
OPPENHEIM – Mit seinem neuen historischen Roman über Friedrich V. von der Pfalz, den sogenannten Winterkönig, hat Frieder Zimmermann seinen zweiten historischen Roman mit Oppenheim-Bezug veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht eine Figur, die meist mit Böhmen, Prag und dem Dreißigjährigen Krieg verbunden wird, deren Lebensweg aber auch an mehreren entscheidenden Punkten mit Oppenheim verknüpft ist.
Gerade dieser doppelte Blick auf europäische Geschichte und lokale Erinnerung scheint Zimmermann an dem Stoff gereizt zu haben. Als Journal LOKAL den Oppenheimer Schriftsteller zu Beginn seiner Arbeit am Buch traf, erzählte der Autor, dass Friedrich V. für ihn weit mehr als eine historische Randfigur sei. „Zum einen war er als Pfalzgraf Landesherr der Oppenheimer.“ Damit gehörte er nicht nur in die europäische Geschichte, sondern war aus Zimmermanns Sicht auch für die Oppenheimer Stadtgeschichte eine bedeutende Figur.

Foto: privat
Das zeigte sich beispielsweise in der Reaktion der Oppenheimer, als das junge Herrscherpaar Friedrich und Elisabeth auf der Hochzeitsreise im Jahr 1613 Station in Oppenheim machte. „Die Begeisterung der Bevölkerung muss damals enorm gewesen sein. Die Oppenheimer errichteten dem Paar eigens einen Triumphbogen auf dem Marktplatz.“ Für Zimmermann war der Aufenthalt des Fürstenpaares damit mehr als ein beiläufiges Durchreisen, sondern ein Ereignis von besonderem symbolischem Gewicht.
Der Roman setzt bei einer Figur an, die aus Sicht des Autors an einem historischen Wendepunkt stand. Nach dem Prager Fenstersturz wählten die böhmischen Stände Friedrich V. zu ihrem König und boten ihm die Wenzelskrone an. Für Zimmermann lag die Brisanz genau in der Entscheidung, ob Friedrich Wahl und Krone annehmen würde. „Nimmt er sie an oder nimmt er sie nicht an?“, habe damals die entscheidende Frage gelautet.
Im Verlauf des Schreibprozesses, schildert Zimmermann, sei ihm jedenfalls bewusst geworden, wie eine einzelne Person durch eine einzige Entscheidung dramatische Prozesse von gewaltiger Tragweite auslösen, ihren Verlauf aber dann nicht mehr beeinflussen und erst recht nicht mehr aufhalten kann. Auch wenn diese Prozesse ihn selbst mit ins Verderben reißen.

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Seine Einschätzung dazu ist deutlich: „Hätte er es nicht angenommen, wäre der böhmische Aufstand als regionaler Konflikt irgendwie im Sande verlaufen.“ Doch Friedrich nahm die Krone an, zog mit seinem Hof nach Prag und wurde damit zu einer Schlüsselfigur in der Vorgeschichte des Dreißigjährigen Krieges, zum „Gamechanger“. „Dann war der Reichsfriede dahin“, sagt Zimmermann über diesen Moment. „Der Kaiser musste reagieren. Es haben sich Fronten gebildet. Ein Riss ging durch Europa.“
Jene fast vergessene Verbindung zwischen einem europäischen Herrscherdrama und der Oppenheimer Stadtgeschichte bildet eines der zentralen Motive des Buches. Hinzu kommt ein weiteres Detail, das Friedrich V. auch posthum mit der Stadt am Rhein verbindet. Wie Zimmermann verrät, wurden das Herz, das Gehirn und die Eingeweide Friedrichs 1632 in der Oppenheimer Katharinenkirche bestattet. „Das weiß fast niemand, weil die Bestattung versteckt erfolgen musste und eine kleine Tafel mit der Grabinschrift sich nur in einer alten Handschrift erhalten hat, das Original aber in späteren Kriegswirren verloren ging.“
Aus Zimmermanns Beschäftigung mit der lokalen Geschichte ist jedenfalls ein weiteres interessantes Buch über Oppenheim entstanden. Zimmermanns vorheriger Roman beschäftigte sich mit General Mélac, auf dessen Befehl 1689 die Stadt Oppenheim niedergebrannt wurde: Jahrzehnte nach Friedrichs Beisetzung.
Im ersten Jahr nach dem 800. Jubiläum der Stadtrechte erhalten die Leser mit dem neuen Roman die Gelegenheit, sich einem weiteren Kapitel der Geschichte von Oppenheim zu nähern – einem Kapitel, das der Stadt einen vielleicht keinen prominenten, auf jeden Fall aber berechtigten Platz in der deutschen Geschichte sichert.























