
BUDENHEIM – Die Fragen im Vorfeld der Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister der Gemeinde Budenheim beantwortete auch der Kandidat der SPD, Marcel Wabra. Der 28-Jährige ist seit 2024 Mitglied des Gemeinderats und Erster Beigeordneter der Gemeinde. Wabra lebt seit fünf Jahren in Budenheim und bringt Verwaltungserfahrung mit: Nach einer ersten Station bei der Polizei Hessen wechselte er in die Verwaltung nach Mainz und studierte Öffentliche Verwaltung.
Journal LOKAL: Wie erleben Sie die Gemeinde Budenheim aus der Perspektive eines Bürgers, der sich im Amt des Bürgermeisters oder der Bürgermeisterin um die vielfältigen Belange der Bürger und der Kommune einsetzen will?
Marcel Wabra: Aus der Perspektive eines engagierten Bürgers erlebe ich in Budenheim derzeit einen deutlich spürbaren Wunsch nach Veränderung und einem politischen Neuanfang. Viele Bürgerinnen und Bürger äußern den Wunsch nach einem Bürgermeister, der Verwaltung nicht nur verwaltet, sondern versteht, erklärt und bürgernah gestaltet. In zahlreichen Gesprächen wird deutlich, dass Transparenz, Offenheit und Digitalisierung im Verwaltungshandeln zentrale Erwartungen sind.
Mit meinen Themen eines offenen Rathauses und deutlich mehr Transparenz erlebe ich große Zustimmung. Viele Budenheimerinnen und Budenheimer sehnen sich nach einem Bürgermeister, der nachvollziehbar arbeitet, allen zuhört und mehr Budenheimerinnen und Budenheimer aktiv einbindet. Dieses Bedürfnis nach mehr Bürgernähe, Transparenz und Mitbestimmung prägt aktuell die Stimmung in der Gemeinde sehr stark.
Journal LOKAL: Der Verkehr ist seit Jahren ein zentrales Thema in Budenheim. Wie bewerten Sie die bisherigen Abläufe bei Planung und Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen, und welche organisatorischen oder inhaltlichen Änderungen würden Sie vornehmen, um künftig zu schnelleren und nachvollziehbaren Lösungen zu kommen?
Marcel Wabra: Der Verkehr ist seit Jahren eines der drängendsten Themen in Budenheim. Die bisherigen Abläufe bei Planung und Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen sind aus meiner Sicht unbefriedigend und intransparent. Der Gemeinderat hat bereits im Jahr 2021 einstimmig beschlossen, dass ein Verkehrskonzept erstellt werden soll, das Sicherheit, Mobilität und Zukunftsfähigkeit für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer verbessern sollte.
Für dieses Konzept konnte bis heute kein Geld gefunden werden, und Angebote wurden weder der Verkehrskommission noch dem Gemeinderat vorgelegt. Trotz vielfacher Hinweise und Beschwerden aus der Bürgerschaft werden bestenfalls kleine Insellösungen umgesetzt. Manche berichteten mir jedoch auch, dass sie auf ihre Beschwerde keinerlei Antwort erhielten. Die politische Verantwortung hierfür liegt eindeutig bei der Rathausspitze und damit beim amtierenden Bürgermeister.
Budenheim braucht endlich ein ganzheitliches Verkehrskonzept, welches alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer einbezieht: Fußgängerinnen und Fußgänger, Radfahrende, Kinder, kranke und alte Menschen sowie den gesamten motorisierten Verkehr, ob Kfz, Öffis oder LKW.
Als Mitglied der Verkehrskommission konnte ich bereits durch Änderungsvorschläge für die Verkehrsführung die Schulwegsicherheit erhöhen. Für die Zukunft setze ich auf ganzheitlich gedachte Mobilität und wünsche mir, spätestens in den ersten hundert Tagen meiner Amtszeit einen Mobilitätsausschuss zu installieren, welcher öffentlich tagt und ansprechbar für die Bürgerinnen und Bürger ist. So schaffen wir schnell nachvollziehbare und spürbare Verbesserungen für die Bürgerinnen und Bürger statt weiterer Verzögerungen.
Journal LOKAL: Wie wollen Sie sich mit Blick auf die gesperrte Abfahrt Budenheim an der Schiersteiner Brücke in die Abstimmung mit Land und Region einbringen, um die Auswirkungen für die Gemeinde zu begrenzen?
Marcel Wabra: Als Bürgermeisterkandidat habe ich bereits Verantwortung übernommen und mich gemeinsam mit Nina Klinkel (SPD, MdL) im rheinland-pfälzischen Innenministerium dafür eingesetzt, dass eine technische Lösung zur Wiederinbetriebnahme der Abfahrt geprüft wird.
Mein Ziel ist es, Budenheims Interessen auch auf Landesebene zu vertreten, Entscheidungsprozesse aktiv zu begleiten und auf schnelle, praktikable Lösungen zu drängen. Dabei geht es mir nicht um Zuständigkeitsdebatten, sondern um konkrete Entlastungen für unsere Gemeinde. Die Nutzung der Abfahrt sollte wieder ermöglicht werden, wenn es für Kfz sicher ist, um Belastungen für Bürger, Wirtschaft und Umwelt zu reduzieren.
