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Der neue Natur- und Artenschutzbeauftragte in Nackenheim Interview >>> Fragen an Jens Tauchert

Jens Tauchert in Aktion. Foto: privat

NACKENHEIM – In unserer letzten Ausgabe haben wir über die Berufung von Jens Tauchert als neuen, ehrenamtlichen Natur- und Artenschutzbeauftragten der Ortsgemeinde Nackenheim berichtet. Heute möchten wir ihn etwas näher vorstellen und haben ihm dazu einige Fragen gestellt. (Hinweis aus der Redaktion: Da wir uns schon länger kennen, haben wir das Interview in der Du-Form geführt)

Journal LOKAL: Wo lag der Schwerpunkt deines bisherigen Engagements für den Natur- und Artenschutz in der Ortsgemeinde?

Jens Tauchert: 1995, als ich nach Nackenheim gezogen bin, hatte ich ziemlich schnell Kontakt zum Verein Lebenswertes Nackenheim gefunden und war die letzten Jahre dienstältester Vorsitzender. Der Verein ist aktuell leider in Liquidation, da sich keine Helfer mehr für die Arbeit im Naturschutz fanden.

Im Kindergarten und später Grundschule meiner Kinder habe ich ehrenamtlich Naturthemen initiiert und begleitet, in den letzten Jahren auch im Nackenheimer Gymnasium, obwohl meine Kinder bereits auf eigenen beruflichen Beinen stehen. Seit der Zeit konnte ich mich zunehmend bei Natur- und Artenschutzthemen bei Ortsgemeinde, Verbandgemeinde einbringen und bin langjähriges Mitglied im Umweltausschuss Nackenheim.

Wo immer Naturthemen unsere Verwaltung im Rathaus treffen, stehe ich mit Rat zur Verfügung. Die Hangsicherung im Naturschutzgebiet Rothenberg war ein größeres Projekt, wo naturschutzfachliche Hürden überwunden wurden und Kosten für die Gemeinde gesenkt werden konnten.

Seit 2019 haben wir die Pflege unserer zahlreichen Ausgleichsflächen optimiert, um das Entwicklungsziel schnell zu erreichen und am Ende sogar Kosten zu sparen durch verwertbares Heu für Tierhalter.

JL: Was ändert sich daran durch deine neue offizielle Funktion?

JT: Ich denke oder hoffe eigentlich nur, dass ich jetzt eine offizielle Funktion habe.

JL: Was sind deine ersten Aufgaben und Tätigkeiten?

JT: Das Jahr fing ja schon spannend an. Der Fußweg von Carl-Zuckmayer-Platz zu Bergkapelle war durch einen „Mauerfall“ unpassierbar geworden und musste gesperrt werden. Über meine überregionale Tätigkeit konnte ich der Gemeinde eine Fachfirma, die die Reparatur zu einem finanzierbaren Preis angeboten hat. Mittlerweile konnte auch die Mauer an der Kapelle auf dem Kirchbergweg zur St. Gereonkirche repariert werden. Fehlende Steine fanden sich auf einer Baustelle im Landkreis, so dass auch hier die Kosten niedrig gehalten wurden.

JL: Wo siehst du die größten Herausforderungen in der Ortsgemeinde?

JT: Nackenheim wächst aktuell sehr schnell, die Flächen für ortsnahe Erholung können da nicht mithalten. Das ist ein Problem jeder Gemeinde im Umkreis. Für jedes Baugebiet wurden in den letzten Jahren große Flächen angekauft, die nun ökologisch aufgewertet werden. Durch die Wahl der Flächen besteht die Möglichkeit hochwertige Flächen miteinander zu vernetzen und für künftige Jahre und Klimaereignisse zu stabilisieren.

JL: Was läuft bei diesem Thema bereits gut, was nicht in der Ortsgemeinde?

JT: René Adler (Ortsbürgermeister, die Red.) hat immer ein offenes Ohr für meine fachlichen Anliegen. Deshalb kann ich auch nicht sagen, dass etwas nicht gut läuft. Was mir auffällt, dass immer mehr Bürger bei unserem ehrenamtlichen Bürgermeister und Julia Stauder und sich über Missstände beschweren. Dinge, auf die niemand einen Einfluss hat („die temporäre Baustelle vor meinem Fenster ist laut“) oder Dinge, die man selbst einfach lösen kann („der Baum vor meinem Haus muss gegossen werden“). Das raubt Zeit für die wesentliche Arbeit.

JL: Was möchtest du nach einem, nach zwei und nach fünf Jahren über dein Wirken sagen können?

JT: Es hat etwas bewirkt und hat Spaß gemacht!

Das Interview führte Michael Türk


Vita:
Jens Tauchert , 1963 geboren, 2 Söhne, geschieden
Studium der Biologie 1984 – 1990, Abschluss mit Diplom
Mitglied im NABU, BUND und Pollichia
Vorsitzender im Fachbeirat für Naturschutz im Kreis Mainz-Bingen (seit 2011)
Mitglied im Kuratorium der Stiftung “Biotopsystem Sandgebiete zwischen Mainz und Bingen”
seit 1997 Erster Vorsitzender des Vereins Lebenswertes Nackenheim e.V. (in Liquidation)
Nackenheimer seit 1995 (Neugasse –> Rheinstraße –> Alemannenstraße)
Seit 1989 selbstständig, seit 1996 geschäftsführender Gesellschafter der BG Natur mit Arbeitsschwerpunkt Natur—und Artenschutz und Umweltplanung
aktuell 6 Angestellte am Standort Nackenheim/Bodenheim