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In Sachen Kinderbetreuung gibt es viel zu tun Bretzenheimer Gespräche: Ortsvorsteherin Claudia Siebner diskutierte mit Regine Schuster vom Paritätischen.

Regine Schuster und Claudia Siebner (von links) diskutierten über das Thema „Herausforderung Kinderbetreuung“. Foto: Oliver Gehrig  

BRETZENHEIM – In Sachen Kinderbetreuung gibt es noch viel zu tun, damit die geltenden Rechtsansprüche wirklich erfüllt werden können. Das ist das Fazit der zweiten Diskussion in der Reihe „Bretzenheimer Gespräche“, zu der Ortsvorsteherin Claudia Siebner (CDU) im Saal der Lebenshilfe Regine Schuster, stellvertretende Landesgeschäftsführerin des Paritätischen, empfing. Es entwickelte sich eine fundierte und inhaltsreiche Diskussion.

Seit August 2013 gibt es umfassende Rechtsansprüche für Kinder ab dem ersten Lebensjahr in Sachen Kinderbetreuung, sagte Ortsvorsteherin Siebner einleitend. Dennoch fehlten zurzeit in Rheinland-Pfalz rund 26.500 Kitaplätze. In Mainz seien rund 300 Kinder ohne Kitaplatz, es fehlten rund 120 Vollzeitstellen in den Kitas. „Eltern bekommen keine Betreuungsplätze und Fachkräfte sind am Limit, das sind die Rahmenbedingungen“, erläuterte Siebner. „Die Rahmenbedingungen sind nicht leicht“, bekräftigte Schuster. 24 Träger seien beim Paritätischen in Mainz tätig. „Was alle eint, ist das Thema Fachkräfte, die fehlen.“ Die Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher seien in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen. Dokumentationen und die Erfassung von Statistiken machten einen erheblichen Teil des Kitaalltags aus. „Es ist für die Erzieherinnen nicht leicht, damit umzugehen, wir stecken permanent im Krisenmodus.“

Claudia Siebner stellte heraus, dass es in Bretzenheim Kitaeinrichtungen mit acht Gruppen gibt, etwa am Südring und in Zahlbach. Das seien Zustände wie in einer Grundschule. „Das ist nur noch ein Arrangement des Alltags und hat mit familienähnlichen Strukturen nichts mehr zu tun“, bekräftigte Schuster. Eine Lösung könnte sein, runter von den Ansprüchen zu kommen, nicht mehr nur hoch qualifizierte Erzieherinnen, aber gutes Personal einzustellen und nicht alles bis ins Letzte zu dokumentieren. Claudia Siebner forderte eine bessere Bezahlung der Fachkräfte, was alleine aber nicht ausreiche. Wichtig seien auch ein gutes Betriebsklima, eine höhere Wertschätzung und bessere Entfaltungsmöglichkeiten.

Bretzenheim sei mit drei Elterninitiativen gut aufgestellt, teilte die Ortsvorsteherin weiter mit. „Die Elterninitiativen leisten einen enormen Beitrag und brauchen eine höhere Wertschätzung“, bekräftigte Regine Schuster. Auf Ebene der Finanzierung gebe es in Rheinland-Pfalz eine große Unsicherheit, so Claudia Siebner weiter. „Wir haben in Rheinland-Pfalz einen Flickenteppich“, bekräftigte Regine Schuster.

In der anschließenden Diskussionsrunde kritisierte eine junge Frau die fehlende Anerkennung für die Berufsgruppe der Erzieherinnen und Erzieher in der Gesellschaft. Eine junge Mutter wünscht sich mehr Austausch zum Thema Kinderbetreuung. „Die junge Generation Mütter braucht diese Chance“, bekräftigte Claudia Siebner.

 

Autor: Oliver Gehrig