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„Diese Technologie wird uns nie mehr verlassen“ Innovationspolitik >>>Nieder-Olm diskutierte über KI als Zukunftsfrage für Mittelstand und Kommune

In der Diskussionsrunde tauschten sich Daniel Nummer, Moderatorin Marina Nedvidek-Sachs, Daniela Schmitt, Stefan Kramer und Dirk Hasenfuß (v.l.n.r.) über die Herausforderungen der KI in lokalen Unternehmen aus. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

NIEDER-OLM – Künstliche Intelligenz ist längst kein Thema mehr, das nur große Technologiekonzerne oder internationale Forschungslabore betrifft. Welche Bedeutung sie für mittelständische Unternehmen und die kommunale Ebene haben kann, stand vor Kurzem im Mittelpunkt der Veranstaltung „Heimat und Hightech“ in Nieder-Olm. In der Ludwig-Eckes-Festhalle kamen Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Praxis zusammen, um über Chancen, Hürden und konkrete Einsatzmöglichkeiten zu sprechen. Eingeladen hatte die Stadt Nieder-Olm gemeinsam mit Kooperationspartnern, darunter ein in der Stadt ansässiger Anbieter datensicherer KI-Lösungen als Mitinitiator.

Im Einführungsteil der Tagung, die sich mit KI-Lösungen für den regionalen Mittelstand beschäftigte, skizzierte der Professor der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Stefan Kramer, die Entwicklung der künstlichen Intelligenz seit der Mitte der 1950er Jahre. Zugleich schaute Kramer, der auch KI-Lotse ist, kritisch auf die gegenwärtige Technologiedynamik. Künstliche Intelligenz solle nicht isoliert, sondern entlang der gesamten Innovationskette betrachtet werden: von der Grundlagenforschung bis zur konkreten Anwendung. Der Wissenschaftler plädierte für einen nüchternen Umgang und warnte davor, bewährte ingenieurwissenschaftliche Prinzipien vorschnell über Bord zu werfen. Technologieoffenheit ja, aber mit einem realistischen Blick auf Maschinendaten und Programmierung. Für Unternehmen brauche es passgenaue Unterstützungsangebote, etwa Beratung, duale Studiengänge, Zertifikate und mehr Hilfe zur Selbsthilfe.

Die Herausforderung einer sinnvollen KI-Nutzung im Kontext eines verantwortungsvollen Umgangs mit ihr zog sich wie ein Leitgedanke durch die Beiträge. Daniel Nummer von Predicta|me aus Nieder-Olm stellte eine lokale KI-Lösung vor, bei der die Datenhoheit im Unternehmen bleibt und die mit europäischen Datenschutzvorgaben vereinbar ist. Die Dynamik der KI-Entwicklung sei für viele Unternehmen neu. Angesichts von Fachkräftemangel, steigendem Wettbewerbsdruck und knappen personellen Ressourcen könne KI zwar helfen, Prozesse effizienter zu gestalten, Analysen zu beschleunigen und die Kundenkommunikation besser zu organisieren. Problematisch werde es dort, wo Mitarbeiter unbedacht mit frei zugänglichen Anwendungen arbeiteten und dabei sensible Unternehmensdaten, Kundendaten oder internes Wissen in offene Systeme eingäben. Entscheidend sei jedenfalls, Beschäftigte beim Einsatz von KI mitzunehmen und Anwendungen so auszuwählen, dass sie datenschutzkonform, kontrollierbar und mit kalkulierbarer Kostenstruktur nutzbar seien.

In einer Gesprächsrunde richtete die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt (FDP) den Blick auf die Lage des Mittelstands. Um ihn im ländlichen Raum zukunftsfähig zu machen, müssten Wirtschaft und Wissenschaft enger zusammenarbeiten. Es brauche gezielte Förderung, aber auch einen einfacheren Transfer neuer Technologien in die betriebliche Praxis. Zugleich sprach Schmitt die Bürokratie an. Nötig seien mehr Mut zur Vereinfachung, mehr Digitalisierung und ein weniger misstrauischer Blick auf Unternehmen.

Aus kommunaler Sicht griff der Bürgermeister von Nieder-Olm, Dirk Hasenfuß (FWG), den Gedanken auf, dass KI zwar Prozesse unterstützen könne, der persönliche Kontakt zu den Bürgern aber nicht zu ersetzen sei. Bürgerfreundlichkeit, Empathie und direkte Ansprache blieben Aufgaben, die nicht an Systeme delegiert werden könnten. Zugleich warb er dafür, digitale Lösungen nicht isoliert zu denken. Die Tagung zeigte schließlich, dass bei rechtlichen Vorgaben, Verwaltungsfragen und technischen Standards eine stärkere regionale Zusammenarbeit vonnöten ist, um tragfähige und rechtssichere Lösungen zu entwickeln.

Gregor Starosczyk-Gerlach