HaMü – Wo früher ein eingeschossiger Bungalow stand, soll nun ein dreigeschossiger Neubau entstehen: Der Ärger über die geplante massive Nachverdichtung in einem Wendehammer in der Dijonstraße erreichte nun den Ortsbeirat HaMü. „Wir haben Widerspruch eingelegt und sehen das sehr kritisch“, sagte der Bürger Klaus Jürgen Gerdum in der Bürgerfragestunde im Namen der Anwohner. „Wir fühlen uns vom Bauamt verkauft, wir werden alle Rechtsmittel ausschöpfen.“ Es werde keinerlei Rücksicht auf den Wohncharakter und den Grüncharakter dieses Wohngebietes genommen. „Das Wohnviertel wird profitorientiert ausgebeutet“, kritisierte Gerdum. Der Stadtteil HaMü werde wie die Innenstadt behandelt.
„Ich nehme Ihr Anliegen sehr ernst“, antwortete Ortsvorsteherin Christin Sauer (Grüne). „Auch mir macht diese Entwicklung Sorgen. Ich gebe Ihnen recht, dass das eine Veränderung des Quartierscharakters bedeuten kann.“ Sie stehe im ständigen Austausch mit Baudezernentin Marianne Grosse (SPD) und der Leitung des Bauamtes.
Kevin Vossler-Schneider und Jens Brucker von der Unteren Bauaufsichtsbehörde teilten zum Bauprojekt im Ortsbeirat mit: „Es ist zulässig, alle Vorschriften werden eingehalten.“ In der Umgebung gebe es schon das Ärztehaus, die Apotheke und den Rewemarkt – allesamt mit großen Grundflächen, allesamt zulässig. Beide Seiten müssten hier ein Stück weit zurückstecken, so die Bauaufsicht. Das angestrebte gerichtliche Eilverfahren sei aber eine Möglichkeit der Anwohner, sich zu wehren. „Wir haben Angst vor einem Dominoeffekt“, klagte eine weitere Anwohnerin, die sich in der Bürgerfragestunde zu Wort meldete. „Wir wollen auch noch Grün haben. Irgendwann ist die gesamte Gegend nicht mehr attraktiv. Was machen wir denn dann?“
Ein SPD-Antrag zur Eindämmung der Nachverdichtung in der Dijonstraße wurde auf Anregung von Walter Konrad (ÖDP) in eine gemeinsame Resolution des Ortsbeirates umgewandelt. „Ein weiteres Mal wurde der Ortsbeirat HaMü vor vollendete Tatsachen gestellt und es wurde ihm die Möglichkeit genommen, sein Votum zur geplanten Bebauung in den Entscheidungsprozess einzubringen“, heißt es in der Resolution. Die Situation sei unbefriedigend. „Der Ortsbeirat HaMü erwartet von der Verwaltung eine Änderung der Verfahrensweise, um die sich aus der Gemeindeordnung ergebenden Rechte des Ortsbeirates künftig schon im Planungsverfahren zu beachten.“
Oliver Gehrig