder an unnützen Stellen, etwa der ehemaligen Rollschuhbahn angebracht“, ergänzt Lydia Beck. Und weiter: „Nächstes Jahr wollen wir hier keine Kippen mehr sammeln müssen.“

Nach zwei Stunden und mit 15 gefüllten Säcken traf sich die Gruppe wieder am Gemeinschaftsraum. Einerseits positiv gestimmt, etwas für die Gemeinschaft geleistet zu haben – „Mir wurde aus Dankbarkeit sogar Tee und Gebäck angeboten“, erzählt eine Teilnehmerin. Andererseits ernüchtert über so viel Achtlosigkeit gegenüber Natur und Umwelt.

Und das ist das Ergebnis nach zwei Stunden Sammelaktion.

Ortsvorsteherin Christin Sauer zeigte sich stolz über die Beteiligung an der Müllsammelaktion: „Wir hatten insgesamt 57 Anmeldungen, die in verschiedenen Teams auf dem Hartenberg und im Münchfeld ehrenamtlich tätig waren“, stellte sie erfreut fest. „Über den Tag hinaus sammeln wir Interessierte in einer Chat-Gruppe, die Lust haben, sich regelmäßig zu treffen, um die Hotspots im Ortsbezirk zu säubern“, zeigte Sauer eine Zukunftsperspektive auf.

„Diese Initiative unterstütze ich zu einhundert Prozent“, unterstützt Jutta Lukas (CDU), selbst Ortsvorsteherkandidatin für ihre Partei, den Vorschlag. „Es wäre mir ein Herzensanliegen, wenn Freiwilligentrupps von jungen Leuten bis zu Rentnern kontinuierlich Müllsammelaktionen durchführen würden. Das stärkt den Zusammenhalt im Ortsbezirk.“ Vorbild für beide sind andere Ortsteile, in denen solche Umweltteams schon länger bestehen.

„Man könnte noch mehr werben, denn vielen Menschen, die offen für das Angebot sind, ist der Termin nicht bekannt“, reflektiert Christin Sauer den Tag.  „Bei der Anmeldung sollte es bereits eine Übersicht seitens der Entsorgungsbetriebe geben, für welche Straßen/Gebiete sich bereits Gruppen gemeldet haben bzw. Vorschläge gemacht würden“, wünscht sich Jutta Lukas.
„Schön wäre es, wenn den Sammlergruppen einheitliche Plakate zur Verfügung gestellt würden, auf denen nur noch der Treffpunkt eingetragen wird“, sagt Lydia Beck zum Abschluss des Tages am Hartenbergpark. Ein einheitliches Bild sei identitätsstiftend und steigere die Bedeutung des „Dreck weg-Tags“.

Ulrich Nilles