
BUDENHEIM – Annett Fritzlar bewirbt sich um das Amt der hauptamtlichen Bürgermeisterin von Budenheim. In der Wahl am 8. März tritt sie für die FDP an. Fritzlar, 49 Jahre alt und seit mehr als 25 Jahren in Budenheim zu Hause, ist auf dem Bauernhof ihrer Großeltern aufgewachsen. In der Kommunalpolitik ist sie bereits verankert: In der Legislaturperiode 2024 bis 2029 gehört sie für die FDP dem Sozial-, Kultur- und Sportausschuss sowie der Verkehrskommission an. In der Freizeit ist sie nach eigenen Angaben gern in der Natur unterwegs, wandert oder fährt Rad, interessiert sich für Musik, tanzt, trifft Freunde und reist.

Journal LOKAL: Hallo Frau Fritzlar, wie erleben Sie die Gemeinde Budenheim aus der Perspektive der Bürgerin, die sich im Amt der Bürgermeisterin um die Belange der Menschen und der Kommune einsetzen will?
Annett Fritzlar: Als Bürgerin erlebe ich Budenheim als eine lebendige, gut vernetzte und zugleich bodenständige Kommune, in der das Miteinander einen hohen Stellenwert hat. Die Nähe zu Natur und Rhein, das aktive Vereinsleben und das Engagement vieler Ehrenamtlicher prägen das tägliche Zusammenleben und schafft ein starkes Gemeinschaftsgefühl.
Gleichzeitig nehme ich wahr, dass Budenheim – wie viele Gemeinden – vor vielfältigen Herausforderungen steht: von der Weiterentwicklung der Infrastruktur über Fragen der Mobilität bis hin zu sozialen und ökologischen Themen. Aus meiner Perspektive, die sich für das Amt der Bürgermeisterin bewirbt, sich für die Belange der Bürgerinnen und Bürger einsetzen möchte, sehe ich darin jedoch vor allem Chancen. Chancen, gemeinsam mit Verwaltung, Politik, Vereinen und der Bürgerschaft konstruktive Lösungen zu entwickeln und Budenheim zukunftsfähig zu gestalten.
Wichtig ist mir dabei ein offener Dialog, Transparenz in Entscheidungen und ein respektvoller Umgang miteinander. Budenheim bietet dafür eine gute Grundlage. Ich würde diese Ausgangslage gerne nutzen, um die Gemeinde im Sinne aller weiter voranzubringen.
Journal LOKAL: Der Verkehr ist seit Jahren ein zentrales Thema in Budenheim. Wie bewerten Sie die bisherigen Abläufe bei Planung und Umsetzung von Verkehrsmaßnahmen, und welche organisatorischen oder inhaltlichen Änderungen würden Sie vornehmen, um künftig zu schnelleren und nachvollziehbaren Lösungen zu kommen?
Annett Fritzlar: Der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur ist mir ein wichtiges Anliegen, und ich möchte ihn klar vorantreiben. Um jedoch fundierte und realistische Aussagen treffen zu können, ist es notwendig, die bestehenden Beschlüsse, Hindernisse und Hintergründe im Detail zu kennen. Erst auf dieser Basis lässt sich bewerten, warum bestimmte Maßnahmen bislang nur langsam vorankamen und wo organisatorische oder inhaltliche Anpassungen sinnvoll wären. Mein Ziel wäre es, nach dieser Analyse transparentere Abläufe zu schaffen und Entscheidungen so vorzubereiten, dass sie schneller und nachvollziehbarer umgesetzt werden können.
Journal LOKAL: Wie wollen Sie sich mit Blick auf die gesperrte Abfahrt Budenheim an der Schiersteiner Brücke in die Abstimmung mit Land und Region einbringen, um die Auswirkungen für die Gemeinde zu begrenzen?
Annett Fritzlar: Mir ist wichtig, die Auswirkungen der gesperrten Abfahrt für Budenheim so gering wie möglich zu halten. Dafür möchte ich den Austausch mit Land und Region aktiv suchen und frühzeitig in die relevanten Abstimmungen eingebunden sein. Um konkrete Schritte benennen zu können, ist es jedoch notwendig, die bestehenden Entscheidungswege, bisherigen Beschlüsse und Hindernisse genau zu kennen.
Sobald diese Hintergründe transparent sind, werde ich einen strukturierten Dialog ins Leben rufen, um schnell Abhilfe zu schaffen und praktikable Lösungsvorschläge zu diskutieren. Dazu gehört für mich ausdrücklich, einen Runden Tisch mit allen beteiligten Akteuren – Land, Autobahn GmbH, LBM und den Nachbarkommunen – zu initiieren, um sicherzustellen, dass Budenheim gehört wird und kurzfristige Lösungen gemeinsam entwickelt werden können.
Journal LOKAL: Die finanzielle Situation der Gemeinde gilt als angespannt, der Haushalt für 2026 ist bislang nicht beraten. Parallel dazu stehen größere Investitionsvorhaben im Raum.
Nach welchen Kriterien wollen Sie künftig Prioritäten bei Investitionen setzen, und welche Projekte halten Sie unter den aktuellen Rahmenbedingungen für realistisch, welche eher für nachrangig? Bitte begründen Sie Ihre Einschätzung.