Journal LOKAL: Die finanzielle Situation der Gemeinde gilt als angespannt, der Haushalt für 2026 ist bislang nicht beraten. Parallel dazu stehen größere Investitionsvorhaben im Raum.
Nach welchen Kriterien wollen Sie künftig Prioritäten bei Investitionen setzen, und welche Projekte halten Sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen für realistisch, welche eher für nachrangig? Bitte begründen Sie Ihre Einschätzung.
Marcel Wabra: Bevor wir über einzelne Projekte entscheiden, ist es nötig, zunächst die bestehenden Missstände im Haushalt aufzuarbeiten und die fehlenden Jahresabschlüsse nachzuholen, damit die ordnungsgemäße Kontrolle der Vermögenslage und eine fundierte Steuerung der finanziellen Leistungsfähigkeit der Gemeinde möglich ist. Nur so lässt sich ein klarer Überblick über die finanziellen Spielräume und Verpflichtungen der Gemeinde gewinnen. Im nächsten Schritt werden wir sorgfältig prüfen, welche Förderungen von Bund und Land für einzelne Vorhaben eingesetzt werden können.
Erst danach kann in enger Abstimmung mit dem Gemeinderat entschieden werden, welche Projekte prioritär umgesetzt werden können. Gleichzeitig von desolater Haushaltslage und einem mindestens 20-Millionen-Euro-Sporthallen-Projekt zu sprechen, kann ich so nicht nachvollziehen. Mir ist besonders wichtig, dass die Prozesse transparent gestaltet sind, alle Beteiligten – Gemeinderat, Verwaltung und Bürgerinnen und Bürger – einbezogen werden und nachvollziehbare Entscheidungen getroffen werden. So schaffen wir die Grundlage für wichtige Investitionen in die Zukunft Budenheims.
Journal LOKAL: In der öffentlichen Wahrnehmung gab es zuletzt Berichte über Konflikte, Vandalismus und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, dem punktuell mit ordnungspolitischen Maßnahmen begegnet wurde.
Welche präventiven Ansätze und Angebote wollen Sie für Jugendliche in Budenheim stärken oder neu entwickeln, um Teilhabe zu fördern und Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken?
Welche finanziellen und personellen Ressourcen halten Sie dafür im Haushalt für vertretbar?
Marcel Wabra: Einzelne Vorfälle dürfen nicht das Bild Budenheims bestimmen. Sicherheit entsteht nicht allein durch Ordnungspolitik, sondern vor allem durch Prävention und Beteiligung. Gerade Jugendliche müssen ernst genommen und frühzeitig eingebunden werden, um Konflikten vorzubeugen.
Ich möchte den Jugendbeirat in Budenheim mit echtem politischem Gewicht ausstatten und Jugendliche verbindlich in Entscheidungsprozesse einbinden. Ergänzend braucht es geeignete Treffpunkte und Freiräume, an denen sich junge Menschen aufhalten können, ohne stigmatisiert zu werden. Solche Angebote fördern Teilhabe und wirken Vandalismus und Konflikten präventiv entgegen.
Für eine wirksame Präventionsarbeit halte ich ein verlässliches, jährlich eingeplantes Budget für Jugendarbeit für vertretbar. Die konkrete Höhe soll nach einer Bedarfsanalyse und in Abstimmung mit dem Gemeinderat festgelegt werden. Das ist zum Beispiel ein Punkt, der möglichst priorisiert werden sollte. Entscheidend ist ein zielgerichteter und transparenter Mitteleinsatz mit spürbarem Nutzen für die Gemeinde.
Journal LOKAL: Die digitale Entwicklung der Gemeindeverwaltung wird von Bürgern unterschiedlich bewertet. Während einzelne Dienstleistungen verfügbar sind, bestehen weiterhin Defizite bei Transparenz, Zugänglichkeit und Struktur.
Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der Verwaltung und welche konkreten Schritte wollen Sie in Ihrem ersten Amtsjahr angehen?
Marcel Wabra: Der größte Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der Budenheimer Verwaltung liegt aus meiner Sicht in Information, Transparenz und Erweiterung des Angebots. Digitale Angebote müssen leicht verständlich und zugänglich für alle Bürgerinnen und Bürger sein, Mehrwert bieten und die Effizienz für die Verwaltung steigern.
In meinem ersten Amtsjahr will ich deshalb konkrete und sichtbare Schritte mit dem Gemeinderat gehen. Dazu gehört der Ausbau der digitalen Übertragung kommunaler Gremiensitzungen, insbesondere auch der Ausschüsse, um politische Entscheidungsprozesse transparenter zu machen.
