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Die Stadtwerke setzen künftig auf E-Busse Zu Testzwecken fährt diese Woche ein Fahrzeug durch das Stadtgebiet von Rüsselsheim

Hans-Peter Scheerer (Geschäftsführer Stadtwerke Rüsselsheim), Michael Niere (Geschäftsführer Kommunalservice Rüsselsheim/stellvertretender Bereichsleiter des Verkehrsbetriebs) und Matthias Jensen (Fahrdienstleiter) an dem Testfahrzeug - Foto: Stadtwerke/Dennis Möbus

RÜSSELSHEIM – Die Stadtwerke Rüsselsheim haben die Weichen gestellt: Sie werden ihre gesamte Busflotte nach und nach elektrifizieren. Die ersten batteriebetriebene Linienbusse sollen Ende 2025 auf den Betriebshof rollen. Bis 2037 soll die Umstellung abgeschlossen sein. „Damit wird die Luft in Rüsselsheim sauberer und wir tun etwas gegen den Klimawandel, denn die Busse können mit Ökostrom fahren“, betont Geschäftsführer Hans-Peter Scheerer. Ein weiterer Vorteil: E-Busse fahren leiser.

„Wir kommen mit der Umstellung auf E-Busse auch den gesetzlichen Anforderungen nach“, unterstreicht Scheerer und verweist auf die Vorgaben der EU, die über das Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz ins deutsche Recht umgesetzt wurden. Von den Bussen, die von 2023 bis zum 31.12.2025 für den ÖPNV neu angeschafft werden, müssen mindestens 45 Prozent mit alternativen Treibstoffen betrieben werden. Von 2026 bis zum 31.12.2030 erhöht sich der Anteil für die neuen Busse mit alternativen Treibstoffen sogar auf 65 Prozent, mindestens die Hälfte der neu angeschafften Busse muss emissionsfrei fahren.

Die Stadtwerke haben eine Machbarkeits- und Umsetzungsstudie beauftragt, welche Antriebsart empfehlenswert ist. Das Gutachten bezieht sich auf die Rüsselsheimer Gegebenheiten – die Infrastruktur inklusive eigener Werkstatt, die Topografie, dazu Betriebsdaten wie Linienverlauf, Haltestellenabstände und Fahrtdauer. Ergebnis: „Die E-Busse machen aus wirtschaftlichen Gründen gegenüber einer mit Wasserstoff betriebenen Brennstoffzelle klar das Rennen“, berichtet Michael Niere, der stellvertretende Leiter des Verkehrsbetriebs der Stadtwerke Rüsselsheim, die im Auftrag der Stadt Rüsselsheim den Öffentlichen Personennahverkehr im Stadtgebiet bedienen.

Die Stadtwerke gehen von jährlichen Mehrausgaben von 800.000 Euro aus, die die Umstellung auf E-Busse kosten wird. Dazu muss auch die erforderliche Infrastruktur fürs Laden geschaffen werden. Die Stadtwerke werden Fördermittel beantragen, doch in der Vergangenheit waren diese oftmals überzeichnet, erklärt Michael Niere. Bei der Förderung von Elektrobussen werden bis zu 80 Prozent der Mehrkosten gegenüber Dieselbussen erstattet. Aktuell kostet ein E-Gelenkbus 750.000 Euro gegenüber 400.000 Euro für ein Dieselfahrzeug. „Wir werden im Sommer die ersten E-Busse ausschreiben und gehen von einer Lieferzeit von 1,5 Jahren aus.“

Einen Vorgeschmack auf die E-Busse bekommen die Fahrer der Stadtwerke wie auch die Fahrgäste von Dienstag, 24. Juli, an. Bis zum kommenden Sonntag fährt ein E-Bus Marke MAN Typ „Lion’s City E“ auf dem normalen Linienbetrieb. Äußerlich ist das Fahrzeug mit dem Kennzeichen „M-AN 4568“ auf den ersten Blick nicht von einem üblichen Bus zu unterscheiden, auch für die Fahrer wird sich kaum etwas ändern.  Fahrbetriebsleiter Matthias Jensen: „Wir möchten dennoch wissen, welche Erfahrungen die Busfahrer damit sammeln.“

Die Stadtwerke setzen schon seit 2019 auf die Elektro-Light-Variante: Damals wurden die ersten Hybridbusse in Dienst genommen, die dank eines Elektromotors mit bis zu 10 Prozent weniger Kraftstoff auskommen als herkömmliche Dieselbusse. Die beiden letzten Erdgas-Gelenkbusse werden nach rund elf Jahren Ende 2023 turnusgemäß außer Betrieb genommen und durch zwei Diesel-Hybridbusse ersetzt, die die Energie, die beim Bremsen entsteht, in Antriebsenergie umwandeln.

Die Umstellung auf Hybrid- und E-Busse bedeutet das Ende für die Erdgas-Tankstelle, die 1996 für den Bus-Fuhrpark errichtet und dadurch auch der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt wurde. Doch der wirtschaftliche, personelle und zeitliche Aufwand für einen Weiterbetrieb wie auch die Investitionen zum Erhalt sind zu hoch. „Wir waren damals mit diesem umweltfreundlichen Antrieb ziemlich weit vorne, doch Erdgas hat sich nicht wirklich durchgesetzt und befindet sich zunehmend auf dem Rückzug“, weiß Hans-Peter Scheerer.

Wenn die Erdgastankstelle in Rüsselsheim schließt, müssen die Kunden stattdessen nach Wiesbaden, Pfungstadt, Frankfurt oder Dreieich ausweichen. Auch wenn die Stadtwerke für ihre Busse ab Januar 2024 die Tankstelle nicht mehr benötigen, steht sie noch bis 1. Juli 2024 für die Öffentlichkeit zur Verfügung. Stadtwerke-Chef Scheerer erklärt: „Damit wollen wir den Besitzern von Erdgasfahrzeugen eine lange Übergangszeit bieten und die Möglichkeit geben, sich auch zu entscheiden, ihr Fahrzeug zu verkaufen.“

Jürgen Gelis
Stadtwerke Rüsselsheim