Start Kultur Kunstwerk erinnert an die Verfolgung Wohnungsloser in der NS-Zeit Bildhauer Konrad Franz...

Kunstwerk erinnert an die Verfolgung Wohnungsloser in der NS-Zeit Bildhauer Konrad Franz gewinnt künstlerischen Ideenwettbewerb

Sozialmediziner Gerhard Trabert (Mitte) hält ein Plakat mit dem preisgekrönten Entwurf, Künstler Konrad Franz (Links) und Dr. Stephan Fliedner, Leiter des städtischen Amts für Kultur und Bibliotheken (rechts) unterstützen das Projekt. Foto: Claudia Röhrich

MAINZ – Eine Skulptur soll in Mainz an verfolgte Wohnungslose der NS-Zeit erinnern. Gerhard Trabert vom Verein „Armut und Gesundheit in Deutschland stellte gemeinsam mit Vertretern der Stadt den Gewinnerentwurf für die Gedenk-Skulptur vor. Der Verein, dessen Vorsitz Trabert innehat, initiierte den Ideenwettbewerb für das Denkmal. Die Skulptur erinnert an Menschen, die während der NS-Diktatur als „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“ stigmatisiert und oft zwangssterilisiert wurden, hieß es anlässlich der Präsentation.

„Das Leid dieser Menschen wurde lange übersehen“, erklärte Trabert. Der Gewinnerentwurf mit dem Titel „Diffamiert“ stammt vom Bildhauer Konrad Franz aus Aschaffenburg. Aus 29 eingereichten Bewerbungen wurde sein Entwurf einstimmig ausgewählt. Die Skulptur zeigt eine abstrahierte, lebensgroße Figurengruppe, die zusammengekauert auf dem Boden hockt.

Trabert betonte, dass Franz bereits intensiv mit der künstlerischen Aufarbeitung der NS-Verbrechen beschäftigt war. Das Thema „Mahnen und Gedenken“ sei besonders wichtig, insbesondere in Mainz, wo mit der Skulptur ein neuer Gedenkort für eine bisher wenig beachtete Opfergruppe geschaffen werde. „Mainz kann hier eine Vorreiterrolle für andere Städte übernehmen“, ergänzte Kulturdezernentin Marianne Grosse.

Das Kunstwerk soll auf dem Vorplatz der Kirche St. Peter in der Großen Bleiche aufgestellt werden. Foto: Konrad Franz

Die Figurengruppe symbolisiert das Leid der Opfer. „Durch die abstrakte Darstellung wird das Leid sichtbar und bekommt ein ‚Gesicht‘“, so Trabert weiter. Die Figuren, weder als Mann noch als Frau zu erkennen, stehen für das universell Menschliche. „Erinnern bedeutet auch, das eigene Verhalten in der Gegenwart zu reflektieren“, betonte Trabert.

Die Kosten für die Skulptur belaufen sich voraussichtlich auf 40.000 Euro, die zunächst vom Verein „Armut und Gesundheit“ bereitgestellt werden. Trabert berichtete, dass man mit zwei Stiftungen im Gespräch sei, von denen eine bereits 10.000 Euro zugesagt habe. Weitere Unterstützer würden noch gesucht. Aufgrund der angespannten Haushaltslage könne sich die Stadt Mainz nicht finanziell beteiligen, erklärte Dr. Stephan Fliedner, Leiter des städtischen Amtes für Kultur und Bibliotheken.

Die Anerkennung der verfolgten wohnungslosen Menschen blieb nach dem Ende der NS-Herrschaft jahrzehntelang aus. Erst vor vier Jahren erkannte der Deutsche Bundestag diese Opfergruppe offiziell an. Schätzungsweise 70.000 Menschen wurden damals diffamiert und in Konzentrationslagern ermordet. Neben der Aufstellung des Bronzegusses wird eine Stele mit erläuternden Texten errichtet.