Ergänzend setze ich auf eine moderne und direkte Kommunikation der Verwaltung. Mit einer Budenheim-App sowie der Nutzung von Social Media sollen Informationen aktuell und digital bereitgestellt werden. Geplant sind zudem kurze, verständliche Erläuterungen zu anstehenden und getroffenen Beschlüssen, um kommunale Entscheidungen besser nachvollziehbar zu machen.
Gleichzeitig müssen Verwaltungsprozesse konsequent digitalisiert werden. Anträge, Anfragen und Behördengänge sollen zunehmend online möglich sein. Das verbessert den Bürgerservice, entlastet die Mitarbeitenden im Rathaus und erhöht die Effizienz. Digitalisierung ist für mich kein Selbstzweck, sondern ein zentrales Instrument für Zukunftsfähigkeit.
Journal LOKAL: Das Rathaus ist weiterhin nur nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich. Gleichzeitig gibt es wiederkehrende Beschwerden über Müllablagerungen und den Zustand öffentlicher Bereiche.
Wie wollen Sie Erreichbarkeit, Serviceorientierung und Effizienz der Verwaltung künftig austarieren, und welche konkreten Veränderungen können Bürger im Alltag erwarten?
Marcel Wabra: Das Rathaus muss wieder offen sein! Ich stehe dafür, dass es an mehreren Tagen pro Woche möglich ist, ohne Termin ins Rathaus zu kommen. Budenheim hat rund 9.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Da entstehen auch kurzfristige und dringende Anliegen. Verwaltung darf keine Hürde sein, sondern muss ansprechbar und bürgernah bleiben. Ein entsprechendes Konzept habe ich bereits ausgearbeitet und möchte es als Bürgermeister schnell umsetzen. Hierbei ist mir besonders wichtig zu sagen: Die Sicherheit der Mitarbeitenden wird dadurch nicht gefährdet.
Ganz klar: Budenheim muss sauberer werden. Illegale Müllentsorgung ist kein Kavaliersdelikt. Ich sage dem Müll den Kampf an – mit höheren Strafen, konsequenter Verfolgung der Verursacher und dem gezielten Einsatz von Mülldetektiven. Gleichzeitig ist Sauberkeit eine Gemeinschaftsaufgabe. Die Kehrsatzung gilt für uns alle. Mein Appell: Lassen Sie uns gemeinsam Verantwortung für ein sauberes, lebenswertes Budenheim, auf das wir stolz sein können, übernehmen.
Konkrete Veränderungen werden die offenen Sprechstunden im Rathaus, die bessere Kommunikation durch verschiedene Medien und mehr Transparenz sein.
Journal LOKAL: Themen wie Rheinufergestaltung, Ehrenamt, Seniorenangebote und Ortsentwicklung werden seit Jahren diskutiert.
Welches dieser Themen möchten Sie in Ihrer Amtszeit besonders vorantreiben, und welche überprüfbaren Ziele setzen Sie sich dafür?
Wie kann die Verwaltung unter Ihrer Führung ehrenamtliches Engagement unterstützen, auch vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Spielräume?
Marcel Wabra: Budenheim liegt in herausragender Lage am Rhein. Deshalb möchte ich in meiner Amtszeit die Aufwertung und stärkere Nutzung des Rheinufers besonders vorantreiben. Das Rheinufer soll sich zu einem Ort der Naherholung, der Begegnung und des Verweilens für Familien, Seniorinnen und Senioren, Spaziergänger und Radfahrende entwickeln. Mein Ziel ist es, die Aufenthaltsqualität spürbar zu erhöhen, etwa durch eine bessere Wegeführung, Sitzmöglichkeiten und eine behutsame Gestaltung, die Natur und Nutzung in Einklang bringt.
Zur Attraktivität eines lebendigen Rheinufers gehört für mich auch ein erweitertes kulinarisches Angebot. Gastronomische Konzepte, temporäre Angebote oder saisonale Nutzungen können das Rheinufer beleben und zum Verweilen einladen. Dabei sind mir klare und faire Spielregeln wichtig, sowohl im Hinblick auf Umwelt- und Naturschutz als auch auf Transparenz und Gleichbehandlung aller Anbieter.
Gleichzeitig ist ehrenamtliches Engagement die tragende Säule unserer Gemeinde. Vereine, Initiativen und freiwillig Engagierte brauchen Wertschätzung, aber vor allem Unterstützung im Verwaltungsdschungel. Deshalb setze ich mich für die Einrichtung einer zentralen Ansprechperson für das Ehrenamt ein. Ein Ehrenamtsbeauftragter soll Vereine bei Bürokratie und Anträgen entlasten, in Förderfragen beraten und bei der Terminkoordination unterstützen.
Gerade vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Spielräume ist es entscheidend, vorhandene Strukturen besser zu bündeln und ehrenamtliche Arbeit effizient zu unterstützen. Die Vereine fordern zu Recht einen festen Ansprechpartner. Diesen bekommen sie mit mir. So stärken wir das Ehrenamt nachhaltig und sichern den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Budenheim.
Journal LOKAL: Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte: Gregor Starosczyk-Gerlach
























