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Große Bedenken gegen die Straßenbahn zur Frankenhöhe Ortsbeirat lehnt städtische Beschlussvorlage mehrheitlich ab

Der Ausbau der Hechtsheimer Straßenbahn zur Frankenhöhe ist sehr umstritten. Foto: Oliver Gehrig

HECHTSHEIM – Rekordbesuch im Hechtsheimer Ortsbeirat: Zur jüngsten Sitzung erschienen mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger, um der Berichterstattung von MVG-Projektleiter Christian Jakobs zum geplanten Straßenbahnausbau bis zur Hechtsheimer Frankenhöhe zu lauschen und dann in der Bürgerfragestunde ihrem Ärger über den geplanten Ausbau Luft zu machen. Deutlich wurde: Der geplante Ausbau wird ein schwieriges Projekt, das nur sehr schwer zu realisieren ist. Der Hechtsheimer Ortsbeirat lehnte nach zweistündiger Diskussion die städtische Beschlussvorlage zu Teilprojekt 3 (Anbindung Heiligkreuzviertel) inklusive des Ausbaus zur Frankenhöhe mehrheitlich ab.

Jakobs stellte zunächst das Teilprojekt 3 inklusive der beiden Zweige Ausbau nach Weisenau und zur Laubenheimer Höhe vor. „Es geht darum, das Heiligkreuzviertel anzubinden, wo mehrere Tausend Menschen leben und arbeiten werden“, betonte er. „Detaillierte Fragen können derzeit noch nicht beantwortet werden. Es werden noch viele Jahre vergehen, bis wir in den Bau gehen.“ Nach der Entwurfsplanung stehe die Genehmigungsplanung bevor, erst dann folgten Baurecht und Ausführung. Die Bundesmittel für das Projekt betragen 75 Prozent der Kosten.

Die Bürgerbeteiligung gebe es seit 2023. „Es besteht weiter die Möglichkeit, sich einzubringen“, versicherte Jakobs. Die Themenwerkstätten hätten 450 Arbeitsaufträge eingesammelt, der aus 20 Personen bestehende Interessenbeirat habe elf Sitzungen abgehalten. Zudem habe es zwei Online-Beteiligungen gegeben. Die vom Interessenbeirat favorisierte Hechtsheimer Vorzugsvariante führe über Auf dem Hewwel und Am Kühborn zur Laubenheimer Höhe. Variante 2 führt über die Bodenheimer Straße, Variante 3 über die Alte Mainzer Straße. Vorteil sei die zentrale Erschließung der Frankenhöhe. „Wir erwarten ein hohes Fahrgastpotenzial“, betonte Jakobs. Prüfanträge befassten sich mit Maßnahmen zur Reduzierung der Schallerschütterung und zu sicheren Querungsmöglichkeiten entlang der Strecke.

Ortsbeirat hat zahlreiche Bedenken

Der Ortsbeirat äußerte etliche Bedenken. „Ich sehe die Straßenbahn über den Hewwel kritisch“, sagte Ortsvorsteherin Ulrike Cohnen (CDU). „Ich habe zu allen Varianten meine Bedenken geäußert.“ Ursula Groden-Kranich (CDU) wollte wissen, wieso die Straßenbahn nicht direkt durch das Heiligkreuzviertel führt. „Der Bebauungsplan hatte schlichtweg keine Straßenbahn durch das Heiligkreuzviertel vorgesehen“, bedauerte Jakobs. „Anscheinend hatte niemand über eine Verbindung direkt durch das Heiligkreuzviertel nachgedacht.“ Groden-Kranich erwiderte: „Auch der Bebauungsplan zur Frankenhöhe sieht eine Straßenbahn nicht vor.“ Knackpunkt sei der Platz Auf dem Hewwel.

„Wir sind überall zweigleisig unterwegs, aber wir können über eingleisige Abschnitte nachdenken“, versprach Jakobs. „Die Frankenhöhe haben wir eingleisig geplant.“ Vera Krahn (CDU) fragte: „Wie realistisch sind die anderen beiden Varianten?“ Jakobs antwortete: „Dafür haben wir noch keine Kosten-Nutzen-Analyse.“ Birgit Zehe-Clauß (FDP) fragte: „Die Bodenheimer Straße ist relativ steil, wie soll das funktionieren? Warum müssen wir die Frankenhöhe über die Straßenbahn erschließen?“ Jakobs: „Wir können die Gaustraße befahren, wir können auch alle anderen Strecken befahren.“ Einwände seien im Planfeststellungsverfahren einbringbar.