Annett Fritzlar: Um Prioritäten bei Investitionen verantwortungsvoll setzen zu können, brauche ich zunächst eine transparente und vollständige Übersicht über die finanzielle Ausgangslage. Dazu gehört, genau zu wissen, welche Einnahmen der Gemeinde realistisch zur Verfügung stehen und welche notwendigen Investitionen oder laufenden Bauvorhaben dem gegenüberstehen. Erst wenn diese Grundlagen klar sind, lassen sich Projekte seriös bewerten, priorisieren und zeitlich einordnen.
Mein Anspruch wäre es, auf Basis dieser Daten realistisch zu handeln und Entscheidungen zu treffen, die sowohl finanzierbar als auch langfristig sinnvoll für Budenheim sind. Nur so können wir sicherstellen, dass wichtige Vorhaben umgesetzt werden, ohne die Gemeinde finanziell zu überfordern
Journal LOKAL: In der öffentlichen Wahrnehmung gab es zuletzt Berichte über Konflikte, Vandalismus und ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, dem punktuell mit ordnungspolitischen Maßnahmen begegnet wurde.
Welche präventiven Ansätze und Angebote wollen Sie für Jugendliche in Budenheim stärken oder neu entwickeln, um Teilhabe zu fördern und Konflikten frühzeitig entgegenzuwirken?
Welche finanziellen und personellen Ressourcen halten Sie dafür im Haushalt für vertretbar?
Annett Fritzlar: Konflikte und Vandalismus zeigen, dass wir frühzeitig ansetzen müssen, bevor Probleme entstehen. Dafür möchte ich Jugendliche stärker einbeziehen, ihre Perspektiven ernst nehmen und ihnen Raum geben, sich positiv zu entwickeln. Gleichzeitig brauchen sie Orientierung und klare Rahmenbedingungen, damit sie wissen, welche Möglichkeiten sie haben und wohin sie sich wenden können. Es gab noch nie so viele Möglichkeiten wie heute und wir müssen sie ihnen aufzeigen: mit den Chancen aber auch denRisiken.
Ich halte es für sinnvoll, bestehende Angebote zu überprüfen und gezielt zu ergänzen – etwa durch sichere Aufenthaltsorte, verlässliche Ansprechpartner oder gemeinsame Projekte, die Beteiligung fördern und Konflikten vorbeugen. Finanziell und personell sollten wir dabei maßvoll, aber entschlossen vorgehen: Kleine, gut begründete Investitionen, die schnell Wirkung zeigen und langfristig Kosten für Schäden oder ordnungspolitische Maßnahmen reduzieren, halte ich für vertretbar.
Journal LOKAL: Die digitale Entwicklung der Gemeindeverwaltung wird von Bürgern unterschiedlich bewertet. Während einzelne Dienstleistungen verfügbar sind, bestehen weiterhin Defizite bei Transparenz, Zugänglichkeit und Struktur.
Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf bei der Digitalisierung der Verwaltung und welche konkreten Schritte wollen Sie in Ihrem ersten Amtsjahr angehen?
Annett Fritzlar: Der größte Handlungsbedarf liegt für mich in mehr Transparenz, einer einheitlichen digitalen Struktur und einem deutlichen Bürokratieabbau. Viele Abläufe sind für Bürger unnötig kompliziert oder nur teilweise digitalisiert – hier müssen wir konsequent ansetzen.
Es gibt bereits zahlreiche Vorzeigegemeinden, die die Digitalisierung erfolgreich umgesetzt haben. An diesen Beispielen sollten wir uns orientieren und von ihren Erfahrungen lernen, statt eigene Insellösungen zu entwickeln. Gleichzeitig stellt der Bund umfangreiche Fördermittel bereit, die wir gezielt nutzen müssen, um moderne und effiziente Verwaltungsprozesse aufzubauen.
In meinem ersten Amtsjahr möchte ich drei konkrete Schritte angehen. Erstens: Klare Bestandsaufnahme und Digitalstrategie – welche Prozesse sind digital, welche fehlen, wo entstehen unnötige bürokratische Hürden.
Zweitens: die Vereinheitlichung zentraler Dienstleistungen – zum Beispiel Anträge, Terminvergaben, Meldewesen – vollständig digital, verständlich und ohne doppelte Wege.Drittens: Transparente Kommunikation – Bürger sollen leicht erkennen können, welche digitalen Angebote existieren und wie sie funktionieren.
Mein Ziel ist eine Verwaltung, die digital, effizient und bürgerfreundlich arbeitet – und die vorhandenen Fördermittel so einsetzt, dass sie langfristig Nutzen stiften und Budenheim spürbar entlasten. Ich kann bestehende Gesetze nicht ignorieren, aber da wir eigenständig sind, sollten wir diesen Vorteil auch nutzen.
Journal LOKAL: Das Rathaus ist weiterhin nur nach vorheriger Terminvereinbarung zugänglich. Gleichzeitig gibt es wiederkehrende Beschwerden über Müllablagerungen und den Zustand öffentlicher Bereiche.
