
HAMÜ – Mit lauten Knallen kündigte sich der Sturm auf die Ortsverwaltung in Hartenberg-Münchfeld (HaMü) an. Von jenseits der Bebauung – hinter der Ortsverwaltung und dem Schulkomplex – feuerte die örtliche Schützengesellschaft Salutschüsse ab. Die Geräuschkulisse ließ selbst die Beamten, die zum Personenschutz der hochgradig besetzten Verwaltungsverteidigung (dazu gleich mehr) eingeteilt waren, innehalten und nach dem Rechten schauen. Laut war das Knallen allemal.
Am eigentlichen Sturm auf die Ortsverwaltung in Hartenberg-Münchfeld beteiligte sich eine mutige Schar von Narren. Überschaubar in der Zahl, aber deutlich wahrnehmbar im Auftritt, setzte der Zug auf Inszenierung und Lautstärke.
Zum Zwecke der symbolischen Erstürmung paradierte die Gruppe, angeführt vom Trommelwirbel des Ersten Rheinischen Husarenregiments, in die Sporthalle der Martin-Luther-King-Grundschule.

Der närrischen Dramaturgie folgend setzte das Wortgeplänkel zwischen Verwaltung und Narren alsbald ein. Für die Verwaltung schmetterten Christin Sauer und Günter Beck gereimte Verse, als das Sprachrohr der Narren, die plötzlich und unerwartet Verstärkung bekamen, übernahm Helga Bliwier vom Vereinsring das Wort.
Die Fronten formierten sich erst, als Michael Ebling für einen besonderen Moment sorgte: Ausgerechnet der Innenminister, der die weltliche Ordnung repräsentierte und per se auf die Seite der Verwaltung gehörte – „Ja, Michael, du auch“ (Sauer) – wechselte die Fronten. „Ich will aber zu den anderen“, konterte Ebling Sauers Aufforderung. Gesagt, getan – der Minister stellte sich demonstrativ auf die Seite der Narren.
„Ihr seid doch ein Jahr ruhig gewesen und steht ganz plötzlich vor der Tür. Sagt, was wollt ihr denn hier?“, eröffnete Sauer das Gefecht. „Wir kommen, das weißt du genau, und übernehmen deinen Bau. Es ist so, wie in jedem Jahr. Die HaMü-Narren, die sind da“, konterte Bliwier.
Beck versuchte, die Ordnung zu verteidigen, sprach von „Aufstand“ und „Meute“, beklagte den drohenden Machtverlust und warnte Sauer davor, den Schlüssel aus der Hand zu geben. Doch die Narren blieben bei ihrer Linie: „Der Schlüssel, der wird unser sein. Gib ihn schon her und sag nicht nein.“

Verteidiger Beck konnte den „Verrat“ noch so beklagen und schimpfen, das närrische Gesetz war damit besiegelt. „Ab heute werden wir hier regieren. Christin, rückt den Schlüssel raus, ab heute sind wir hier im Haus“, rief Bliwier unter Applaus und Helau-Rufen.
Am Ende kam es, wie es kommen musste: Der Verwaltung blieb nur der formale Rückzug. „Heute, da habt ihr gewonnen, die Verwaltung mit Bravour genommen. Doch heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage“, räumte Sauer ein.
Mit einem donnernden „Helau! Helau!“ endete das Wortgefecht, und der symbolische Machtwechsel war vollzogen. Der Rosenmontag kann kommen.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























