
LAUBENHEIM – Jetzt ist das Kunstwerk wieder in seinem ursprünglichen Aussehen, das es zum Jubiläum von Laubenheim erhalten hatte, hergestelllt. Die Stirnseite der Unterführung an der Autobahnbrücke von Weisenau kommend zeigt ein Graffiti von Moritz Overbeck. Der Mainzer Graffiti-Künstler entfaltet darauf in ruhigen Pastellfarben eine stilisierte Laubenheimer Ortsansicht. Geometrische Formen bilden Häuser, Dächer und eine Kirche mit Turm. In der Mitte steht der Schriftzug „1250 Jahre Laubenheim am Rhein“, ergänzt durch einen Vogel und mehrere Wappen.
Vor einem halben Jahr verschwand die Darstellung am Ortseingang hinter einer Schmiererei, erzählte Ortsvorsteher Norbert Riffel (CDU) anlässlich der Spendenübergabe, die die Malerei wieder in ihren Ursprung zu setzen half. Die Schmierereien zogen sich über weite Teile des unteren Bereichs. „Das war schon groß“, erinnerte er sich. Auffällig war auch, dass ein fremdes Werk übermalt wurde. In der Szene gilt gewöhnlich ein anderer Umgang. „Normalerweise beschmieren Künstler ihre gegenseitigen Bilder nicht“, hieß es im Gespräch.
Der Verursacher blieb unbekannt. Zwar habe der Täter signiert, „aber die Polizei konnte nichts damit anfangen“. Riffel stellte Strafantrag. Ohne Ergebnis. Das ursprüngliche Graffiti entstand zur 1250-Jahr-Feier des Mainzer Stadtteils. Für Laubenheim war das Jubiläum ein besonderes Jahr. „Wir haben hier ein ganzes Jahr dafür gearbeitet“, sagte Riffel. Das Bild war ein sichtbarer Bestandteil des Programms. Es sollte den Ort am Eingang begrüßen und an das Jubiläum erinnern. Umso ärgerlicher war die Beschädigung, die lange sichtbar blieb. Die Ortsverwaltung bat um Spenden für die Beseitigung.
Die erwünschte Unterstützung kam dann auch von einem Laubenheimer Unternehmen. Der Geschäftsführer der Zoeller-Gruppe Markus Dautermann traf die Entscheidung, weil die Schmiererei ihn nach eigenem Bekunden gestört habe. Das Bild sei ihm schon vorher aufgefallen, erzählte er. „Ich fand das Gemälde toll.“ Es passte und passe „optisch total schön“, gerade für den Eingang von Laubenheim. „Dann war die Entscheidung für mich relativ schnell und klar. Einfach, um ein Zeichen zu setzen.“
Denn die Verbundenheit zum Standort spiele in seinem Unternehmen eine Rolle. Die Zoeller-Gruppe ist seit 1947 in Laubenheim ansässig. Er selbst sei zwar kein gebürtiger Laubenheimer, er komme aus Weisenau, lebe aber seit zehn Jahren im Stadtteil. „Wir fühlen uns hier sehr, sehr wohl“, sagte er.

Künstler Overbeck übernahm die Überarbeitung seines Werks selbst. „Es wurde gereinigt, das heißt alles Alte abgewaschen und neu gemacht“, berichtete Riffel. Das Motiv blieb erhalten, nur die beschädigten Flächen wurden erneuert. „Es hat neue Farben drauf.“ Die Schmiererei hatte vor allem das untere Drittel betroffen.
Eine Schutzversiegelung stand zur Debatte, wurde aber verworfen. „Ein solcher Schutzfilm kostet rund 1000 Euro“, erklärte Riffel. Doch er könne „nicht die ganze Höhe“ abdecken, sondern nur Bereiche in Reichweite. „Er hätte den Nachteil, dass er den Beton versiegeln würde.“ Neue Schmierereien ließen sich zwar leichter entfernen, „aber abmachen müsste man es genauso“. Hinzu kamen Genehmigungsfragen an der Autobahnbrücke.
Die Spende von 900 Euro erleichterte die Umsetzung, doch der Weg dahin war aufwendig. „So eine Spende, das geht nicht so einfach“, sagte Riffel. Die Annahme musste zunächst formal in einem Stadtratsbeschluss gefasst werden. Am Ende überwog aber die Freude über die Hilfe. „Herzlichen Dank nochmal dafür.“ Heute zeigt sich das Graffiti wieder wie ursprünglich. Für Norbert Riffel bleibt es ein Symbol für das Jubiläum und für das Engagement vor Ort.
Gregor Starosczyk-Gerlach
