Wie wollen Sie Erreichbarkeit, Serviceorientierung und Effizienz der Verwaltung künftig austarieren, und welche konkreten Veränderungen können Bürger im Alltag erwarten?
Annett Fritzlar: Für mich ist entscheidend, dass das Rathaus wieder als offener, gut erreichbarer Anlaufpunkt wahrgenommen wird. Die Terminvereinbarung hat in einigen Bereichen Vorteile, darf aber nicht dazu führen, dass Bürger das Gefühl haben, vor verschlossenen Türen zu stehen. Ich möchte deshalb eine Mischung aus festen Öffnungszeiten ohne Termin und ergänzenden Terminangeboten einführen, damit Anliegen sowohl spontan als auch planbar erledigt werden können.
Gleichzeitig müssen wir die Serviceorientierung und Effizienz der Verwaltung stärken. Dazu gehört eine klare interne Struktur, digitale Prozesse, die wirklich funktionieren, und eine bessere Abstimmung zwischen den Bereichen damit Anliegen schneller bearbeitet werden und weniger Bürokratie entsteht.
Was den Zustand öffentlicher Bereiche betrifft: Sauberkeit ist ein Grundbedürfnis, und hier müssen wir konsequenter werden. Das bedeutet klarere Zuständigkeiten, regelmäßige Kontrollen und eine bessere Koordination zwischen Bauhof, Ordnungsamt und Verwaltung. Bürger sollen im Alltag spüren, dass Beschwerden ernst genommen werden und sichtbare Verbesserungen folgen.
Journal LOKAL: Themen wie Rheinufergestaltung, Ehrenamt, Seniorenangebote und Ortsentwicklung werden seit Jahren diskutiert.
Welches dieser Themen möchten Sie in Ihrer Amtszeit besonders vorantreiben, und welche überprüfbaren Ziele setzen Sie sich dafür?
Annett Fritzlar: Alle genannten Bereiche – Rheinufergestaltung, Ehrenamt, Seniorenangebote, Tourismus, Vereinsleben und die Einbindung aller Bürger – sind für die Entwicklung Budenheims wichtig. In meiner Amtszeit möchte ich diese Themen nicht isoliert betrachten, sondern miteinander verknüpfen und gezielt vorantreiben.
Besonders wichtig ist mir, dass wir alle Bürgergruppen aktiv einbeziehen: Senioren, Familien, Jugendliche, Vereine, Ehrenamtliche und auch Besucher unserer Gemeinde. Nur wenn wir ihre Bedürfnisse kennen, können wir Projekte entwickeln, die wirklich tragen.
Für meine Amtszeit setze ich mir folgende überprüfbare Ziele:
• Rheinufergestaltung voranbringen: Ein klarer Plan mit Zeitachse, Bürgerbeteiligung und ersten sichtbaren Umsetzungsschritten.
• Seniorenangebote stärken: Ausbau von Begegnungs- und Unterstützungsangeboten sowie bessere Vernetzung bestehender Initiativen.
• Ehrenamt und Vereine fördern: Einrichtung eines festen Ansprechpartners und eines transparenten Förderrahmens, um Engagement zu erleichtern.
• Tourismus und Aufenthaltsqualität verbessern: Ein wichtiger Schritt wäre für mich, den Tourismus strukturiert zu organisieren – etwa durch die Einführung eines Tourismusbeauftragten oder durch eine engere Zusammenarbeit mit überregionalen Tourismusverbänden. Dazu zählen zum Beispiel Radfahrerverbände, Rheinschifffahrt, der Jakobsweg, regionale Wander- und Naturtourismusnetzwerke oder Anbieter von Bildungsurlauben. Viele Gemeinden profitieren bereits davon, sich in solche Strukturen einzubinden.
Journal LOKAL: Wie kann die Verwaltung unter Ihrer Führung ehrenamtliches Engagement unterstützen, auch vor dem Hintergrund begrenzter finanzieller Spielräume?
Annett Fritzlar: Ehrenamtliches Engagement ist für Budenheim unverzichtbar – gerade in Zeiten begrenzter finanzieller Spielräume. Unter meiner Führung soll die Verwaltung deshalb vor allem organisatorisch, strukturell und kommunikativ unterstützen, auch wenn die finanziellen Möglichkeiten begrenzt sind. Um konkrete Aussagen treffen zu können, muss ich auch in dem Bereich Ehrenamt wissen, wo der Schuh drückt und was die Finanzsituation hergibt.
Aber gerade auch bei Ehrenamt geht es nicht immer um Geld. Hier sind oft die „helfenden Hände“ viel wichtiger, um Gemeinschaft zu stärken und gemeinsam Ziele zu erreichen. Hier sehe ich auch Entfaltungs- und Entwicklungspotential für Teenager. Wir haben so viele Möglichkeiten wie noch nie. Lasst sie uns ergreifen und die Chancen nutzen, um die Zukunft zu gestalten. Es liegt in unserer Hand. Packen wir es an. Glück auf!
Journal LOKAL: Vielen Dank für das Gespräch.
Die Fragen stellte: Gregor Starosczyk-Gerlach
























