Start Gesellschaft Endlich wieder Lesespaß in Weisenau Kultur >>>Neue Pop-up-Familienbücherei eröffnet

Endlich wieder Lesespaß in Weisenau Kultur >>>Neue Pop-up-Familienbücherei eröffnet

Leiterin Benita Geis (rechts) und Mitarbeiterein Jasmin Volker-Pauly auf dem Schmöker-Sofa. Foto: Sabine Longerich

WEISENAU – Weisenau kann aufatmen: Nach fast zwei Jahren ohne Stadtteilbücherei gibt es wieder einen Ort zum Stöbern, Lesen, Spielen und Verweilen. Schon am 12. August durften die ersten Kinder und Eltern die neue Pop-up-Bibliothek in den Räumen der ehemaligen Friedrich-Ebert-Schule erkunden. Nun wurde sie dann auch offiziell der Öffentlichkeit vorgestellt – mit einem bunten Fest, viel Kuchen, Mitmachstationen und leuchtenden Kinderaugen.

Für die Kita-Kinder gibt es eine riesige Auswahl an Büchern. Foto: Sabine Longerich

Dass es so weit kam, war nicht selbstverständlich. Die alte Bücherei am Tanzplatz musste 2022 wegen eines schweren Wasserschadens und Schimmelbefalls geschlossen werden. Lange war unklar, wie es weitergehen sollte. „Der Prozess war erst schwierig“, erinnert sich Bibliothekarin Benita Geis, die die Leitung im April 2023 übernahm. „Aber dann ging es plötzlich ganz schnell – dank des großen Einsatzes von Ortsvorsteher Ralf Kehrein, der Gebäudewirtschaft Mainz (GWM) und vieler engagierter Weisenauer Bürgerinnen und Bürger.“

Bibliothekarin Benita Geis freut sich über die schönen, neuen Räume. Foto: Sabine Longerich

Heute präsentiert sich die neue Bücherei hell, geräumig und ganz auf Familien zugeschnitten. Für die Kleinsten gibt es Krabbelboxen, in denen sie ihre Bücher finden und die Welt sitzend auf dem Boden entdecken können. Grundschüler und Jugendliche finden ein großes Angebot an altersgerechter Literatur, Sachbüchern und Comics. Für die Erwachsenen wartet ein eigener Raum mit einem großen Schmöker-Sofa, Belletristik, Ratgebern, Zeitschriften oder Krimis. „Unsere Bücher sind fast alle neu“, freut sich Geis. Schon am ersten Tag zählte sie mehr als 70 Besucherinnen und Besucher – ein klares Zeichen, wie groß die Sehnsucht nach einem Treffpunkt für Geschichten im Stadtteil war. Ein besonderes Highlight: Kinder können ihre entdeckten Schätze selbst am Automaten ein- und ausbuchen. Das macht nicht nur Spaß, sondern entlastet auch das Personal – so bleibt mehr Zeit für persönliche Beratung und Aktionen.

Jonas, acht Jahre alt, bastelt eine Geburtstagskarte für seinen besten Freund. Foto: Sabine Longerich

Wie willkommen der neue Treffpunkt ist, zeigt die Familie Hülsemann: Während der achtjährige Jonas am Basteltisch eine Karte für seinen Freund Noah gestaltet, schmökert sein kleiner Bruder Ben mit leuchtenden Augen im „Räuber Hotzenplotz“. Jonas sagt begeistert: „Es ist toll, dass die Bücherei wieder offen ist und wir endlich wieder Bücher und Tonies ausleihen können.“ Mutter Maria Hülsemann, die mit Nachbarn und Freunden da ist, ergänzt erleichtert: „Endlich wieder eine Bücherei an zentraler Stelle, wir waren so frustriert und traurig über die Schließung. Hier ist es hell und freundlich und es gibt eine Riesenauswahl an geeigneten Büchern und Tip-Tois. Wir sind regelmäßig einmal in der Woche hier.“

Vorschul- und Grundschulkinder haben die Qual der Wahl. Foto: Sabine Longerich

„Unsere Familienbibliotheken haben ein radikal neues Konzept“, erklärt Dr. Stephan Fliedner, Leiter des Amtes für Kultur und Bibliotheken, bei der Eröffnung. „Der Fokus muss auf Kindern und hier auf früher Sprach- und Leseförderung liegen. Denn ohne Sprache gibt es keine Integration. Jeder Tag, an dem Kinder lesen, ist entscheidend – erst kommt die Sprache, dann erst das Lernen.“ Deshalb arbeitet das Bücherei-Team eng mit Kitas und Grundschulen in der Umgebung zusammen. Eine speziell geschulte Bibliotheks-Pädagogin unterstützt die Arbeit vor Ort.

Kam auch zur Eröffnung: Dr. Stephan Fliedner, Leiter des Amtes für Kultur und Bibliotheken Mainz. Foto: Sabine Longerich

Auch Birgitta Mühe, Leiterin der Öffentlichen Bibliothek Anna Seghers in Mainz, sieht neue Chancen: „BookTok hat die Jugendlichen wieder ans Lesen gebracht. Tatsächlich werden diese Trends auf TikTok und Instagram von den Kids verfolgt und die Ratschläge danach auch befolgt. Dieses Phänomen hat die Art und Weise, wie Bücher entdeckt werden, revolutioniert. Denn nach dem kindlichen Lesen gab es bisher immer diesen ‚Leseknick‘ – die Jugendlichen waren nicht mehr an Büchern interessiert. Das ändert sich erfreulicherweise gerade.“

Neben Ortsvorsteher Kehrein und der GWM wurden bei der Feier auch andere Helfer gewürdigt, darunter Hausmeister Andreas Wasik, der tatkräftig bei der Herrichtung der Räume angepackt hat. „Wir haben nun einen stationären Ort gefunden“, so Büchereileiterin Benita Geis. „Der Name ‚Pop-up-Bücherei‘ ist eigentlich gar nicht mehr passend – aber wir bleiben aus Sympathie dabei.“

Birgitta Mühe, Leiterin der Öffentlichen Bibliothek Anna Seghers in Mainz, erklärt den Buchungsautomaten. Foto: Sabine Longerich

Die regelmäßigen Öffnungszeiten – dienstags und mittwochs von 15 bis 18.30 Uhr – machen die Bücherei zum festen Bestandteil des Familienalltags. Ob als kurzer Abstecher nach der Kita, als Treffpunkt für Grundschulgruppen oder als gemütlicher Ort zum Schmökern für die Großen: Die Weisenauer Familienbibliothek ist wieder da. Und die Eröffnung hat gezeigt, dass sie schon jetzt mehr ist als ein Ort für Bücher – sie ist ein Stück neues Zuhause im Stadtteil, geschaffen von und für die Menschen in Weisenau.

 

Sabine Longerich