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Faszinierende Insel, faire Lebensbedingungen Misereor >>>Finther Benefizabend zu Sri Lanka im Agnes-Pfeifer-Saal

Viele Gäste besuchten den Sri-Lanka-Benefizabend in Finthen. Foto: fej

FINTHEN – Lieder aus dem Herzen und Wissenswertes aus erster Hand, leckeres Essen und eindrucksvolles ehrenamtliches Engagement: All das machte den Sri-Lanka-Benefizabend zu einem Erlebnis. Mehr als 70 Gäste aus allen Generationen waren im Agnes-Pfeifer-Saal zusammengekommen im Rahmen der Misereor-Fastenaktion unter dem Leitwort „Auf die Würde. Fertig. Los!“ Organisiert wurde die abwechslungsreiche Veranstaltung in Finthen für den guten Zweck von Manfred Bröker und Bernhard Müller. Wolfgang Schenk und Gerti Schorr begleiteten den Abend musikalisch und setzten mit Liedern ein Zeichen für Frieden und Menschlichkeit. Viele Helferinnen und Helfer trugen auch hinter den Kulissen zum guten Gelingen bei.

„Ayubowan“, mit dem traditionellen Begrüßungswort für ein langes, gutes Leben, hießen Sina Hermann und ihr Mann Hasintha alle Anwesenden willkommen. Das Paar hatte sich an der Musikuniversität in Sri Lanka kennengelernt, ist seit 2013 miteinander verheiratet und hat zwei Töchter. Für Sina Hermann, die in Finthen lange als Leiterin von Kinder- und Jugendchören tätig war, ist die Insel zu einer „Herzensheimat“ geworden. Nun trug die Familie unter anderem ein traditionelles Lied vor, das von Freundschaft erzählte. Ihre singhalesische Kleidung trugen auch Frauen und Männer aus ihrem Freundeskreis, die viele herzhafte und süße Köstlichkeiten vorbereitet hatten. Mit dem landestypischen Abendessen wurden Gastfreundschaft, Höflichkeit und Herzlichkeit der Menschen in Sri Lanka in den Saal gebracht.

Auf großes Interesse stieß der Vortrag von Prof. Manfred Domrös. Foto: fej

Zur zweiten Heimat ist die Insel auch für Prof. Manfred Domrös geworden, der den Abend mit seinem informativen Vortrag bereicherte. Von 1974 bis 2008 war er als Professor an der Mainzer Universität tätig, seit mehr als 50 Jahren pflegt er berufliche und persönliche Verbindungen zu Sri Lanka. 111 Mal hat er die Insel mit ihren rund 22 Millionen Einwohnern mittlerweile besucht, die in etwa die Größe Bayerns hat und mehr als 8000 Kilometer von Deutschland entfernt liegt.

Schon vor Jahrhunderten sei die landschaftliche Schönheit als „strahlend schön und königlich leuchtend“ gepriesen worden. Im Laufe der Geschichte Sri Lankas haben Portugiesen, Niederländer und Briten ihre Spuren hinterlassen. Neben markanten Bergen und Bauwerken stellte Manfred Domrös auch ein soziales Projekt vor, das ihm am Herzen liegt: die von ihm 2005 gegründete „Sri Lanka Kinder in Not“-Kampagne. Der Verein unterhält ein christliches Mädchenheim, auch über Patenschaften. Mädchen zwischen 6 und 18 Jahren, die nicht in ihrer Familie aufwachsen können, erhalten dort eine gute Schulbildung, gesunde Verpflegung und eine sichere Unterkunft, um mit Würde aufwachsen und in die Zukunft blicken zu können.

Dass die Lebens- und Arbeitsbedingungen in Sri Lanka gerade für Frauen oft hart sind, zeigte Manfred Domrös anhand des Teeanbaus. „Wie bei uns in Rheinhessen Weinberge gibt es dort Plantagen“, beschrieb er. „Erntezeit ist jedoch nicht nur einmal im Jahr, sondern Teesträucher werden dort rund 50 Mal geerntet, etwa jede Woche werden die frischen Triebe abgepflückt.“ Insbesondere in den Hochlandregionen mit ungünstigen Klimabedingungen führen tamilische Teepflückerinnen und ihre Familien ein entbehrungsreiches Leben. Die Frauen verdienen mit harter körperlicher Arbeit, acht Stunden täglich, umgerechnet lediglich fünf Euro. Die Vorgabe von 20 Kilo Teeblättern pro Frau und Tag stellt eine immense Belastung dar. Hinzu kommen willkürliche Bedingungen, etwa wenn das Erntegewicht bestimmt wird.

Dass es um weit mehr geht als faire Löhne wurde auch deutlich in den Informationen von Misereor. „Gemeinsam global gerecht“: Mit diesem Leitgedanken wird das Ziel verfolgt, die Würde benachteiligter Menschen zu wahren und ihre Lebensbedingungen zu verbessern. In Sri Lanka unterstützt das Hilfswerk mit einer Partnerorganisation Projekte, die tamilischen Gemeinschaften dabei helfen, sich für ihre Rechte stark zu machen. Besondere Aufmerksamkeit gilt der Unterstützung von Frauen: Sie erhalten Hilfe zur Selbsthilfe, etwa um eigene kleine Geschäfte zu betreiben. Auch der Zusammenhalt untereinander gibt Mut und Kraft, um sich aus Abhängigkeiten zu befreien. Die großzügigen Spenden am Benefizabend in Finthen können dazu einen Beitrag leisten.

 

fej