Start Gesellschaft Farbenfroher Flügelschlag auf dem Sebastian-Münster-Platz Ein kreatives Miteinander für Vielfalt und Demokratie

Farbenfroher Flügelschlag auf dem Sebastian-Münster-Platz Ein kreatives Miteinander für Vielfalt und Demokratie

Aktion „Flügelschlag“ beim Besuch Barak Obamas Schwester, Auma Obama, in Ingelheim. Foto: Gregor Starosczyk-Gelach

INGELHEIM – Solche bunten Auftritte erlebte Ingelheim schon öfters: Als die Schwester des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama, Dr. Auma Obama, in der Rotweinstadt bei der Bundeskonferenz der Kommunalen Entwicklung vorbeischaute, beim Fest der Inklusion, zum Demokratietag Rheinland-Pfalz mit Schülern oder zuletzt beim Flashmob „Flügelschlag“ auf dem Sebastian-Münster-Platz. Jedes Mal sorgten die bunten Flatterbänder der Initiative der Schauspielerin Pirkko Cremer für unerwartete Bewegung und Farbe und zogen die Aufmerksamkeit der Passanten auf sich.

Mit der Aktion „Flügelschlag“ zauberten bunt geschmückte Regenschirme Farbe in die Ingelheimer Neue Mitte.
Foto: Ulrich Nilles

Die Performance begann fast unmerklich: Einzelne, mit farbenfrohen Bändern geschmückte Regenschirme schoben sich zögerlich aus den Ecken des Platzes in die Mitte und verschwanden wieder. Bald tauchten sie in kleinen Gruppen auf, dann in immer größeren Formationen. Über den grauen Pflastersteinen kreuzten die Schirme den Platz und ließen die Bänder in der Luft tanzen. Schließlich kamen alle 25 Tänzer und Tänzerinnen zusammen, bewegten sich ein Stück die Bahnhofstraße entlang, bevor sie erneut zur Platzmitte strömten und dort für einige letzte „Flügelschläge“ innehielten.

Am Vortag traf sich die Gruppe im Mehrgenerationenhaus (MGH) von Ingelheim, um die Choreografie für den nächsten Tag zu üben. Sie befestigten bunte, zwei Meter lange Kreppbänder an mitgebrachten oder gespendeten Regenschirmen. Unter Anleitung von Cremer lernten sich die interkulturelle, überwiegend aus Frauen und Kindern bestehende Gruppe kennen. Sie setzte sich zusammen aus Teilnehmenden des MGH, des Frauen-Treffs, der Initiative „InRage“ und interessierten Privatpersonen – darunter Menschen aus Südamerika, Südeuropa, der Türkei, Syrien, Afghanistan und dem Iran.

Vor der Aktion im Oktober schmückten die Teilnehmenden Regenschirme mit Kreppbändern.
Foto: Mehrgenerationenhaus Ingelheim
Foto: MGH

„Genau das ist es, was ich mit der Aktion ‚Flügelschlag‘ verwirklichen möchte“, erklärte Cremer. „Das Zusammentreffen unterschiedlicher Menschen, den Austausch, das kreative Miteinander.“ Die Gründerin von „La Compagnie Pirkko“ erläuterte: „Die Buntheit soll für die Dauer eines Flügelschlags Farbe in den grauen Alltag bringen und steht für die Vielfalt in unserer Gesellschaft.“ Die Schirme seien ein Symbol für die Demokratie, die sowohl einzelnen als auch vielen Schutz bietet. Die tanzenden Bänder vermitteln ein Gefühl der Freiheit.

Die Aktion begann während der Corona-Pandemie, als Cremer mit ihrem bunten Schirm durch die leeren Straßen des hessischen Rodgaus spazierte. Über Social Media wurden die Stadt und die dort ansässige Freie Musikschule auf die einsame Spaziergängerin aufmerksam, und „Flügelschlag“ begann seine Reise: Zuerst in Rodgau, dann entlang des 50. Breitengrads nach Ingelheim. Dort fand Cremer in dem Verein „kunstkulturlabor“ einen Partner, der ihre Vision teilte. Gemeinsam mit dessen Vorsitzendem Tobias Boos führte La Compagnie Pirkko mehrere Veranstaltungen in der Rotweinstadt durch.

Nach der Veranstaltung werden die Regenschirme an verschiedenen Orten in Ingelheim ausgestellt, um die Kernanliegen – Gemeinsamkeit, Vielfalt und Teilhabe – nachhaltig präsent zu halten.