FINTHEN – Jeder von uns hat früher die Schulbank gedrückt und hat daran lebhafte Erinnerungen. Trotzdem ist das Thema Schulen kaum dokumentiert. Der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) Finthen hat sich jetzt an das Thema herangewagt und präsentierte die zweitägige Ausstellung „Schulen und Schulwesen in Finthen von 1775 bis 2023“ im Foyer des Schulgebäudes in der Lambertstraße der interessierten Öffentlichkeit.

„,Schule in Finthen’ ist nicht einfach als Thema, weil Schule kaum dokumentiert wird“, sagte HGV-Vorsitzender Benno Kraft zur Eröffnung. „Es ist einfach ein gelebter Alltag.“ Er begrüßte rund 50 Ehrengäste zur Eröffnungsfeier, darunter Ortsvorsteher Manfred Mahle, seinen Vorgänger Herbert Schäfer, den Vereinsringsvorsitzenden Jürgen Hinkel sowie Vertreter der Kirchengemeinden und der Schulen. „Tauchen Sie ein, viel Spaß beim Stöbern.“ Die 2. HGV-Vorsitzende Agnes Wintrich dankte dem Orchesterverein St. Martin, dessen acht Bläserinnen und Bläser die Eröffnungsfeier mit Klassikern wie „Nobody know’s the Trouble I’ve seen“ und „Smoke on the Water“ musikalisch umrahmten. Wintrich ging auf den Wandel der jetzigen Peter-Härtling-Schule ein und hieß die ehemaligen Lehrkräfte der Finther Schulen besonders willkommen. „Was wäre eine Schule ohne Lehrerinnen und Lehrer? Ein Ort ohne Leben.“

Ortsvorsteher Manfred Mahle lobte die Sorgfalt und Genauigkeit, mit der der HGV recherchiert hatte. Dabei halfen die Broschüren des Finther Zeitspiegels „Schulen 1945-2023“. Auch die aktuelle Schulraumnot mit dem Abriss des Schulgebäudes in der Layenhofstraße und der momentanen Containerlösung in der Uhlerbornstraße findet Erwähnung. Mahle stellte in Aussicht, dass mit dem neuen Schulgebäude beide Finther Schulstandorte Lambertstraße und Layenhofstraße zusammengeführt werden. Vereinsringsvorsitzender Jürgen Hinkel hob das hohe ehrenamtliche Engagement des Vereins hervor. „Der HGV schafft es auch im 33. Jahr seines Bestehens, die Geschichte von Finthen für die Nachwelt aufrecht zu erhalten.“ Lehrerin Sabine Schwarz dankte dem Verein: „Wir freuen aus außerordentlich, dass der HGV sich mit der Historie unserer Schule beschäftigt hat und solch eine tolle Ausstellung konzipiert hat.“ Aktuell bestehe die Finther Schule aus rund 500 Schülerinnen und Schülern, 66 Mitarbeitenden sowie 40 Lehrkräften.

Beim Rundgang entlang der Schautafeln im Foyer gab es viel Wissenswertes zu erfahren. So wurde 1775 mit Jakob Krämer erstmals ein Finther Lehrer urkundlich erwähnt. Dokumentiert sind die französische Zeit (1797-1813) und die hessische Zeit (1816-1945). Das Schulwesen war zwar unter staatlicher Aufsicht, oblag jedoch bis 1874 dem Ortsgeistlichen. In Finthen waren das die Pfarrer Michael Vogt (1803-1836), Paul Anton Autsch (1837-1863) und Heinrich Josef Reitmeyer (1864-1887). 1775 wurde das alte Schulhaus an der Pfarrkirche und dem Rathaus bezogen, 1830 kam das Jungenfeldhaus als zweites Schulgebäude hinzu. Nach der Schule in der NS-Zeit war 1958 die Einweihung des Neubaus in der Lambertstraße weiteres Ausstellungsthema. 1966 wurde der Neubau in der damaligen „Schillerstraße“, das jetzt abgerissene Schulgebäude an der Ludwig-Schwamb-Straße und der Layenhofstraße, eingeweiht. Der derzeit entstehende Neubau in der Layenhofstraße und die Interimsschule in der Uhlerbornstraße waren weitere Ausstellungsthemen. Ebenso die nun freigelegte Zeitkapsel von 1964, die die Finther Vergangenheit dokumentiert (wir berichteten).
Zahlreiche interessante Fotodokumente ergänzten die Ausstellung. Das älteste Klassenfoto stammt von 1899. Einen Aha-Effekt lieferte ein Foto des Kollegiums von 1966 mit den damaligen Lehrern Adolf Kasper und Walther Kreis sowie der damaligen Lehrerin Jutta Klausfelder.
Oliver Gehrig