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Eine Orgel hat runden Geburtstag Kirche >>>Die Orgel der evangelischen Kirche in Hechtsheim ist 30 Jahre alt

Zum 30. Geburtstag der Orgel spielten die exzellenten Organisten Christian David Karl, Sun Kim, Daniel Lam und Carolin Kaiser. Foto: Johannes Preyß

HECHTSHEIM – Eigentlich ist sie aus der Kirche kaum wegzudenken und dennoch ist sie in der Wahrnehmung des Kirchenalltags meist nur im Hintergrund präsent. Und das, obwohl eine jede Orgel ein Kunstwerk für sich ist. Denn jede Orgel ist einzigartig, sie wird für den jeweiligen Zweck speziell gebaut und hat durch die vielen verschiedenen Register einen höchst individuellen Klang. Die evangelische Kirche in Hechtsheim hat ihre Orgel vor 30 Jahren erhalten: ein guter Grund, sie einmal in den Mittelpunkt einer Veranstaltung zu stellen. So wurden für dieses Orgeljubiläum, wie Gemeindemitglied Henning Jürgens erzählte, ausgezeichnete Organisten eingeladen, die in den vergangenen Jahren bereits auf der Orgel gespielt haben und daher eine besondere Beziehung zu der Orgel haben.

Den Anfang machte Carolin Kaiser mit dem Präludium in D-Dur von Johann Sebastian Bach. Schließlich hat der Meisterkomponist die Orgelmusik geprägt wie kein Zweiter und auch hier zeigt sich, wie gut die komplexen Variationen Bachs durch die unvergleichbaren Möglichkeiten dieses Instruments dargestellt werden können. Dabei wechselte sie immer wieder die Register, um die Klangvielfalt der Orgel zu vermitteln. Es folgte von Daniel Lam ein abwechslungsreiches Orgelkonzert in B-Dur von Georg Friedrich Händel, angefangen mit einem lebendigen Allegro, gefolgt von einem etwas ernsteren Adagio und beendet von einem schnellen, fröhlichen Allegro. Ein besonderer Beitrag war eine eigens komponierte Fantasie von Caroline Kaiser als „Geburtstagsgeschenk“ für die Orgel. Bald hörte man hier eine bekannte Melodie heraus, der Klassiker „Zum Geburtstag viel Glück“ wurde in bunten Variationen präsentiert und so die Möglichkeiten dieser ikonischen Melodie so ausgelotet.

Christian David Karl spielte passend zum Datum eine Improvisation über „Wie lieblich ist der Maien“. Foto: Johannes Preyß

Darauf spielten Sun Kim und Christian David Karl vierhändig „Ein ländliches Hochzeitsfest“ von Franz Adolf Berwald, einem Komponisten der, so Karl „völlig zu Unrecht unbekannt ist“. Ein Stück, das besonders anschaulich zeigte, wie man die verschiedenen Klangfarben der Orgel nutzen kann, um eine richtige Geschichte zu erzählen, in diesem Fall die einer schwedischen Landhochzeit. Anschließend spielte Karl eine Choralimprovisation über „Wie lieblich ist der Maien“.

Nach einem Andante in D-Dur von Felix Mendelssohn Bartholdy, wieder gespielt von Caroline Kaiser, die fünf Variationen über eine frühromantische Melodie präsentierte, spielten Lam und Kaiser ein Duett der besonderen Art. Der Walzer von Johann Strauß war nämlich nicht vierhändig, sondern vierfüßig. Die Hände konnten sich bei diesem Stück völlig ausruhen, während die gesamte Melodie von vier schwer beschäftigten Füßen auf den Pedalen gestemmt wurde. Eine Art zu musizieren, wie sie nur auf der Orgel möglich ist.

Zum Abschluss setzte sich noch einmal Sun Kim an die Orgel, die eine besondere Beziehung zu diesem Instrument hat, da sie auf dieser nun 30-jährigen Orgel in ihrer Studienzeit oft gespielt hat. Das Schlussstück war eine Fanfare in D-Dur des französischen Komponisten Jacques-Nicolas Lemmens.

Wobei es sich natürlich nur um das vorläufige Schlussstück handelte, denn dank des großen Applauses gab es eine Zugabe: die berühmte „Halleluja“-Melodie von Händel. Denn wofür sonst ist eine Orgel da, wenn nicht, wie Karl sagte, um „das Halleluja in die Welt zu verkünden“?