Start Kultur Von Steinschmatzer und Segelfliegern Rundgang >>>„Best of Mainz“ und Betreibergesellschaft Finther Flugplatz...

Von Steinschmatzer und Segelfliegern Rundgang >>>„Best of Mainz“ und Betreibergesellschaft Finther Flugplatz laden regelmäßig zu spannenden Führungen über das ehemalige Airfield ein

Stefanie Jung von „Best of Mainz“ und Frank Schmidt von der Flugplatzbetreibergesellschaft in orangefarbener Weste kennen die Geschichte des Layenhofs genau. Foto: kga

FINTHEN – Offenporiges Lavagestein schaut zwischen Trockengräsern hervor, außerdem liegen überall die Hinterlassenschaften von Schafen und ein großer Steinhaufen scheint, als habe man vergessen ihn wegzuräumen.  Ein Segelflugzeug liegt im Gras und wartet auf seinen Piloten. Eine Führung der besonderen Art gab es zum Frühlingsanfang auf dem Finther Flugplatz am Layenhof. Etwa 25 Teilnehmer waren gekommen, um an dem zweistündigen Spaziergang über das Rollfeld und durch die Natur teilzunehmen, den Stefanie Jung von der Stadtführer-Agentur „Best of Mainz“ und Frank Schmidt von der Betreibergesellschaft des Flugplatzes Mainz-Finthen vor drei Jahren erstmals auf die Beine gestellt haben und seither zehn bis zwölf Mal im Jahr anbieten. Die Idee dazu hatte Schmidt, und so wurden er und Jung zu den selbsternannten „Türöffnern zu Bereichen des Flugplatzes, die sonst keiner kennt“.

Erst als alle die ihnen gereichten gelben Warnwesten angezogen hatten, setzte sich die Gruppe in Bewegung. Immerhin ging es direkt auf das Vorfeld und weiter entlang der Start- und Landebahn für Motorflieger und ein Stück über die Rasenpiste der Segler bis hinüber an die Grenze des Ober-Olmer Waldes. Dorthin, wo einst ein landwirtschaftlicher Betrieb – der Layenhof – sein Domizil hatte. Schmidt gab Auskunft über die Zahlen: 1000 Meter lang sei die Start- und Landebahn, es gebe 25.000 Flugbewegungen im Jahr, der Tower sei ständig besetzt, auch weil der Flugplatz vor den Toren von Mainz durchaus auch am Abend angeflogen werde. Etwa von Organtransportern, die ihre Fracht vor Ort an die Rettungshubschrauber übergeben, die die Kliniken anfliegen. Der Flugplatz ist eben nicht nur für die Sportflieger da. Er hat auch eine Bedeutung für die regionale Wirtschaft, weil er auch ein Lande- und Startplatz für Verkehrsflieger, für Polizei und Bundesgrenzschutz, für Politiker oder für Gäste des ZDF ist, zählte Schmidt auf.

In Nachbarschaft zu den Oldtimern im Hangar gab es zum Abschluss ein Piffchen Rosé. Fotos: kga

Dass das große Areal noch bis etwa 1939 ein Wald war, erstaunte manchen Teilnehmer. Die Nationalsozialisten ließen alles roden, um aus dem Gebiet einen Nachtjägerstandort zu machen, auf dem Strafgefangene arbeiten mussten. Später wurde der Flugplatz Standort der französischen und der US-Luftwaffe, ehe alles 1992 an Deutschland zurückgegeben wurde.. Beeindruckend sind die Flora und Fauna, betonten Jung und Schmidt auf dem Rundgang. Zum Besuch von Papst Johannes Paul II. in Mainz mit Messe auf dem Airfield im November 1980 hatte man Hunderttausende Pilger erwartet, weshalb Unmengen von Lavagestein aus der Eifel herangefahren wurde, damit im Falle eines Regens die Menschen nicht im Schlamm versinken. Die Lava hatte den Effekt, dass heute auf dem entstandenen Trockenboden seltene Pflanzen gedeihen. Und auch seltene Insekten und Vögel wie etwa der Steinschmatzer, der in großen Steinhaufen wohnt, haben hier eine ungestörte Heimat gefunden.

„Über 80 Prozent des Finther Flugplatzes sind heute Naturschutzgebiet, in dem auch der Nabu regelmäßig Führungen macht“, erklärte Schmidt. Und Jung deutete auf den Boden und beantwortete die Frage nach den Schafen, die mit ihrem Schäfer über die Flächen ziehen. Zum Abschluss durften alle noch einmal einen Blick über die Schulter der Männer im Tower werfen, dann wurde im Hangar zwischen den Motorfliegern mit einem „Piffchen“ zum Abschied angestoßen.

kga