Dr. Rupert Röder (Grüne) fragte nach einer langfristigen Kostenschätzung, Kai Schütz (ÖDP) nach genauen Zahlen. Die konnte Jakobs nicht liefern. „Derzeit ist jede Zahl noch über den Daumen gerechnet.“

Ylva Dayan (SPD) fragte: „Wer legt fest, welcher Lärmwert der Bevölkerung zumutbar ist?“ Das regele die Bundesemissionsschutzverordnung, so Jakobs. Schallschutzwände seien möglich. „Es ist ein Abwägungsprozess.“ Einen Vergleich mit dem Ausbau der Mainzelbahn in Bretzenheim stellte Gerhard Wenderoth (Freie Wähler) an. „Wir kriegen neue Fahrzeuge. Die sind deutlich leiser“, versicherte Jakobs. Jan-Dustin Kley (SPD) hat auf der Frankenhöhe Skepsis, Gleichgültigkeit und Vorfreude auf den Straßenbahnausbau erlebt. Er bat, alle drei Varianten sehr sorgfältig zu prüfen. Eine weitere Bürgerbeteiligung werde kommen, versicherte Jakobs. „Ich finde es wichtig, dass die Bürger mehr mit einbezogen werden“, betonte Ortsvorsteherin Cohnen. So sollten Flyer auf der Frankenhöhe verteilt werden.

Anwohner äußern sich sehr kritisch

In der Einwohnerfragestunde äußerte die Bürgerschaft weitere Bedenken. Ein Anwohner brachte das Altenheim Auf dem Hewwel ins Gespräch. Dort sei die Straßenbahn nur eingleisig in angemessenem Tempo unterwegs, versicherte Jakobs. Die Lärmwerte seien durch den Fluglärm doch jetzt schon überschritten, klagte eine Anwohnerin. „Der Fluglärm wird nicht berücksichtigt“, antwortete Jakobs. Weitere Kritikpunkte waren die sehr enge Trasse am Wasserwerk, Probleme mit einer Feuerwehrzufahrt in der Bodenheimer Straße und erneut der Platz Auf dem Hewwel, der von Kindern und Senioren genutzt werde. „Das fehlt mir in dem Bericht“, sagte eine Anwohnerin unter Beifall. „Wir fahren langsam auf Sicht“, versicherte Jakobs. „Eine Einzäunung wird es nicht geben.“

Besonders kritisch äußerte sich eine weitere Anwohnerin: „Ohne die Frankenhöhe würden sie die Bundesmittel gar nicht kriegen. Eine Schnapsidee, eine Straßenbahn durch das engste Wohngebiet von Hechtsheim zu führen, wird nicht besser, wenn man sie mit Bundesmitteln zuschüttet.“ Dazu Jakobs: „Der Stadtrat hat 2020 beschlossen, dass in Mainz das Straßenbahnnetz weiterentwickelt wird. Wir führen das aus.“

Ortsbeirat lehnt Beschlussvorlage ab

Zur Beschlussvorlage tauschten sich die Fraktionen aus. „Ich werde dem heute nicht zustimmen“, sagte Ursula Groden-Kranich (CDU). „Da wird eine Festlegung getroffen.“ Ylva Dayan (SPD): „Wir unterstützen den Ausbau des ÖPNV, auch wenn wir gegen Variante 1 sind.“ Birgit Zehe-Clauß (FDP): „Mir wäre es sympathischer, zuerst zu prüfen.“ Gerhard Wenderoth (Freie Wähler). „Ich werde zustimmen. Mich interessiert die detaillierte Planungsstufe.“ Ortsvorsteherin Ulrike Cohnen (CDU): „Wir können nicht über die Köpfe der Bürger hinweg entscheiden. Ich bin sehr skeptisch.“ Patrick Hasemann (CDU): „Von den Anwohnern ist heute mehr Ablehnung gekommen. Wir sollten mehr im Interesse der Anwohner planen.“ Vera Krahn (CDU): „Was ist mit den Leuten, bei denen die Straßenbahn direkt vor dem Haus vorbeifährt?“ Jan-Dustin Kley (SPD): „Wenn wir heute Nein sagen, schließen wir auch Variante 3 aus.“ Dr. Rupert Röder (Grüne): „Wir reden heute über ein Projekt, das vielleicht 2030 gebaut wird.“

Die Beschlussvorlage wurde mit sechs Ja-Stimmen von SPD, Grünen und Freien Wählern bei sieben Nein-Stimmen von CDU, FDP und ÖDP vom Ortsbeirat mehrheitlich abgelehnt. Die endgültige Entscheidung über das Projekt trägt der Mainzer Stadtrat.

Oliver Gehrig