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Als in Budenheim der Audiostream ausfiel Bürgerschaft verpasste die Haushaltsdebatte wegen niedriger Übertragungsraten

Ist der Haushalt nun beschlossen oder nicht? Bei der Übertragung der Budenheimer Gemeinderatssitzung war das für Bürger kaum nachzuvollziehen. Statt der Haushaltsdebatte dominierte über weite Strecken der Hinweis auf die niedrige Datenrate in der Bildschirmmitte – ein Symbol für ein Transparenzangebot, das ausgerechnet bei einer wichtigen Entscheidung versagte. Bildschirmfoto: Gregor Starosczyk-Gerlach
Ist der Haushalt nun beschlossen oder nicht? Bei der Übertragung der Budenheimer Gemeinderatssitzung war das für Bürger kaum nachzuvollziehen. Statt der Haushaltsdebatte dominierte über weite Strecken der Kreis: Ein Hinweis auf die niedrige Datenrate in der Bildschirmmitte. Bildschirmfoto: Gregor Starosczyk-Gerlach

BUDENHEIM – Die Idee ist richtig, der Anspruch hoch: Seit Anfang des Jahres können Bürger die Sitzungen des Budenheimer Gemeinderats über die Homepage der Gemeinde im Audiostream verfolgen. Parallel dazu werden auf dem Monitor die jeweiligen Sitzungsunterlagen eingeblendet. Das soll kommunalpolitische Entscheidungen nachvollziehbarer machen. Doch was, wenn sich die Bürger auf die Technik verlassen, und statt ins Bürgerhaus, vor den Computer setzen?

Anspruch und Wirklichkeit

Ausgerechnet bei einer besonders wichtigen Sitzung zeigte sich zuletzt, wie fragil das digitale Transparenzangebot noch ist. Bei der Gemeinderatssitzung am 29. April, in der über den Haushalt der Gemeinde entschieden wurde, kam es zu massiven Ton- und Bildaussetzern. Der Stream stockte wiederholt, zeitweise war es kaum möglich, der Debatte sinnvoll zu folgen. Wer die Sitzung nicht vor Ort verfolgte, konnte am Ende nur eingeschränkt nachvollziehen, ob und wie der Haushalt beschlossen wurde.

Nach offenbar zahlreichen Beschwerden hat die Gemeinde nun eine Erklärung veröffentlicht. Darin entschuldigt sich Digitalbeauftragter Christopher Mertens im Namen der Gemeindeverwaltung für die mangelhafte Übertragungsqualität. Viele hätten die Sitzung online verfolgt, heißt es in dem Schreiben. Die Hinweise auf die Probleme nehme man ernst.

648 kbit/s versus Transparenz

Als Ursache nennt die Gemeinde einen massiven Einbruch der verfügbaren Bandbreite vor Ort. Konkret habe die Übertragungsrate nur 648 Kilobit pro Sekunde betragen und damit weit unter dem notwendigen Minimum gelegen. Dass der Stream grundsätzlich funktionieren könne, habe die reibungslose Übertragung der Sitzung vom 4. Februar gezeigt. Die April-Sitzung sei hingegen ein „technisches Extrembeispiel“ gewesen.

Technische Engpässe im Rathaus

Die Gründe für die Engpässe seien vielfältig. Eine Rolle spiele die verzögerte Anbindung an das Glasfasernetz. Diese verzögere sich nach Angaben der Gemeinde wegen der Insolvenz der Ausbau-Firma voraussichtlich bis Ende 2027. Hinzu kämen externe Belastungen durch eine geteilte Leitung im Bereich der Berliner Straße sowie interne Systemprozesse, etwa notwendige Serverupdates. Auch die gleichzeitige Nutzung des Gast-WLANs im Rathaus könne zur Überlastung beitragen.

Transparenz braucht Verlässlichkeit

Die Verwaltung kündigt an, die Technik so angepasst zu haben, dass künftig die Stabilität des Tons Vorrang vor der Bildschärfe erhält. Damit wird der Fokus auf den Kern der Übertragung gelegt: die Nachvollziehbarkeit der Beratung und Beschlussfassung.

Wiederholen lässt sich nun die Sitzung nicht: Doch gerade bei Haushaltsdebatten, in denen es um Prioritäten, Investitionen und die finanzielle Handlungsfähigkeit der Gemeinde geht, wäre ein verlässlicher Ton entscheidender als ein scharfes Bild.

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Gregor Starosczyk-Gerlach: Redaktionsleiter für Journal LOKAL Rheinhessen. Erfahrener Journalist und Fotograf für Journal LOKAL seit 2013. Experte für Lokalmedien mit Schwerpunkt Rheinhessen und Mainz. Theologiestudium als Inspirationsquelle für faszinierende Alltagsgeschichten.