MAINZ – Seit der Öffnung des Sarkophags im Alten Dom St. Johannis ist die Spannung groß. Wer liegt dort begraben? Seit Juni untersuchten Wissenschaftler die Proben und fügten Mosaikstückchen für Mosaikstückchen zu einem Ganzen zusammen. Nach vielen Spekulationen ist das Rätsel jetzt endlich gelöst.
Im Sarkophag kann nur ein Erzbischof liegen, der um das Jahr 1000 in der Kirche bestattet wurde. Damit ist klar, es muss der Nachfolger Willigis sein: Erzbischof Erkanbald. Forschungsleiter Guido Faccani zeigt sich hoch erfreut über die Befunde. Auch Textil-Restauratorin Anja Bayer ist begeistert über die vielen Materialstücke, die ausgewertet werden konnten.
Mit den Ergebnissen der Sarkophag-Öffnung wird auch ein Teil der Mainzer Stadtgeschichte neu geschrieben. Es ist etwas Besonderes, dass in Mainz der Alte Dom nicht abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut wurde, sondern, dass der Neubau einen Steinwurf entfernt errichtet wurde. Der Dekan des evangelischen Dekanats Mainz, Andreas Klodt, dazu: „Mainz am Rhein, die Stadt der zwei Dome, evangelisch und katholisch, alt und neu, dicht beieinander – das hat was.“

Während der Grabung im Alten Dom fanden die Archäologen bereits 2017 einen Sarkophag. Da dieser sehr prominent im Mittelschiff vor dem Altarhaus platziert ist, wurde vermutet, dass darin eine sehr bedeutende Person bestattet ist. Ein weiteres spannendes Detail: Über dem Sarkophag wurde die Grube mit Mörtel geschlossen. In diesem Mörtel ist das Negativ eines Kinderfußabdrucks erhalten.
Die Anthropologin Carola Berszin befasste sich eingehend mit den sterblichen Überresten. Im Alter zwischen 40 und 60 Jahren wurde er bestattet. Das Skelett war sehr brüchig und durch das Bedecken mit Ätzkalk stark in Mitleidenschaft gezogen, mit Ausnahme der Füße. Vom Kopf war mehr oder weniger nur noch Knochenmehl vorhanden. Zähne waren nicht erhalten oder dem Verstorbenen zu Lebzeiten ausgefallen. Die Rekonstruktion der Körperhöhe ergab ein Maß von circa 182 cm.
Die Untersuchungen der Textilien haben ergeben, dass der im Sarkophag bestattete Mann ein Erzbischof war. Er ist zwar nicht direkt zu identifizieren, aber alle gesammelten Daten und vor allem die C14-Datierung der Schuhe zeigen, dass der Erzbischof um 1000 bestattet worden war – mit 20 Jahren Spielraum gegen oben und unten. Dies heißt aber, dass es sich beim Erzbischof im Sarkophag nur um Erkanbald handeln kann, der nach einmonatiger Vakanz am 1. April 1011 den Bischofsthron bestieg und am 17. August 1021 verstarb.
Sein Vorgänger Willigis war zwar zwischen 975 und 1011 im Amt und verschied damit innerhalb des ermittelten Zeitraumes. Aber: Willigis fand in St. Stephan seine letzte Ruhe, wo er im 14. Jh. exhumiert wurde.























