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„Heute ist ein guter Tag, um die Welt zu retten“ Wie sich die VG Bodenheim im Klimawandel zukunftsfähig aufstellt

Die Grundschule Gau-Bischofsheim profitierte von gleich zwei Förderungen bei den PV-Anlagen samt Batteriespeicher. Foto: Markus Forschner

BODENHEIM  „Die Klimakrise ist aktuell die größte Bedrohung für unsere Welt. Wollen wir die Lebensgrundlagen unserer Kinder bewahren, muss die Energieversorgung sehr bald ausschließlich auf erneuerbaren Energien fußen.“ Mit diesen Worten eröffnete Professor Dr. Volker Quaschning, renommierter Experte für Klimaschutz und Professor für regenerative Energiesysteme an der HTW Berlin, seinen Vortrag im voll besetzten Sitzungssaal des Rathauses der Verbandsgemeinde (VG) Bodenheim. Mehr als 150 Interessierte waren der Einladung gefolgt. Quaschning ließ keinen Zweifel daran, wie dringend gehandelt werden müsse: „Heute ist ein guter Tag, um die Welt zu retten!“

Klimawandel spürbar in Rheinhessen

„Unser Klima verändert sich schnell und deutlich spürbar“, betont Bürgermeister Dr. Robert Scheurer im Gespräch, „Landwirte, Winzer, unsere ganze Natur muss zunehmend mit den Folgen kämpfen. Starkregen, Hitzewellen, invasive Arten im Tier- und Pflanzenreich – wir alle sind davon betroffen.“ Frühzeitig habe die VG darum auf erneuerbare Energien gesetzt. Mit einem umfassenden Klimaschutzkonzept und der seit 2016 bestehenden Stelle des Klimaschutzmanagers Markus Forschner war und ist die VG bei vielen Projekten Vorreiterin in Rheinhessen.

Rathaus-Chef Dr. Robert Scheurer (re.) stellt den Klimaschutzexperten Prof. Dr. Volker Quaschning vor. Foto: Sabine Longerich

Pionierarbeit seit 2016

Forschner erinnert sich an erste große Projekte in seiner Funktion als Klimaschutzmanager: „2016 wurde in der Carl-Zuckmayer-Halle in Nackenheim die erste intelligente Gebäudeleittechnik (GLT) mit Energiemonitoring installiert – ein Vorzeigeprojekt, das ich auf Einladung der EU sogar in Rumänien vorstellen durfte. Inzwischen steuert die GLT alle VG-Gebäude zentral. 2017 folgten Ladestationen für E-Fahrzeuge, eine Pelletheizung in der Grundschule Lörzweiler und, schon vor Ukraine-Krieg und Corona-Pandemie, die frühzeitige Planung klimaneutraler Gebäudebewirtschaftung, unter anderem für die Hohberghalle in Lörzweiler.“ Mit der Installation moderner Lüftungsanlagen in allen fünf Grundschulen – auch schon vor der Pandemie geplant – habe die Verwaltung ebenfalls vorausschauend gehandelt.

Ab 2021 folgten unter anderem 16 Schnellladestationen in den Ortsgemeinden sowie Wallboxen für elektrische Dienstfahrzeuge am VG-Rathaus. Neu hinzugekommen ist ein E-Carsharing-Angebot, das zunehmend genutzt wird. Die VG hat inzwischen mit Unterstützung des rheinland-pfälzischen Investitionsprogramms KIPKI sämtliche Grundschulen mit Photovoltaik-Anlagen und Batteriespeichern ausgestattet – teils inklusive energetischer Dachsanierung. Scheurer ergänzt: „Auch die Ortsgemeineden profitieren von der KIPKI-Förderung, denn wir reichen diese teilweise an sie weiter.“

Auch das VG-Rathaus in Bodenheim sowie die Außenstelle in Nackenheim profitierten von der umfassenden Modernisierung und Förderung. Die VG Bodenheim ist, um Förderungen und Synergien zu nutzen, sowohl Mitglied bei der Energiedienstleistungsgesellschaft Rheinhessen-Nahe (EDG) als auch bei der Rhein-Strom-Energiegenossenschaft.

Kommunale Wärmeplanung und noch mehr Bürgerbeteiligung

Aktuell und für die kommenden Jahre stehen weitere Meilensteine an, denn der Klimawandel ist in vollem Gange. „Sehr wichtig ist die kommunale Wärmeplanung, die wir kürzlich gestartet haben“, sagt Forschner. Die zweite Bürgerinformationsveranstaltung dazu fand im August statt. Zudem sei die Einstellung eines Klimaanpassungsmanagers für 2026 geplant, damit die Umsetzung klimaschützender Maßnahmen weiter forciert wird.

Klimaschutzmanager Markus Forschner (li.) und Dr. Robert Scheurer sind in engem Austausch.
Foto: Sabine Longerich

Wesentlich ist für beide Interviewpartner die enge Einbindung der Bevölkerung, denn letztendlich müsse jeder Einzelne aktiv mithelfen, die Klimakrise zu minimieren. „Mit der „Energiekarawane“ haben wir 2022/2023 in wenigen Monaten 110 Beratungen für 188 Wohnungen durchgeführt“, berichtet Forschner. Noch stärker nachgefragt war dann die „Wärmebildkarawane“, bei der über 100 Gebäude auf ihre energetischen Schwachstellen hin untersucht wurden. 

Forschner resümiert: „Die Resonanz zeigt: Die Menschen wollen wissen, wie sie sich selbst einbringen können. Und meist reichen erste einfache Schritte, die gar nicht teuer sind. Das ist vielen gar nicht klar.“ Der Klimaschutzmanager steht als erster Ansprechpartner für alle Fragen und Belange der Bürger in Sachen energetische Maßnahmen zur Verfügung.

Der Bürgermeister ergänzt: „Wir informieren über alle Medien und Kanäle, vor allem aber im persönlichen Gespräch. So war der Vortrag von Professor Quaschning nur der Auftakt zu einer neuen Veranstaltungsreihe, die künftig regelmäßig stattfinden soll. Mir ist wichtig, dass die Menschen uns ihre Fragen stellen können und Antworten von uns erhalten. 

Ausblick bis Oktober 2026

Bis zum Ende seiner Amtszeit im Oktober 2026 hat sich der Bürgermeister noch einiges vorgenommen. Dazu gehören die Erweiterung des VG-Rathauses, das neue gemeinsame Gerätehaus für die Feuerwehren in Gau-Bischofsheim und Harxheimsowie die schnelle Realisierung des Lehrschwimmbades in Nackenheim.

„Es ist mir ein großes Anliegen, dass unsere Grundschüler bald alle sicher schwimmen können“, betont Scheurer. Sein persönliches Motto lautet übrigens bei allen Vorhaben: „Das Unmögliche probieren und sich nicht mit einem ‚geht nicht‘ abspeisen lassen.“ Die Verbandsgemeinde Bodenheim zeigt mit ihren Projekten, dass sie die Risiken der Klimakrise ernst nimmt – und aktiv daran arbeitet, die Energieversorgung vor Ort nachhaltig, bürgernah und zukunftsfähig zu gestalten.