Start Sport Schachtalent Riyanna Müller im Porträt Außergewöhnlich >>>Dienheimerin holte vor Kurzem den Meistertitel

Schachtalent Riyanna Müller im Porträt Außergewöhnlich >>>Dienheimerin holte vor Kurzem den Meistertitel

"Wenn ich eine Partie gewinne, fühlt sich das einfach großartig an“, sagt Riyanna Müller. Auf dem Foto bei der Partie gegen ihren Trainer, Manuel Gauer. Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach

DIENHEIM – Riyanna Müller strahlt, wenn sie über Schach spricht. „Ich war einfach überglücklich“, erinnert sich die 16-Jährige an den Moment, in dem sie ihren zweiten deutschen Meistertitel holte – diesmal in der Altersklasse U16w. Das ist noch nicht lange her: Es war am 14. Juni 2025. „Den ersten Titel habe ich erst richtig geschätzt, als er weg war. Diesmal wollte ich das Gefühl festhalten.“

Die Gymnasiastin trainiert „zwischen 30 und 40 Stunden pro Woche“, meistens zu Hause, aber auch im Schachklub Landskrone. Dort, donnerstags um 17:30 Uhr im Haus der Bürger, kümmern sich bis zu vier Trainer um den Nachwuchs, bevor gegen 20 Uhr die Erwachsenen kommen. Vereinsvorsitzender und Coach Manuel Gauer ist überzeugt: „In den schnellen Bedenkzeiten bin ich noch knapp vorn – nächstes Jahr hat sie mich auch da überholt.“ In manchen schachlichen Themen kann Riyanna zusätzlich auf die Unterstützung von A-Trainer FM Andrej Dubkov bauen.

Der Verein zählt 97 Mitglieder, gut 35 davon unter 25. Mit rund 15 Prozent Frauenanteil liegt er über dem Bundesdurchschnitt. Neue Spielerinnen und Spieler sind willkommen – selbst absolute Anfänger, „die noch nicht wissen, wie die Figuren ziehen“. Für Talente wie Riyanna legt der Klub Sonderschichten ein, organisiert Trainingslager und übernimmt – soweit es die Kasse erlaubt – einen Teil der Reisekosten. Das meiste trägt die Familie selbst, doch die Gemeinde will helfen, wo sie kann. „Wenn wir irgendwann mit einem Banner auftauchen sollen, sag Bescheid“, verspricht Ortsbürgermeister von Dienheim Thorsten Wüstenhaus beim Empfang im Rathaus, den es vor Kurzem für die Meisterin ausrichtete.

Wie bringt man aber ein solch intensives Training mit der Schule in Einklang? Riyanna lächelt und wirkt dabei sehr reflektiert. „Ich verlege meine Pausen ganz bewusst. Wenn viele Klassenarbeiten anstehen, konzentriere ich mich auf die Schule – vor Turnieren dann wieder stärker auf Schach.“ Nach der jüngsten Deutschen Meisterschaft habe sie erstmal komplett pausiert und gar nicht gespielt. Gerade die bewussten Auszeiten seien wichtig, sagt sie.

Ihre Schule unterstützt sie – für große Turniere wie die Deutsche Meisterschaft oder die WM wird sie freigestellt. Den verpassten Stoff holt sie selbstständig nach. „Ich komme gut klar. Wenn man weiß, wann man den Fokus wohin legt, geht das alles.“ Ihre Leistungskurse: Mathematik und Physik.

Riyanna wirkt sehr diszipliniert, aber überhaupt nicht verbissen. Das Schachspiel ist für sie mehr als nur Ehrgeiz. Was sie sagt, klingt nach purer Leidenschaft und Motivation. „Ich liebe dieses logische Denken, die Konzentration, aber auch den Drang zu gewinnen. Wenn ich eine Partie gewinne, fühlt sich das einfach großartig an.“

Trotz des anspruchsvollen Trainingsalltags ist ihr Freundeskreis stabil. „Ich erfahre viel Unterstützung“, sagt sie. Neid wegen der schulischen Freistellungen? Fehlanzeige. „Ich werde eher bestärkt.“

Natürlich gibt es auch ein Leben außerhalb des 64-Felder-Bretts. „Ich zeichne sehr gerne – nicht malerisch, sondern mit Bleistift, ganz fein.“ Digitale Hobbys oder Streaming-Formate interessieren sie wenig. Zwar habe sie „früher mal auf Twitch Partien analysiert“, das sei aber inzwischen kein Thema mehr. Vorbilder? „Ich nenne immer gerne Spielerinnen, die ein bisschen älter und besser sind – Dora und Charis Peglau zum Beispiel.“

Bescheiden und klar zugleich formuliert sie ihre nächsten Etappenziele: die Titelverteidigung im kommenden Jahr, die Normen für den nächsten Rang („Frauen-Internationale Meisterin“) – und internationale Erfahrung, zum Beispiel beim Turnier in Portugal. Dass sie dabei als 16-Jährige gegen Erwachsene antritt, schreckt sie nicht: „Bei den Frauenmeisterschaften gefällt mir sogar besser, dass ich neue Gegnerinnen habe.“

In Dienheim wächst nun eine deutsche Meisterin heran, deren Bekanntheitsgrad auch dem Verein nutzt, der wiederum frühzeitig – sprich seit vielen Jahren – eben auf den Nachwuchs gesetzt hat und Talente behutsam nach oben führt. Die begabte Teenagerin fasst es so zusammen: „Ich bin hier sehr zufrieden.“ Es scheint, als würden ihr vor Ort die Gegner so bald nicht ausgehen.

 

Gregor Starosczyk-Gerlach