
LAUBENHEIM – Die Brezel kostet 1,30 Euro, die Grundsteuer ist gestiegen, die 05er stehen auf dem letzten Tabellenplatz und das Wetter ist noch viel schlechter als früher: Groß ist aktuell die Unzufriedenheit unter den Bürgerinnen und Bürgern. Im Laubenheimer Park sammelten sich jetzt die Verbitterten und Enttäuschten und machten unter Anführung der Schwarzen Gesellen Laubenheim (SGL) und der KG Ulk Laubenheim ihrem Ärger Luft. Die Schuldigen waren schnell gefunden: Ortsvorsteher Norbert Riffel (CDU) und sein Ortsbeirat.

„15 Jahre lang haben wir den Gerd bis aufs Äußerste bekämpft, seit September 24 sitzt der Norbert nun auf dem Rathausstuhl“, fasste SGL-Vorsitzender Matthias Keil zusammen. „Daher gilt es nun, unsere Unzufriedenheit vor das Rathaus zu tragen.“ Die konkreten Anklagepunkte wurden formuliert, etwa die mangelhafte Beleuchtung in Laubenheim. „Als Gott sprach, es werde Licht/ meinte er Laubenheim wohl nicht“, klagte Ina Neuhäuser von den Ulkern. Nun sei es an der Zeit, „dem Norbert mal heimzuleuchten“. Die Kultur finde nach wie vor nur in Bodenheim statt. Keil: „Und so fahren alle, ach wie dumm/ auch dieses Jahr nach Bodenum.“ Auch für die Hundehaufen im Park sei der Ortsvorsteher verantwortlich. „Norbert, der im Traum gewandelt/ hat hier sofort noch nicht gehandelt.“ An der Nato-Rampe stelle sich die Frage: „Wo kriegen wir dort unseren Schoppe’?“ Auch für die fehlenden Glasfaserleitungen, die knappen Parkplätze am Longchamp-Platz und die fehlenden E-Ladestationen sei der Ortsvorsteher verantwortlich. Und die Ortsbeiratssitzungen würden immer kürzer, damit sich alle Politikerinnen und Politiker im Anschluss immer früher in der „Ente“ treffen können.

Das Resümee zur Arbeit von Norbert Riffel: „Der macht praktisch nichts und das fast ohne Paus’!“ So startete der Zug der Wütenden und Enttäuschten durch den Park über die Vordere Talstraße, die Hans-Zöller-Straße und den Marktplatz in Richtung Ortsverwaltung, begleitet von den Guggemusikern „Die Rhoirevoluzzer“, die „Traum von Amsterdam“ schmetterten. Immer wieder erklang der Schlachtruf „Dieser Norbert, der muss weg!“

An der Ortsverwaltung hatten sich Ortsvorsteher Riffel, sein bis zu den Zähnen bewaffneter Ortsbeirat und die zur Hilfe geeilte Ordnungsdezernentin Manuela Matz verschanzt, um den Rathausschlüssel zu verteidigen. „Der Zug der Empörten ist auf etwa 2500 Menschen angestiegen“, beschrieb Matthias Keil diese beeindruckende Szenerie, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Zunächst führten die benachbarten Kitakinder zu „Das rote Pferd“ und „Wir wollen hüpfen wie ein Känguru“ einen schönen Tanz auf. Dafür gab es viel Beifall. Dann versuchte Manuela Matz den Narren einzuschmeicheln und beschrieb, wie „schön und toll“ Laubenheim sei. Allein, es nutzte nichts: Der Sturm auf die Ortsverwaltung ging kurz und schmerzvoll über die Bühne. Die Narrenschar legte Ortsvorsteher Riffel ins Schandholz und präsentierte triumphal den Rathausschlüssel.

Zum Abschluss wurde das närrische Grundgesetz verlesen mit seinen elf Paragrafen wie etwa „Die Würde des Narren ist unantastbar“. Alles wurde besiegelt „im Jahre zwei nach Gerd“. Nach dem Fahnenhissen schmetterten die Rhoirevoluzzer zum Abschluss der vergnüglichen Veranstaltung „Im Schatten des Doms“. Die tollen Tage können kommen.

Oliver Gehrig
























