
NIEDER-OLM – 15 Minuten dauern die großen Pausen in der Schule für gewöhnlich, und Schüler nutzen diese wertvolle Zeit ganz unterschiedlich. Manche spielen Fußball, werfen Körbe oder rennen zur Tischtennisplatte, andere besuchen das Schulbistro. Und am Gymnasium in Nieder-Olm können die Fünft- und Sechstklässler sogar kurz ins All fliegen.
Virtueller Rundflug um die Erde
Keine Sorge, die Kinder werden nicht wirklich in die Erdumlaufbahn katapultiert, aber mit dem SpaceBuzz One der Deutschen Raumfahrtagentur fühlt es sich täuschend echt an. So wurde der begehbare High-Tech-LKW getauft, der äußerlich wie eine liegende Rakete im Mini-Format aussieht. Neun Schüler können dort auf beweglichen Sitzen Platz nehmen und sich von der Inneneinrichtung im Weltraumdesign inspirieren lassen, bevor sie die VR-Brillen aufziehen und die Reise losgeht.
Der SpaceBuzz One ist von der Deutschen Raumfahrtagentur als Bildungsprogramm für den MINT-Unterricht gedacht. Für Catrin Harz ist der dreitägige Besuch des mobilen Raumschiffs deswegen ein riesiger Gewinn; als Lehrerin für Mathematik und Physik und MINT-Beauftragte der Schule weiß sie, wie wichtig praktische und interaktive Unterrichtsmethoden sind. Es bringe wenig, wenn der Lehrer nur vorne an der Tafel steht und alles nur in der Theorie erkläre, „man muss es die Schüler auch selbst erleben lassen.“
Unterricht von Astronauten
Gleichzeitig soll das Projekt auch für mehr Umwelt- und Klimaschutz werben. Während der SpaceBuzz One um die Erde kreist, kriegen die Schüler im Video von den Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer eine ganze Menge interessantes Wissen über ihren Heimatplaneten vermittelt. „Man sieht die Rodung der Regenwälder, die schmelzenden Polarkappen, aber auch faszinierende Naturphänomene wie Nordlichter“, erklärt Vanessa Mies, die als Schaustellerin die Schüler auf ihrem Ausflug begleitet. Über 85 Prozent des Videos seien Originalaufnahmen aus dem Weltall, das mache besonders Eindruck.
Das globale Bewusstsein dafür, keine zweite Erde im Keller zu haben, komme laut Mies bei den Schülern schnell an. Das „Herzensprojekt“, wie sie es nennt, würde sie anderen Schulen auf jeden Fall empfehlen. „Man rückt Themen in den Blick, die sonst eher untergehen, und die Schüler bringen sich in der Nachbereitung auch immer mit eigenen Ideen ein.“ Doch die SpaceBuzz One kann leider nicht bleiben – irgendwo in Deutschland warten schon die nächsten Schüler auf ihren Flug ins All.
Felix Werner

























