BODENHEIM – Mehr als 70 Frauen kamen im Bürgerhauses Dolles in Bodenheim zusammen, um gemeinsam zu frühstücken, zuzuhören und sich auszutauschen. Anlass war das traditionelle Frauenfrühstück der Verbandsgemeinde (VG) Bodenheim rund um den Weltfrauentag – diesmal ergänzt um eine besondere Autorenlesung.
Initiiert hatte die Veranstaltung die Gleichstellungsbeauftragte der VG, Heike Hermes. Unterstützt wurde sie von Kooperationspartnerin Kerstin Thieme-Jäger vom Generationennetzwerk Bodenheim sowie von zahlreichen freiwilligen Helferinnen, die für die Bewirtung am regionalen Buffet sorgten.

Im Mittelpunkt des Vormittags stand die Lesung von Petra Urban aus ihrem Buch „Sprudelndes Leben, strömende Zeit“. Die Geschichten handeln vom Älterwerden – ehrlich, poetisch und voller Zuversicht. Sie erzählen von Frauen jenseits der Lebensmitte, deren Leben vielleicht einen ruhigeren Rhythmus annimmt, zugleich aber intensiver wird. Die Texte inspirieren dazu, den eigenen Bedürfnissen zu folgen, einen neuen Lebensrhythmus zu finden und die scheinbaren Unvollkommenheiten des Lebens mit Gelassenheit anzunehmen.
Die Gäste hingen gebannt an den Lippen der Autorin, nickten zustimmend, lachten ungläubig, tauschten Blicke aus und spendeten am Ende langen Applaus. Urbans Geschichten trafen einen Nerv. „Es ist schwer, sich einzugestehen, dass man nicht mehr zu den Jungen gehört, auch, wenn man sich innerlich noch genauso fühlt. Die Jungen merken das leider sofort“, sagte sie lächelnd und aus eigener Erfahrung. Älter zu werden sei keine Kunst, fügte sie hinzu. Die Kunst bestehe darin, das Altern zu ertragen.

Ihre Geschichten handeln von Frauen, die sich vom Älterwerden nicht einschüchtern lassen. Frauen, die ihre Freiheiten nutzen, ihre Meinung sagen und ihr Leben mit Freude und Optimismus gestalten – ganz im Sinne von Astrid Lindgrens berühmtem Satz, „dass es kein Verbot für alte Weiber gebe, auf Bäume zu klettern“.
Nach der Lesung bildete sich schnell eine lange Schlange vor dem Tisch, an dem die Autorin ihre Bücher signierte. Viele Frauen nutzten die Gelegenheit zum persönlichen Gespräch, erzählten von eigenen Erfahrungen und Gedanken zum Älterwerden. Die mitgebrachten Exemplare reichten schließlich nicht aus.
Dass Urbans Worte viele Herzen bewegt hatten, zeigte sich auch an den angeregten Gesprächen untereinander. Der Vormittag hatte mehr zu bieten als leckeres Essen und literarischen Genuss: Er öffnete Räume für Austausch, Erinnerungen und vielleicht auch neue Perspektiven auf das eigene Älterwerden.

Die Idee zur Lesung war aus einer ganz persönlichen Begegnung mit dem Buch entstanden. Während einer Auszeit in einem Kloster hatte Heike Hermes „Sprudelndes Leben, strömende Zeit“ in der Bibliothek entdeckt und sich beim Lesen sofort „gesehen“ gefühlt. Für sie war schnell klar, dass diese Texte perfekt zum Weltfrauentag passen würden. Sie hatte recht …
Die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Dr. Petra Urban wurde 1957 in Dohna bei Pirna geboren, sie studierte Germanistik und Philosophie und lebt in Bingen am Rhein. Zu ihren Veröffentlichungen gehören erfolgreiche Romane, Erzählungen und Kurzgeschichten, darunter „Mein Herz tanzt bis zum Himmel“, „Welch unerhörte Lust zu leben“ und „Das Leben ist ein Abenteuer oder gar nichts“.
Das nächste Frauenfrühstück der Gleichstellungsbeauftragten ist bereits geplant: Am 24. Oktober sollen sich Frauen aus der Verbandsgemeinde wieder zum Austausch treffen. Man darf gespannt sein.

























