Start Kolumne Lokaler Journalismus – näher dran geht nicht

Lokaler Journalismus – näher dran geht nicht

Ekkehard Schenk

Anfang Mai wurde im deutschsprachigen Raum erstmals der Tag des Lokaljournalismus begangen. Ein weiterer „Aktionstag“ – könnte man denken. Aber hinter diesem Datum steckt mehr als nur eine nette Idee der Branche. Lokaljournalismus ist kein Dekoelement der Medienlandschaft, sondern ihr Fundament: Er sorgt dafür, dass Menschen erfahren, was vor ihrer Haustür passiert, wer vor Ort Verantwortung trägt – und wo Dinge gut laufen oder eben nicht.

Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschmeldungen

Gerade in Zeiten, in denen Gerüchte, Halbwahrheiten und Falschmeldungen sich in Sekunden verbreiten, braucht es verlässliche, recherchierte Informationen aus der direkten Umgebung. Wer sonst berichtet ausführlich über Stadtratssitzungen, Bauprojekte, das örtliche Vereinsleben, die Schulen, die kleine Kulturbühne, das neue Restaurant um die Ecke? Algorithmen großer Plattformen interessieren sich selten für die Anliegen in den Stadtteilen und Gemeinden. Genau hier beginnt unsere Aufgabe.

Lokaljournalismus bedeutet für uns: zuhören, nachfragen, einordnen. Wir sind nah an den Menschen, weil wir selbst Teil dieser Region sind. Wir treffen unsere Leserinnen und Leser beim Einkaufen, auf Veranstaltungen, im Verein. Diese Nähe verpflichtet. Sie sorgt dafür, dass wir nicht abstrakt über „Zielgruppen“ sprechen, sondern über Nachbarinnen, Geschäftsleute, engagierte Bürger und Vereine, die unser Gebiet lebendig machen.

Keine Paywall, kein Digitalabo

Was oft übersehen wird: Unser Lokaljournalismus finanziert sich ausschließlich über Anzeigen. Es gibt keine Paywall, kein Digitalabo, keinen Konzern im Hintergrund – all das, was Sie hier lesen, ist nur möglich, weil Unternehmen aus der Region bei uns werben. Unsere Anzeigenkunden tragen damit eine doppelte Verantwortung: Sie erreichen ihre Zielgruppen vor Ort und sichern gleichzeitig die unabhängige Berichterstattung für diese Region.

Der Tag des Lokaljournalismus im Mai ist deshalb auch ein Tag des Dankes – vor allem an unsere Anzeigenkunden. An alle Betriebe, Praxen, Dienstleister, Vereine und Institutionen, die mit ihren Anzeigen dieses Medium überhaupt möglich machen. Ohne diese Unterstützung gäbe es keine lokale Medienvielfalt, keine kritische Begleitung der Kommunalpolitik, keine Bühne für all das, was unsere Region besonders macht.

Genau hinschauen, Missstände benennen 

Wir nehmen diesen Anlass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Heftes noch einmal auf, um unser Versprechen zu erneuern: Wir wollen weiterhin genau hinschauen, Themen aufgreifen, die sonst untergehen würden, Missstände benennen, positive Beispiele sichtbar machen und Sie dabei unterstützen, sich ein eigenes Bild zu machen. Damit wir das auch künftig tun können, sind wir weiterhin auf Ihre Unterstützung angewiesen – indem Sie als Unternehmen bei uns inserieren und als Leserinnen und Leser gezielt jene Betriebe unterstützen, die unsere Arbeit möglich machen.

Lassen Sie uns diesen Weg zusammen weitergehen. Nicht nur an einem symbolischen Aktionstag, sondern an jedem Tag, an dem guter Lokaljournalismus gebraucht wird. Also: an jedem Tag.

Herzlichst
Ihr Ekkehard Schenk
Verleger