
INGELHEIM – Trotz der Verunsicherung durch Entscheidungen auf Bundesebene hält die Volkshochschule im Weiterbildungszentrum (WBZ) Ingelheim an Integrationskursen fest. Hintergrund ist ein Beschluss des Bundesinnenministeriums, nach dem vorerst keine neuen Kursberechtigungen für viele freiwillige Teilnehmer ausgestellt werden sollen. Bildungsträger im ganzen Land sehen dadurch ihre Planung gefährdet.
So setzt auch die Volkshochschule im WBZ in dem Zusammenhang auf Kontinuität. Nach eigenen Angaben der Bildungsinstitution haben die Sprachkurse bereits zahlreichen Zugewanderten den Weg in Alltag, Ausbildung und Arbeit erleichtert. Die Verantwortlichen wollen deshalb an dem festhalten, was sich in der Integrationsarbeit bewährt hat: Wer Deutsch beherrscht, findet schneller Zugang zur Gesellschaft.
Das WBZ hebt hervor: Im vergangenen Jahr habe der rheinland-pfälzische Landtag das zwanzigjährige Bestehen der Integrationskurse. Politik und Bildungseinrichtungen betonten dabei ihre Bedeutung für gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Entwicklung.
Die aktuelle Debatte verunsichert jedoch viele Träger. Bundesweit warnen Bildungseinrichtungen vor Folgen für Integration und Arbeitsmarkt. „Wir würden es sehr bedauern, wenn wir keine weiteren Kurse anbieten könnten“, sagt Yana Tmsah, Leiterin der Integrationskurse in der Volkshochschule im WBZ. „Unsere Integrationskurse schaffen Orientierung und geben Menschen die Möglichkeit, sich in Deutschland sprachlich und kulturell zurechtzufinden. Sie sind ein entscheidender erster Schritt, um selbstständig handeln zu können und langfristige Perspektiven zu entwickeln.“
Die Kurse vermitteln nicht allein Deutschkenntnisse, sondern eröffnen auch Wege in Ausbildung, Beruf und weiterführende Qualifizierungen. Damit sieht sich das WBZ als lokaler Schnittstelle für gelungene Integration und eine nachhaltige berufliche Eingliederung der Kursteilnehmer.
Wie die Bildungseinrichtung betonte, leben viele Ehemalige inzwischen fest in Ingelheim und beteiligen sich am gesellschaftlichen Leben der Stadt. Für die Volkshochschule im WBZ bleibt deshalb klar: Damit die Kurse weiterhin zuverlässig angeboten werden können, braucht es verlässliche und langfristig planbare Rahmenbedingungen.
Weitere Informationen zu Integrationskursen in Ingelheim finden die Leser hier.
Hintergrundinformation:
Anfang März hat das Bündnis „Gesamtprogramm Sprache retten“ einen Appell veröffentlicht. Auslöser ist der Beschluss, Zulassungen zu Integrationskursen nach § 44 Absatz 4 Aufenthaltsgesetz „bis auf Weiteres“ auszusetzen. Nach Darstellung des Bündnisses bleiben dadurch im laufenden Haushaltsjahr rund 130.000 Kursinteressierte ohne Zugang, außerdem geraten Kursträger wirtschaftlich unter Druck und etwa 20.000 Lehrkräfte bangen um Beschäftigung.
Betroffen sind laut Bündnis insbesondere Geflüchtete aus der Ukraine, Menschen im Asylverfahren, Geduldete sowie Unionsbürger, sofern sie nicht zum Kursbesuch verpflichtet sind. Das Bündnis betont, viele dieser Menschen würden mittel- bis langfristig in Deutschland bleiben. Es fordert einen uneingeschränkten Zugang zu Integrationskursen, weil Sprachkenntnisse die Teilhabe und die Chancen auf dem Arbeitsmarkt nachweislich verbessern.
Das Bündnis hält einen pauschalen Zulassungsstopp für rechtswidrig und verweist darauf, dass im Bundeshaushalt 2026 Mittel für die freiwillige Teilnahme eingeplant seien. Es fordert, Zulassungen bei freien Kapazitäten wieder im Einzelfall zu prüfen. Zudem warnt es vor Folgekosten, wenn Sprachförderung ausbleibt, und sieht Risiken für Arbeitsmarkt, Fachkräftesicherung und gesellschaftlichen Zusammenhalt. Erstorientierungskurse könnten die Lücke nach Ansicht des Bündnisses nicht schließen, weil sie keine Sprachkurse mit definiertem Sprachniveau und Zertifikat seien.























