Start Gesellschaft Erinnerungsort am ehemaligen Güterbahnhof Bauarbeiten für den Gedenkort Deportationsrampe gestartet

Erinnerungsort am ehemaligen Güterbahnhof Bauarbeiten für den Gedenkort Deportationsrampe gestartet

Auf dem Gelände des ehemaligen Mainzer Güterbahnhofs wird Mainz einen Gedenkort schaffen, der an die Massendeportationen während der NS-Zeit von diesem historischen Ort aus erinnert. Bildrechte: Entwurf Gedenkort Deportationsrampe © Atelier Schmelzer Weber und Prof. Andreas Theurer

HAMÜ – Am ehemaligen Mainzer Güterbahnhof entsteht ein Gedenkort zur Erinnerung an die NS-Deportationen. Der neue Gedenkort rückt ein wichtiges Kapitel Mainzer Geschichte in den Fokus. Das Mahnmal soll diese Verbrechen dauerhaft im Bewusstsein verankern, teilt die Stadt Mainz mit.

Zum aktuellen Fortgang beim Bau der Gedenkstätte informiert die Stadt, dass in Kürze die Tiefbauarbeiten beginnen: Die Container seien installiert, die Bauzäune stehen. Auch die Verkehrsführung sei inzwischen angepasst worden.

Ab 1942 wurden vom ehemaligen Mainzer Güterbahnhof aus Menschen mit jüdischen Wurzeln aus Mainz und der Region in Konzentrations- und Vernichtungslager verschleppt. Zur sichtbaren Erinnerung an die deportierten Mainzer Sinti, Jüdinnen und Juden werden ihre Namen in Zinn-Bronze-Buchstaben an die Wand angebracht. Ein Spiegel aus Edelstahl soll mit Zitaten aus Postkarten von Mainzer Bürgern und Bürgerinnen versehen werden, die nach Piaski verschleppt wurden.

Während der Zeit des Nationalsozialismus war die Kleinstadt in Ostpolen ein Zielort für Deportationen von Jüdinnen und Juden aus Deutschland, auch aus Mainz. Im Jahr 1942 wurde in Piaski ein Ghetto eingerichtet. Es diente sowohl als Zwischenstation für weitere Transporte in Vernichtungslager wie Sobibór oder Belzec als auch selbst als Ort schwerster Lebensbedingungen, an denen viele starben. Der erste dokumentierte Transport vom Güterbahnhof aus erfolgte am 20. März 1942 in das Ghetto Piaski. Zuvor, bereits im Mai 1940, wurden die etwa 100 in Mainz lebenden Sinti in das besetzte Polen deportiert. Weitere Massendeportationen folgten, darunter auch die Deportation von 883 Personen nach Treblinka am 30. September 1942. Insgesamt wurden bis zum Ende des Krieges 1131 Mainzer Jüdinnen und Juden deportiert.

Detailansicht des Gedenkorts.
Bildrechte: Entwurf Gedenkort Deportationsrampe © Atelier Schmelzer Weber und Prof. Andreas Theurer

Um das historische Erbe des Ortes zu bewahren, beabsichtigt die Stadt, die historischen Mauersegmente in das Fundament einzulassen. Durch bestimmte Gestaltungselemente soll der Gedenkort zu einem Ort des Nachdenkens und der Besinnung werden, so das Konzept. Dazu zählen Grünflächen, die gestaltet werden, und menschliche Schatten, die dauerhaft in den Granit eingebettet werden sollen. Die Fertigstellung ist bis Anfang 2026 geplant.

Die Landeshauptstadt Mainz übernimmt den Bau auf dem Gelände, das das Mobilitätsunternehmen, die Vlexx GmbH, zur Verfügung stellte. Die städtische Mitteilung hebt hervor, dass das in Mainz ansässige Unternehmen das Projekt uneingeschränkt unterstütze.

red