
MOMBACH – Die Kostümsitzung der Maletengarde in der Eintrachthalle in Mombach hatte einen gemeinsamen Nenner: die uneingeschränkte Zuneigung, ja Liebe zur Fastnacht. Abseits großer Namen, die auf der närrischen Rostra die Narren glänzen, pflegt die Mombacher Carneval-Gesellschaft 1953 eine herzliche und direkte Bindung an die Fünfte Jahreszeit. Hier ist alles sowas von echt: die Freude am Spaß, an den Balletten, gereimten Versen und Kokolores-Beiträgen. Außergewöhnlich herzlich fiel die Begrüßung durch Sitzungspräsidenten Ralf Ruthard aus, der nicht müde wurde, zu betonen, wie schön es sei, so viele Menschen im Saal zu sehen.
Gleich zu Beginn der Fastnachtssitzung, die dem klassischen Dreischritt von Tanz, Musik und Vortrag folgte, trat Christian Bachmann erstmals als Protokoller in die Bütt – mit einem Plädoyer für mehr Gemeinschaft: „Wir müssen, statt uns immer wieder zu fetzen, andere Meinungen mehr in ihrem Wert schätzen.“
Als einer der markanten Akteure erwies sich Pfarrer Fulder (Steffen Jobst), der im unverkennbar katholisch-liturgischen Singsang predigte: „Der größte Feind der Demokratie ist nicht nur die Diktatur, sondern die Demokraten, die so schlechte Politik machen, dass die Menschen die Diktatur nicht mehr fürchten“, oder: „Gäbe es mehr Frauen in den Regierungen, gäbe es zum Beispiel keine Kriege mehr. Es gäbe nur noch lauter Länder, die seit Jahren ned miteinander redden, und die meisten wüssten ned einmal warum.“

Foto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Erstmals auf der Bühne der Maletengarde stand auch Maurice Müller, der in Anspielung auf den bekannten Bestellriesen als „aMEENZone“-Zusteller Alltagssituationen aus dem Zustellerleben aufgriff. Pointen wie: „Früher habe ich als Kind an den Türen geklingelt – heute bezahlen sie mich dafür“, sorgten für Lacher.
Mit dem Kokolores-Vortrag „Wie werde ich reich?“ sorgte Marcel Jakobi für Applaus. Jakobis Gigolo-Ich kam beim Publikum gut an: Unterhaltsam setzte er sich mit der Frage auseinander, wie sich mit möglichst wenig Aufwand möglichst viel Geld verdienen lässt. Schräg zugespitzt war dies der Selbstversuch bei „Schugger-omis-de-eh“, dann mit der Betätigung beim Bestatter zum Motto: „Bei mir liegen Sie richtig.“
Ergänzt wurde der Vortragsreigen durch die humorvollen Schilderungen vom Urlaub auf Mallorca von Christoph Visone sowie durch einen Höhepunkt, den Jürgen Wissmann in seiner Paraderolle als Ernst Lustig zauberte.
Tänzerisch setzte die Kostümsitzung wenige, dafür markante Akzente: durch einen blütenreichen Auftritt der Las Romanas aus Ebersheim und die ebenso energiegeladene Darbietung von Xpressive Dance, der Showtanzgruppe der Mainzer Kleppergarde. Das Publikum bejubelte die tänzerische Suche nach den Polarlichtern in Kostümen, die wie Schnee in der Sonne glitzerten.
Für musikalische Unterhaltung sorgte Andreas Schermer, der mit Ukulele auf die Bühne kam und wortreiche Lieder präsentierte. Das Lied über das „Kreppelscher“ begeisterte hörbar. Auch beim Refrain „Sternhagelchen, Sternhagelchen, alles dreht sich um dich. / Sternhagelchen tanzt nochmal auf dem Tisch“ stimmte der Saal geschlossen mit ein.
Ausgelassene Stimmung brachten Die Dentalos von der Griesheimer Carneval-Gesellschaft mit – augenzwinkernd angekündigt hatten sie sich als „dem schöneren Griesheim, dem bei Darmstadt“. Mit bekannten Fastnachts-Hits in Mallorca-Party-Manier motivierten sie das Publikum zum Mitsingen. Musikalisch unterhielten zudem die Donnergugger die Narren im Saal, die sich ins Finale zu schwungvollen Songs der Amigos del Sol tanzten.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























